vergrößernverkleinern
Seinen Roten Renner hat Schumacher gegen einen Silberpfeil eingetauscht
Michael Schumacher feierte in seiner bisherigen Karriere 91 Grand-Prix-Siege © Getty Images

In Kanada glänzt Schumacher mit fahrerischer Klasse und strategischem Kalkül. Brawn schwärmt - und nimmt das Team in die Pflicht.

Von Olaf Mehlhose

München - Jenson Button gewann das Rennen - die eindrucksvollste Leistung beim Kanada-Grand-Prix (Rennbericht) zeigte allerdings Michael Schumacher.

Der siebenmalige Weltmeister lieferte seine erste Sternstunde im Silberpfeil seit seinem Comeback im vergangenen Jahr ab. (417508DIASHOW: Die Bilder vom Rennen)

Über den gesamten Rennverlauf "vermittelte Schumi den Eindruck, zur Spitze dazuzugehören", schrieb die "BBC" - lang ist es her, dass dieses Urteil über den Altmeister gefällt wurde.

Dass es am Ende "nur" zu Platz vier reichte, konnte die formidable Vorstellung des Mercedes-Stars nicht schmälern. (BERICHT: Schumi meldet sich zurück)

Schumi brillierte mit gekonnter Verteidigung seiner Position und kalkulierten Attacken auf die vor ihm fahrenden Autos.

"Ich würde fast sagen, er ist in dieser Hinsicht noch besser als früher", bilanzierte Ross Brawn: "Wenn man sich durchkämpfen und im Feld durchsetzen muss, dann hat man mehr Gelegenheiten, seine Fähigkeiten zu demonstrieren. Vor allem seine Manöver am Start sind dieses Jahr sehr unterhaltsam."

Strategie-Coup in Montreal

Aber auch die strategischen Entscheidung, die Schumi während des Rennens fällte, weckten Erinnerungen an seine Glanzzeiten.

Schumachers Wahl, nach der zweistündigen Rennunterbrechung als erstes Auto von Regenreifen auf Intermediates zu wechseln, war beim Rennen in Kanada der Schlüsselmoment.

Der 42-Jährige war später sogar kurzzeitig in der Lage, trotz seines unterlegenen MGP-W02 um den Sieg mitzukämpfen.

Schumi bleibt auf dem Boden

Dass die Bäume auch in Zukunft für Mercedes nicht in den Himmel wachsen werden, weiß Schumacher selbst.

[kaltura id="0_o4u5rnf4" class="full_size" title="Eine Runde mit Vettel in Valencia"]

Trotz seiner kanadischen Gala-Vorstellung gab der Mercedes-Pilot vor dem Europa-Grand-Prix (1. Training, Fr., ab 10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) bescheidene Ziele aus.

Er wolle "eine gute Leistung zeigen und ein weiteres vielversprechendes Wochenende erleben", kündigte Schumacher an.

Mehr Konkurrenz für Vettel

Angesichts des bevorstehenden Teilverbot des angeblasenen Diffusors rechnet er in Valencia aber mit größerer Konkurrenz für Sebastian Vettel.

"Für die österreichische Variante war das sicher ein großer Schlag", sagte der Rekordweltmeister mit Blick auf Vettels österreischischen Rennstall Red Bull schmunzelnd, ergänzte aber: "Aber es wird die meisten treffen."

Schweißperlen scheint ihm die Entscheidung der FIA allerdings nicht auf die Stirn zu treiben - dem WM-Neunten ist das gestiegene Selbstvertrauen deutlich anzumerken.

"Ein nützlicher Moment"

Dass Schumi ein Schlüsselerlebnis wie in Kanada benötigt habe, um sein Comeback richtig ins Rollen zu bringen, glaubt Brawn indes nicht.

"Er ist ein sehr erfahrener und selbstsicherer Typ. Ich glaube nicht, dass das Rennen sich dramatisch auf sein Selbstbewusstsein auswirkt", erklärte der 56-Jährige: "Ich würde auch nicht von einem Durchbruch sprechen. Es war ein nützlicher Moment, mehr nicht."

Stattdessen sei nun das Team in der Pflicht, Schumacher mit einem besseren Auto auszurüsten: "Es gab einen Moment in Montreal, da war sein Wagen konkurrenzfähig. Da war er der Schnellste im Feld. Wenn wir ihn mit dem richtigen Equipment versorgen, kann er jeden schlagen."

Auf Augenhöhe mit Rosberg?

Das gilt offenbar auch für Teamkollege Nico Rosberg. Brawn sieht das Duell der beiden Piloten zumindest als einen Kampf auf Augenhöhe an.

"Es gab viele Rennen die mit denen von Nico vergleichbar waren, allerdings hat sich das dann nicht im Resultat niedergeschlagen", sagte der Mercedes-Teamchef.

Selbst wenn es in den Quali-Duellen mit 1:6 (Statistik) noch düster für Schumi aussieht, in der aktuellen WM-Wertung liegen die beiden Mercedes-Piloten mit jeweils 26 Punkten immerhin gleichauf. (DATENCENTER: WM-Stand)

"Nicht der richtige Zeitpunkt"

Grund genug den Vertrag mit dem 91-fachen Grand-Prix-Sieger vorzeitig zu verlängern? (BERICHT: Rentenvertrag für Schumi)

Brawn ließ sich zunächst noch nicht in die Karten schauen: "Momentan ist es nicht der richtige Zeitpunkt, um über Verträge für die Zukunft zu reden. Wir haben größere Probleme."

Sollte Schumi jedoch weitere Auftritte wie den in Kanada folgen lassen, dürfte es sich vermutlich um eine reine Formsache handeln.

"Bis wir in Rente gehen"

Dass sich der Rekordchampion bei Mercedes weiterhin uneingeschränkter Wertschätzung erfreut, verdeutlichte Motorsport-Chef Norbert Haug.

Auf die Frage der "Sport-Bild", wie lange Schumacher noch Formel 1 fahren werde, antwortete der 58-Jährige: "Bis wir in Rente gehen - bis ich in Rente gehe."

Das wären dann immerhin noch neun Jahre.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel