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Der Vettel-Rennstall Red Bull feierte in den bisherigen sieben Rennen fünf Siege © getty

Der FIA-Beschluss könnte die Hackordnung in der Formel 1 auf den Kopf stellen. Vettel bleibt dennoch gelassen. Mclaren frohlockt.

Von Olaf Mehlhose

München - Der FIA-Entscheid, das Anblasen der Diffusoren ab dem Silverstone-GP einzuschränken (Bericht), könnte weitreichende Konsequenzen haben.

Vor allem das Red-Bull-Team, das bis zuletzt versucht hatte, den Beschluss zu verhindern, dürfte zu den Leidtragenden gehören.

Es lässt sich nicht bestreiten, dass die bisherige Dominanz des Vettel-Rennstalls zum Teil auf das ausgeklügelte Auspuffsystem seiner Boliden zurückzuführen war - zumindest der große Vorsprung im Qualifying.

Stellt das Zwischengas-Verbot sogar die bestehende Hackordnung in der Formel 1 auf den Kopf? (DATENCENTER: Konstrukteurs-WM)

"Andere werden mehr verlieren"

Weltmeister Sebastian Vettel bleibt vorerst gelassen.

"Andere werden mehr verlieren als wir", sagte der 23-Jährige bei "ESPN": "Wenn man sich das Konzept unseres Autos anschaut, kommen wir nicht so schlecht weg. Mercedes und Renault, die komplett auf diese Technologie setzen, trifft es härter." (418555DIASHOW: Kick it like Vettel!)

Technik-Chef Adrian Newey hingegen reagierte weniger entspannt auf die Entscheidung des Automobilverbands: "Ich stimme allen Regeländerungen aus guten Gründen zu - wie zum Beispiel verbesserter Sicherheit. Aber nicht in diesem Fall, es ist absurd." (BERICHT: Newey setzt Team unter Druck)

Marko verärgert

Auch Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko sieht dieses Verbot nicht ganz so entspannt wie Vettel.

"Erfindungen wie der Doppel-Diffusor und der F-Schacht wurden jeweils am Jahresende verboten. Jetzt passiert es mitten in der Saison. Das ist schon eigenartig", kritisierte Marko in der "Bild":

"Wir hoffen noch, dass uns das Verbot nicht härter trifft als Renault, Mercedes und McLaren. Ferrari erhofft sich sicher einen Vorteil."

Red Bull büßt Vorteil ein

Die Verärgerung ist gut nachzuvollziehen, büßt Red Bull doch einen entscheidenden Vorteil ein.

Das Konzept beruht darauf, Auspuffgase auf das hintere Ende des Unterbodens strömen zu lassen, um den aerodynamischen Anpressdruck zu verbessern, und zwar unabhängig von der Stellung des Gaspedals.

Durch den so generierten Abtrieb wird einer unerwarteten Änderung des Fahrverhaltens - bedingt durch einen plötzlichen Strömungsabfall wenn der Fahrer vom Gas geht - zuvor gekommen.

[kaltura id="0_2h7liltb" class="full_size" title="Das Safety Car"]

Ende der Überlegenheit

Bei einer optimalen Nutzung kann das System auf einer schnellen Runde bis zu einer Sekunde bringen - im Rennen ist der Unterschied dagegen deutlich geringer, da die Teams wegen des größeren Spritverbrauchs auf deutlich konservativere Motoreneinstellungen setzen.

Durch die Vorgabe der FIA, das Verfahren auf zehn Prozent der bisherigen Leistung einzugrenzen, wird nun auch der Vorteil im Qualifying drastisch limitiert.

Viele Experten gehen sogar davon aus, dass die Quali-Überlegenheit der "Bullen" damit ein Ende hat.

Nutznießer McLaren?

"Es ist gut möglich, dass wir durch den Bann eine halbe Sekunde gewinnen", frohlockte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh bei "Auto, Motor und Sport".

Auch wenn bei der Aussage viel Wunschdenken mitspielt, gerade McLaren könnte zum großen Nutznießer der neuen Regelung werden. Während die Briten sich im Rennen auf Augenhöhe mit Red Bull befanden, war der Abstand im Qualifying bisweilen immens.

"Sie nutzen die Auspuffgase in dem Diffusor besser als wir. Im Training können sie auf eine Runde nonstop blasen, im Rennen nicht", erklärte Montreal-Sieger Jenson Button. (Vettel verschenkt Sieg)

Weitere Top-Teams betroffen

Doch nicht nur der Mateschitz-Rennstall hat unter dem Verbot zu leiden. Auch bei Renault dürfte die Entscheidung der FIA nicht gerade Jubelstürme auslösen.

Gerade das Team von Nick Heidfeld gehörte mit seiner radikalen Auspuff-Konstruktion zu den großen Profiteuren der bisherigen Bestimmungen.

Mit Mercedes und Ferrari sind aber noch zwei weitere Top-Teams betroffen. Die im Gegensatz zum Rennen guten Qualifikations-Ergebnisse der Silberpfeile lassen sich mit einer effektiven Nutzung des Zwischengas' erklären.

Der Sprung nach vorne, den die Scuderia zuletzt in Montreal gemacht hat, war wohl ebenfalls einem verbesserten Motormapping geschuldet.

Cosworth profitiert

Profitieren werden vor allem die Cosworth-Teams Williams, Marussa-Virgin und HRT, die die Technik aus Kostengründen bisher nicht in vollem Umfang nutzen konnten.

Motorenhersteller Cosworth war es auch, der eine entsprechende Regeländerung bei der FIA angeregt hatte.

Wie genau sich das Zwischengas-Verbot tatsächlich auswirkt, wird sich aber erst auf der Strecke zeigen.

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