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Der 49-Jährige Aldo Costa arbeitet bereits seit 1997 für die Scuderia © getty

Nach dem verkorksten Saisonstart rollen bei den Roten die ersten Köpfe. Costa mussgehen. Auch Domenicali gerät unter Druck.

Von Olaf Mehlhose

München - Aufregung wäre untertrieben - bei Ferrari herrscht Panik.

Der verkorkste Saisonstart - eine Podiumsplatzierung in fünf Rennen - hat vor dem Monaco-GP (1. Training, Do., ab 10 Uhr im LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) mit der Demission von Technik-Chef Aldo Costa sein erstes Opfer gefordert. (Ferrari-Boss schlägt Alarm)

Ob der Rücktritt des 49-Jährigen nun aber die große Wende einleitet, ist mehr als fraglich.

Das Kernproblem bleibt: Der F150 Italia ist zu langsam. Nur der fahrerischen Klasse von Fernando Alonso ist es zu verdanken, dass beim Team aus Maranello noch einen Fünkchen Hoffnung auf den WM-Titel besteht. (DATENCENTER: WM-Stand)

Ferrari kommt nicht zur Ruhe

Darüber hinaus haben die Roten auch neben der Strecke immer wieder mit Problemen zu kämpfen.

Am Rennwochenende in Spanien sah sich die Scuderia mit Spionage-Vorwürfen aus dem Red-Bull-Lager konfrontiert, kanzelte diese jedoch als "lachhaft" ab.

Allerdings sind Auseinandersetzungen mit anderen Teams im Moment das Letzte, was der Traditions-Rennstall gebrauchen kann.

Doch der Vorfall passt zu dem hektischen Eindruck, den Ferrari seit einigen Wochen vermittelt.

Kritik von Ex-Mitarbeiter

Formel-1-Experte Joan Villadelprat, der von 1987 bis 1989 selbst bei Ferrari beschäftigt war, mahnte seinen ehemaligen Arbeitgeber nun, kühlen Kopf zu bewahren - vor allem bei Personalentscheidungen.

"In einem Unternehmen wie Ferrari darf man nicht in Panik verfallen", kommentierte der Spanier bei "El Pais" die Versetzung von Costa: "Nach nur fünf Rennen war definitiv noch nicht der Zeitpunkt dafür." (Erstes Opfer der Ferrari-Krise)

Brutaler Druck

Der Druck auf Ferrari sei nach der Schmach von Barcelona (Bericht), als Top-Fahrer Alonso sogar überrundet wurde, brutal, erklärte der 55-Jährige.

[kaltura id="0_do2pfk7q" class="full_size" title="Streckenvideo Monaco"]

Der Rennstall müsse jetzt aber "um jeden Preis das Rollen von Köpfen vermeiden - eine Reaktion, die bei Ferrari leider typisch ist, wenn die Dinge nicht so laufen wie geplant". ( "Rentenvertrag" für Alonso)

Nun ohne Costa weiterzumachen, sei in jedem Fall kontraproduktiv, sagte Villadelprat: "Er ist immerhin genau der Mann, der im letzten Jahr so ein fantastisches Auto für Ferrari gebaut hat."

Wer fliegt als Nächster?

Dass sich die Lage in Maranello beruhigt, scheint indes nur ein frommer Wunsch zu sein.

Im italienischen Blätterwald kursieren bereits Gerüchte, dass Chef-Designer Nikolas Tombazis ebenfalls auf der Abschussliste stehen soll.

Folgt als Nächster vielleicht schon Teamchef Stefano Domenicali?

Alle Macht für Domenicali

Der 46-Jährige steht offenbar noch nicht zur Disposition, arbeitet aber zumindest auf Bewährung.

Verständlich, dass sich der Ferrari-Chef nach Costas Abgang zunächst die größtmögliche Machtfülle sicherte.

Pat Fry wird neuer Chassis-Chef, Corrado Lanzone übernimmt die Produktion und Luca Marmorini soll die Elektronik verantworten.

Alle drei unterstehen Domenicali direkt.

"Eine Schande"

Allerdings wird es von nun an auch deutlich schwieriger, Misserfolge zu begründen.

Für den Negativ-Trebn beim Spanien-GP fand der Teamchef jedenfalls noch eine Erklärung.

"Die Reifen haben an unseren Boliden einfach nicht funktioniert und wir sind nur so herumgerutscht, weil wir die Pneus einfach nicht auf Temperatur gebracht haben", erläuterte der Italiener.

Allerdings räumte er auch ein, dass Barcelona in Bezug auf die Geschwindigkeit im Rennen der schlechteste Grand Prix seit Saisonbeginn gewesen sei: "Davor waren wir noch schneller, das ist also ein Schande."

Gerüchte um Briatore

Als Schande dürften die Ferrari-Bosse auch die 67 Punkte Rückstand von Alonso auf Weltmeister Sebastian Vettel empfinden.

Sollten sich nicht kurzfristig Erfolge einstellen, wird Domenicali eher früher als später ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.

Bereits vor einigen Wochen war im Lager der Roten offen über eine Rückkehr von Flavio Briatore spekuliert worden. (Bericht: Alonso fordert mehr Mut)

Und Alonso betonte ausdrücklich, dass er ein Comeback seines Mentors begrüßen würde.

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