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Die neue Auspuffanlage darf seit 2011 in der Formel 1 genutzt werden © getty

Das Einlenken der FIA bei der Auspuff-Debatte sorgt bei vielen Rennställen für Erleichterung. Doch es gibt auch Verlierer.

Von Barnabas Szöcs

München - Die Erleichterung bei einigen Teams dürfte enorm gewesen sein.

Nur einen Tag nach der FIA-Ankündigung, die neuen Auspuffsysteme bereits beim Grand Prix von Spanien (1. Training, Fr., ab 10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) verbieten zu wollen, kam das überraschende Einlenken.

Nach einem Dialog zwischen Teams und Automobil-Weltverband sollen "unvorhergesehene und unbeabsichtigte Konsequenzen" zum Umdenken der FIA geführt haben, hieß es laut "autosport.com".

Damit können die Teams, allen voran Red Bull und Renault, deren Leistungen vor allem auf dem komplexen, aerodynamischen System basieren, vorerst durchatmen (DATENCENTER: WM-Stand).

Red Bull kann durchschnaufen

Besonders das Weltmeisterteam um Sebastian Vettel darf aufatmen, denn ein Verbot hätte das Kräfteverhältnis in der Formel 1 mächtig durcheinanderwirbeln können - zu Ungunsten der "Bullen", die das System perfektioniert haben.

Bei mehreren Rennteams basiert die Performance zum großen Teil auf besagtem Auspuffsystem, welches Abgase gezielt unter das Auto leitet, um zusätzlichen Anpressdruck zu generieren.

Damit dieser Effekt stabil bleibt und die Balance der Boliden nicht gestört wird, müssen die Auspuffgase auch ausströmen, wenn der Fahrer nicht auf dem Gaspedal steht.

Durch die Motorsteuerung produziert das Aggregat ein Zwischengas, welches die FIA eigentlich ab dem Rennen in Barcelona verbieten wollte.

Horner und Brawn besorgt

Bereits unmittelbar nach Bekanntgabe der geplanten Reglementänderung zeigten sich führende Köpfe wie Red-Bull-Teamchef Christian Horner und Mercedes-Superhirn Ross Brawn besorgt, dass das Verbot großen Einfluss auf den Wettbewerb haben könnte.

Zudem hätte das neue Reglement die Ingenieure vor große Probleme gestellt, ganz abgesehen von der geringen Zeitspanne bis zum Rennen.

McLaren wäre im Vorteil

"Ich glaube, dass alle wichtigen Teams auf den gleichen Trick mit der Motorsteuerung setzen", vermutet McLaren-Ingenieurschef Tim Goss: "Sollten die letzten Richtlinien für die Anwendung des Motors zur Anströmung des Unterbodens zum Tragen kommen, dann würde das unsere Performance stark beeinträchtigen."

Damit wäre man aber nicht alleine: "Ziemlich sicher würde es auch die Performance unserer Hauptkonkurrenten beeinträchtigen", so Goss.

"Ich kann unmöglich sagen, ob es uns mehr treffen würde als unsere Konkurrenten", meint der Brite weiter. Dennoch schmerzt ihn der Rückzieher seitens der FIA: "Ich weiß nur, wie wir davon profitieren würden - und dabei handelt es sich um einen ziemlich beträchtlichen Vorteil."

McLaren wäre nämlich auf eine Neuausrichtung der Regeln bereits vorbereitet, befindet sich daher in einer glänzenden Position: "Wir können sofort reagieren, wenn die FIA das fordert", sagt Goss.

Lotus plant gewaltigen Sprung

Doch auch kleinere Teams würden von der Kehrtwende profitieren.

Lotus-Ingenieur Mike Gascoyne beendete erst kürzlich sein neues Auspuffsystem für die Boliden von Jarno Trulli und Heikki Kovalainen und verspricht sich eine enorme Leistungssteigerung. Etwa "eine Sekunde" soll seine Neuentwicklung bringen.

"Es handelt sich um ein Diffusor-Paket im Stil von Red Bull ? und es ist ein großer Schritt - viel größer als man es normalerweise erwarten würde", schwärmte Gascoyne: "Aus diesem Grund hat es auch jeder gemacht. Dadurch werden wir die Teams vor uns einholen, die das System bereits verwenden."

FIA-Aufschub auf Zeit

Das Thema Auspuff ist jedoch noch nicht vom Tisch. Bereits beim nächsten Treffen der Technischen Arbeitsgruppe soll das Verfahren wieder aufgerollt werden.

Tim Goss jedenfalls glaubt an eine bevorstehende Wende: "Derzeit sieht es so aus, als hätte die FIA entschieden, dass es sich um eine komplexe Angelegenheit handelt und man daher noch etwas Zeit braucht."

Warum jedoch nun über eine Änderung nachgedacht wird, kann Goss aber nicht nachvollziehen: "Ich verstehe die Gründe nicht. Keine Ahnung, ob es von der FIA selbst ausgeht oder ob sie von jemand anderem dazu angestachelt worden sind."

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