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Vettel (l.) und Newey gewannen im vergangenen Jahr mit Red Bull den WM-Titel © getty

Vettel und Newey soll den "Bullen" den ersten Kanda-Sieg bescheren. Das Erfolgsduo wandelt auf den Spuren von Schumi und Brawn.

Von Olaf Mehlhose

München - Die derzeitige Traumpaarung der Formel 1 hat einen Makel.

Weder Weltmeister Sebastian Vettel noch Design-Guru Adrian Newey konnten beim Grand Prix von Kanada bisher einen Sieg für Red Bull einfahren.

Die Erfolgsbilanz des Mateschitz-Rennstall in Montreal liest sich mit einem mickrigen Podestplatz - David Coulthard wurde 2008 Dritter - ohnehin ziemlich dürftig.

Diese Scharte soll das Erfolgsduo am kommenden Rennwochenende auswetzen. Der WM-Spitzenreiter schaut dem Montreal-GP dennoch gelassen entgegen, besonderen Druck, gewinnen zu müssen, verspürt er nicht. (DATENCENTER: WM-Stand)

Rutschig und glatt

"Kanada ist einzigartig", beschrieb der 23-Jährige das Rennen auf dem Circuit Gilles Villeneuve: "Es ist keine echte Rennstrecke, denn sie liegt auf einer Insel und Teile der Strecke werden auch als öffentliche Straßen verwendet. Es ist ein wenig so wie im Albert Park in Melbourne."

Eine Schlüsselrolle dürfte erneut den rasch abbauenden Pirelli-Pneus zukommen. Der italienische Reifenhersteller kündigte bereits an, dass in Montreal die Mischungen supersoft und hart zur Verfügung stehen werden. (NEWS: Monaco-Reifen für Montreal)

"Es ist dort oft sehr rutschig, der Asphalt ist recht glatt", erklärte Vettel: "Im vergangenen Jahr haben wir gesehen, dass der Reifenverschleiß enorm hoch ist. Trotzdem macht es dort immer viel Spaß."

Horner lobt sich selbst

Überraschend käme eine erneute Triumphfahrt des WM-Führenden jedenfalls nicht, die Kombination Vettel/Newey ist für Red Bull zu einem wahren Glücksfall geworden.

Der Technikchef genießt bei den "Bullen" mittlerweile ähnlich hohes Ansehen wie der Weltmeister.

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"Meine größte Leistung war es, ihn für unser Team zu verpflichten", sagte etwa Teamchef Christian Horner, dem der Coup gelungen war, den Stardesigner von McLaren abzuwerben.

Erster Kontakt in Barcelona

"Der erste Kontakt zwischen uns fand beim Grand Prix von Spanien in Barcelona 2005 statt", erinnerte sich der 37-jährige Brite bei "Auto Bild motorsport".

Horner: "Unser Motorhome stand damals direkt neben dem von McLaren. Ich konnte sehen, wie sehr wir Adrian reizten. Dieses Team, das laute Musik in der Box spielte, schien ihn zu interessieren. Also habe ich ihn und seine damalige Frau Marygold in die Energy-Station auf einen Drink eingeladen."

"Da lebt einer nur fürs Racing"

Kurze Zeit später fand auch das erste Aufeinandertreffen des heutigen Erfolgsgespanns statt: Vettel fuhr damals in der Formel 3.

"Seb fiel mir sofort als höchst aufgeweckter Junge mit großen, leuchtenden Augen auf. Man merkte sofort: Da lebt einer nur fürs Racing", erzählte der 52-Jährige bei "Motorsport": "Dass wir beide allerdings in der Formel 1 soweit kommen würden, hätte ich mir damals wohl nicht einmal träumen lassen."

Allerdings bräuchte Newey sein Licht gar nicht so sehr unter den Scheffel stellen: Immerhin hatten die Autos des studierten Luftfahrt-Ingenieurs zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Fahrer- und sechs Konstrukteurs-Titel für Williams und McLaren eingefahren.

"Der Jüngste war der Schnellste"

Doch sein Glück scheint das Design-Genie erst bei Red Bull gefunden zu haben.

An Vettels ersten Formel-1-Einsatz als Freitagsfahrer von BMW beim Grand Prix von Istanbul im August 2006 kann sich der Brite auf jeden Fall noch gut erinnern: "Der Jüngste war an diesem Tag der Schnellste. Das war der der Anfang von Sebs faszinierender Karriere, deren Ende bei weitem noch nicht absehbar ist."

Wie Schumi und Brawn

Absehbar ist allerdings, dass - sollten nicht noch großartige Veränderungen eintreten - Vettel seinem zweiten WM-Titel in Folge entgegenfährt.

Zurzeit hat es ganz den Anschein, als würden Newey und der 15-malige Grand-Prix-Sieger ein ähnlich erfolgreiches Techniker-Fahrer-Duo bilden wie einst Ross Brawn und Michael Schumacher, die gemeinsam sieben Weltmeisterschaften feierten.

"Ja, vielleicht haben Seb und ich schon so eine Beziehung", sagte der Red-Bull-Angestellte: "Ich weiß allerdings nicht, wie eng die Bande zwischen Michael und Ross einst waren oder noch sind. Die beiden waren immer meine Erzrivalen. Die Medien schrieben damals von Schuey gegen Newey."

Mit Vettel zu Ferrari?

Gehen die Bande denn soweit, dass er zusammen mit Vettel zu Ferrari wechseln würde?

"Die Frage musste ja kommen", schmunzelte Newey: "Ich glaube allerdings, dass ich bei Red Bull in Rente gehe. Vielleicht bleibt Seb ja auch nichts anderes übrig, wenn wir ihm jedes Jahr ein Siegerauto hinstellen können."

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