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Weltmeister Sebastian Vettel triumphierte bei fünf der bisherigen sieben Saisonrennen © getty

Die Konkurrenz hofft, dass das Zwischengas-Verbot Vettels Siegeszug beendet. Doch die "Bullen" planen schon den Gegenschlag.

Von Olaf Mehlhose

München - Die Konkurrenz konnte Red Bull nicht folgen.

Mit fünf Siegen und sieben Poles aus den bisherigen sieben Saisonrennen, schien der Vettel-Rennstall der Konkurrenz meilenweit enteilt. (DATENCENTER: Konstrukteurs-WM)

Doch vor dem Europa-Grand-Prix (Training, Fr., ab 11 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) sieht es fast so aus, als hätte die FIA den Plan gefasst, die Dominanz der "Bullen" abrupt zu brechen.

Nachdem das Zwischengas-Verbot ab dem Großen Preis von Silverstone in Kraft treten soll, wurde nun kurzerhand verfügt, dass ab sofort in Qualifying und Rennen die gleichen Motoreneinstellungen zu verwenden seien. (FIA-Entscheid: Vettel droht Quali-Handicap)

"Lex Red Bull"

Vor allem die Plötzlichkeit kommt überraschend, normalerweise werden Regeln innerhalb einer Saison nur selten geändert - und jetzt gleich zwei Mal innerhalb einer Woche.

"Diesmal hatte man es scheinbar sehr eilig", kommentierte Motorsportchef Helmut Marko die FIA-Entscheidung gegenüber der Nachrichtenagentur "dpa": "Ich würde es Lex Red Bull nennen." (Bericht: Kippt die Red-Bull-Dominanz?)

Dass das Mateschitz-Team den Beschluss als Affront gegen sich betrachtet, ist nicht verwunderlich.

Viele Experten sehen den Grund für die makellose Quali-Bilanz des Weltmeister-Teams in dem ausgefeilten Motor-Mapping des Rennstalls.

Kritik an FIA-Beschluss

"Wenn der Zeitgewinn zu groß wird, schreitet die FIA ein", stellte Marko fest und kündigte bereits an, dass sein Team gegen die Entscheidung vorgehen werde: "Auf der politischen Ebene muss man versuchen, dass die Einbremsmanöver, die massiv gegen uns laufen, nicht so massiv ausfallen, wie die Gegner sich das wünschen."

[kaltura id="0_o4u5rnf4" class="full_size" title="Eine Runde mit Vettel in Valencia"]

Große Sorgen scheint sich der 58-Jährige generell nicht zu machen: "Wir wären nicht Red Bull Racing, wenn wir nicht auch schon Überlegungen hätten, wie wir das wieder abfedern können."

Vettel gelassen

Genauso wie Ziehvater Marko reagierte auch Sebastian Vettel gelassen auf die Beschlüsse des internationalen Automobil-Verbands. ( 418555DIASHOW: Kick it like Vettel!)

"Das Teil-Verbot des angeblasenen Diffusors interessiert mich nicht besonders", sagte der Weltmeister der "Sport Bild": "Ich denke, unser Auto ist in seinem Gesamtkonzept das beste von allen und nicht von einem Teil alleine abhängig."

Probleme für Mercedes-Teams

Ganz im Gegenteil: Vettel glaubt sogar, dass das Zwischengas-Verbot eher zu Lasten der anderen Teams geht: "Wer glaubt, dass wir bei Red Bull den größten Nachteil haben, der wird sich noch wundern."

Es könne "gut sein, dass besonders die von Mercedes-Motoren angetriebenen Teams größere Probleme bekommen".

Und damit sind eben nicht nur Michael Schumacher und Nico Rosberg im Silberpfeil, sondern auch die beiden McLaren-Piloten gemeint.

Profitiert Ferrari?

Der große Gewinner der neuen Regularien könnte demnach die Scuderia sein. Den größten Vorteil werde Ferrari haben, "ganz klar", räumte selbst Marko ein.

Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali frohlockte bereits: "In der zweiten Hälfte der Weltmeisterschaft werden wir wirklich sehen, wie das Kräfteverhältnis aussieht."

Und Vize-Weltmeister Fernando Alonso erinnerte daran, dass der Titel "mathematisch noch möglich ist".

Derzeit liegt Alonso in der WM-Wertung 92 Punkte hinter Vettel zurück.

Breitseite gegen McLaren

Gefährlicher könnten Vettel da schon die McLaren-Piloten Jenson Button (60 Punkte Rückstand) und Lewis Hamilton (76) werden, die ihn in dieser Saison als einzige je einmal geschlagen haben.

Marko glaubt allerdings nicht, dass McLaren von der neuen Regelung profitieren wird, denn schließlich sei das System bei McLaren zuletzt schon ähnlich ausgereift gewesen: "Die haben es von uns ja sehr gut kopiert."

Auswirkungen unbekannt

Von Jubelstürmen bei der Konkurrenz kann aber ohnehin nicht die Rede sein - der Beweis, dass die Red-Bull-Dominanz nun beendet ist, muss zunächst noch auf der Strecke erbracht werden.

"Als Resultat werden alle Autos, die auf einen angeblasenen Unterboden setzen, beim Bremsen Abtrieb verlieren", erklärte James Allison, Technischer Direktor von Lotus Renault: "Es ist aber schwierig, den relativen Zeitverlust einzuschätzen."

Für die meisten Teams bedeuten die Regeländerung aber, dass der bisherige Modus Operandi völlig über den Haufen geworfen wird. Wie sich die neuen Kräfteverhältnisse darstellen werden, kann aber noch niemand niemand mit Sicherheit sagen.

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