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Seit 2010 firmiert Mercedes als eigenes Team und hat 25 GP-Rennen bestritten © imago

Die Silberpfeile fahren eine weitere Saison der Konkurrenz hinterher. Teamchef Ross Brawn denkt schon an die kommende Saison.

Von Daniel Michel

München - Nach der schwachen Saison 2010 mit WM-Konstrukteursplatz vier setzt sich die Misere bei Mercedes auch 2011 fort.

Nach einem Drittel der Saison liegen die Silberpfeile in der Teamwertung nur auf Rang fünf. (KOLUMNE: Peters Pitstop)

Die Krise ist längst da, doch von Mercedes-Seite will sich das niemand anmerken lassen. Nur Teamchef Ross Brawn scheint die Saison schon abgehakt zu haben.

Nullnummer in Monaco

Große Hoffnungen hatten Nico Rosberg und Michael Schumacher in den prestigeträchtigen Monaco-Grand-Prix gesetzt? am Ende standen beide Mercedes-Piloten mit leeren Händen da.

So verpatzte Schumacher den Start, weil sein Getriebe in den Leerlauf geschaltet hatte. Später fiel er durch einen Brand seiner Airbox aus. (Bericht)

Teamkollege Nico Rosberg belegte nur Rang 11 und musste sich von Sieger Sebastian Vettel zwei Mal überrunden lassen.

Im Januar hatte Rosberg noch forsch angekündigt: "Ich werde dahin kommen, wo Vettel jetzt ist."

Vom WM-Titel, dem ursprünglichen Anspruch der Stuttgarter, spricht längst niemand mehr.

"Wochenende zum Vergessen"

"Monaco war zweifelsfrei ein hartes Wochenende für das Team", sagte Schumacher nach dem sechsten von 19 Rennen in dieser Saison.

"Alles in allem war es ein Wochenende zum Vergessen", befand Rosberg. (SERVICE: Quali-Duelle)

Nach gut einem Drittel der Saison haben die Silberpfeile gegenüber der Konkurrenz das Nachsehen.

Mercedes stottert hinterher

Mercedes belegt mit 40 Punkten nur Rang fünf in der WM-Tabelle - fast 200 Punkte hinter den übermächtigen Red Bulls.

2010 hatte das Team zum gleichen Zeitpunkt noch die doppelte Punktzahl geholt.

Sowohl Rosberg als WM-Siebter als auch Schumacher als WM-Elfter landeten diese Saison nur in 50 Prozent der Rennen in den Punkten, wobei zwei fünfte Plätze von Rosberg noch das Höchste der Gefühle waren.

Auto runderneuert

Dabei hatten die Verantwortlichen nach einem verkorksten Jahr 2010 mit nur drei Podestplätzen viel in Bewegung gesetzt, um wieder zu siegen.

Vor und während dieser Saison haben die Mechaniker den Silberpfeil umgebaut: Front- und Heckflügel, eine veränderte Aufhängung und Umstellungen beim Setup für Motor und Auspuff zählen zu den Neuerungen. (DATENCENTER: WM-Stand)

Reifen haben keinen Grip

Doch die meisten Innovationen entfalten nicht die gewünschte Wirkung. Die neue Kühlung etwa - umgebaut von Öl auf Wasser - bewirkte fehlenden Abtrieb am Heck.

Immer wieder lässt sich das Auto für die Fahrer schwer kontrollieren, weil die Hinterreifen die Haftung verlieren.

Auch deshalb flog Rosberg im Training von Monaco gegen die Leitplanke.

Michael Schumacher kroch mit seinem Silberpfeil in den ersten Runden von Monaco eher dahin, als von Startplatz fünf aus auf Podestjagd zu gehen.

Neuerungen verpuffen

Während andere Teams Probleme wie das Körnern der Reifen längst gelöst haben, wissen die Mercedes-Ingenieure nicht, wo sie anpacken sollen.

Das Reifenproblem lässt viele Neuerungen verpuffen, dabei ist das nicht die einzige Baustelle:

Mal floppte der Heckflügel, mal versagte KERS oder - wie bei Schumacher in Monaco - das Getriebe zickte und legte den Leerlauf ein.

[kaltura id="0_94lj98z0" class="full_size" title="Rosberg am Steuer"]

Die Zuversicht bleibt

"Ich denke, wir werden dieses Jahr noch positive Überraschungen sehen", erklärte Konzernchef Dieter Zetsche vor dem Monaco-Rennen. Negative Stimmen bei den Silberpfeilen sind trotz Krise nicht zu vernehmen. Auch nach dem Null-Punkte-Desaster bleiben die Verantwortlichen zuversichtlich.

"Das Team will sich nach Monaco auf eine bessere Leistung im Rennen konzentrieren", versprach Motorsportchef Norbert Haug für den anstehenden Grand Prix in Kanada (10.6. - 12.6.). (DATENCENTER: Rennkalender 2011)

Die Mercedes-Crew macht sich über die Statistik Mut: Seit 1999 haben Fahrer mit ihren Motoren vier Siege in Kanada errungen.

Mercedes will Rosberg halten

"Vorhersagen zur Performance unseres Autos in Montreal sind schwierig", räumte Michael Schumacher ein, aber das Team habe aus dem letzten Rennen seine "Lektionen gelernt".

"Ich bin mir sicher, dass wir in Montreal wieder vorne dabei sind", verkündete Teamkollege Rosberg, mit dem Mercedes offenbar langfristig plant.

Sie wollen den 25-Jährigen, der erneut die klare Nummer eins im Team ist, angeblich bis 2016 an sich binden und sein Gehalt aufstocken. (Bericht)

Brawn rechtfertigt sich

Teamchef Ross Brawn hat seine eigene Version für die Mercedes-Krise. "Wir haben 2009 alles rausgequetscht, um die WM mit Brawn GP zu gewinnen. 2010 mussten wir dafür den Preis bezahlen", rechtfertigte sich der Brite laut "motorsport-magazin.com"

Auch diese Saison scheint Brawn schon abgehakt zu haben: "Wir haben alle Elemente, die wir brauchen, um nächste Saison ein exzellentes Auto zu haben."

Doch auch da könnte es seiner Einschätzung nach eng werden, Red Bull einzuholen: "Die Dominanz bewegt sich in der Formel 1 in Zyklen - normalerweise in fünf Jahres-Zyklen. Das weiß ich seit meiner Ferrari-Zeit."

Die Krise bei Mercedes - sie könnte sich zum Dauerzustand entwickeln.

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