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Red Bull vorneweg: So sah es bislang in dieser Saison häufig aus © getty

Der ehemalige Formel-1-Pilot spricht bei SPORT1 über die Stärken und Schwächen der Top-Teams. Er glaubt an Michael Schumacher.

Von Tobias Wiltschek

Barcelona/München - In Barcelona werden die Karten neu gemischt.

Die meisten Teams kündigen vor dem Grand Prix von Spanien neue Updates ihrer Entwicklungen. Ob das auch zu einer Veränderung der Kräfteverhältnisse führt, bleibt abzuwarten.

Dass Red Bull seine Spitzenposition verlieren wird, glaubt TV-Experte Marc Surer nicht. (DATENCENTER: WM-Stand)

"Ich würde mich wundern, wenn nicht wieder Red Bull das Maß der Dinge sein würde", sagt der ehemalige Formel-1-Pilot bei SPORT1 über die Dominanz von Weltmeister Sebastian Vettel und Mark Webber.

Schumi könnte Tief überwinden

Dahinter aber erwartet Surer in Barcelona (1. Training, Fr., ab 10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) ein spannendes Rennen um die Plätze, in dem er Ferrari leicht im Vorteil sieht. Schließlich sei die Scuderia bei den Wintertests auf derselben Strecke sehr schnell gewesen.

Darüber hinaus hält es der Schweizer für möglich, dass Mercedes-Pilot Michael Schumacher "dort aus seinem Tief herauskommen" könnte. "Denn er ist immer sehr gut in Barcelona gefahren."

Referenz für die Hackordnung

Die Strecke in Katalonien wird von den Piloten am häufigsten befahren und gilt somit als aussagekräftige Referenz für die Hackordnung in der Formel 1.

Kurz vor dieser wichtigen Standortbestimmung analysiert Marc Surer im großen SPORT1-Check den aktuellen Entwicklungsstand der Teams und gibt Prognosen für den weiteren Verlauf der Saison ab.

Red Bull (Erster, 148 Punkte)

Surer: "Die hatten nur einen Schwachpunkt; das KERS. Das haben sie nicht immer zum Laufen bekommen. Sie hatten offensichtlich ein Problem mit der Kühlung. Deswegen mussten sie es ab und zu abstellen oder es war überhaupt nicht im Einsatz. Das haben sie ja offensichtlich für die Türkei schon umgebaut. Sie scheinen auf einem guten Weg zu sein, dass KERS in den Griff zu bekommen. Wenn das funktioniert, behalten sie ihren Vorsprung."

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McLaren (Zweiter, 105 Punkte)

Surer: "McLaren macht von allen Teams immer die größten Entwicklungsschritte. Die haben nach den schlechten Tests in Barcelona alle überrascht, dass sie zum Saisonstart in Melbourne doch mithalten können. So war es auch bei den beiden folgenden Rennen. In der Türkei waren sie nicht ganz dran, aber das hatte vielleicht auch mit der Strecke zu tun. McLaren kann den Red Bull immer einheizen. Die müssen jetzt einfach weiterentwickeln und das gute Auto, das sie haben, weiter verbessern."

Ferrari (Dritter, 65 Punkte)

Surer: "Ferrari hat im Winter sehr viele Langstreckentests unternommen. Die Piloten sind also häufig Renndistanzen gefahren. Da waren sie extrem stark. Aber im Rennen konnten sie es nicht so wirklich zeigen, wobei Alonso schon zwei starke Rennen hatte: In Malaysia hat er sich zwar den Flügel abgefahren, war aber sehr schnell. Auch in der Türkei war er im Rennen richtig vorne dabei. Da hat er dem Webber eingeheizt. Das heißt, er konnte als Einziger mit den Red Bull mithalten. So gesehen, hat Ferrari wieder dahin zurückgefunden, worauf sie sich im Winter vorbereitet haben; nämlich ein schnelles Auto im Rennen zu haben. Woran sie arbeiten müssen, ist die Qualifikation. Ich denke aber, dass der Aufschwung von Ferrari anhält. Die haben ihre Schwäche überwunden."

Renault (Vierter, 42 Punkte)

Surer: "Ich glaube, dass der Renault ein sehr starkes Auto ist. Es gibt aber einfach zu starke Schwankungen. Man weiß nicht genau, warum. Vielleicht ist das Auto schwer abzustimmen. Auf jeden Fall haben sie nicht die Konstanz, die man eigentlich von ihnen erwarten würde und die sie letztes Jahr hatten. Trotzdem glaube ich, dass das Auto sehr stark ist, denn zwischendurch lässt es ja seine Stärke wieder aufblitzen. Mir fehlt die Konstanz. Um die wieder herzustellen, ist Nick Heidfeld gefordert, er ist der erfahrene Mann im Team."

Mercedes (Fünfter, 26 Punkte)

Surer: "Bei Mercedes hat man das Problem offenbar gefunden. Sie mussten zunächst zusätzliche Öffnungen in die Karosserie machen, um verschiedene Teile am Auto zu kühlen. Damit hat sich die Aerodynamik verändert. Das haben sie zunächst gar nicht gemerkt. Erst in China haben sie wieder zurückgebaut auf den Stand der Tests von Barcelona und die Öffnungen wieder geschlossen. Und siehe da, das Auto ging gut. Auch in der Türkei war es nicht so warm, weshalb sie wieder auf die zusätzliche Kühlung verzichten konnten. Auch da ging das Auto wieder. Sie haben das Problem erkannt und arbeiten nun an einer Kühlung, die die Aerodynamik nicht beeinträchtigt. Ich erwarte von ihnen, dass sie jetzt dahin fahren, wo sie hingehören; und zwar vor Renault. Ich denke, dass sie sich auch auf der Ebene von Ferrari und McLaren einfinden werden."

Von den kleineren Teams sieht er vor allem Sauber im Aufwind. "Das Team wird Updates mitbringen, die sie teilweise schon in der Türkei ausprobiert haben", sagt der 59-Jährige bei SPORT1. "Sie werden einen Auspuff a la Red Bull haben. Dadurch erhoffen sie sich noch einmal einen Schritt nach vorne, so dass das Platzierungen unter den ersten Zehn zur Gewohnheit werden."

Enttäuscht ist Surer dagegen von den bisherigen Williams-Vorstellungen, die er sich nicht erklären kann. "Es kann nicht sein, dass das Auto so schlecht ist, dass sie nicht einmal unter die ersten Zehn kommen. Das Auto ist sehr revolutionär gebaut und müsste eigentlich viel weiter vorne stehen." Ob die Umstrukturierungen, die im Gange sind, in Barcelona schon wirken, müsse man abwarten.

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