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Red Bull gewann in der vergangenen Saison erstmals die Konstrukteurs-WM © getty

Wie wirkt sich das Zwischengas-Verbot auf die Rangordnung in der Formel 1 aus? Newey befürchtet das Schlimmste, Horner nicht.

Von Olaf Mehlhose

Wie wird sich das Zwischengas-Verbot (Bericht) auswirken - diese Frage stellt sich im Moment wahrscheinlich die gesamte Formel 1.

Technisch ist die Frage relativ leicht zu beantworten.

Der Trick besteht darin, Auspuffgase auf das hintere Ende des Unterbodens zu leiten, um so mehr Abtrieb zu generieren.

Der aerodynamische Anpressdruck des Autos wird unabhängig von der Stellung des Gaspedals verbessert - selbst bei einer unerwarteten Änderung des Fahrverhaltens.

Dieser Vorteil fällt ab dem England-GP weg: Ab sofort wird die Menge der Abgase, die zum Anblasen des Diffusors verwendet werden dürfen, auf zehn Prozent reduziert.

Die Verringerung des Anpressdrucks wird sich vor allem auf das Balance-Verhalten der Autos auswirken. Es wird erwartet, dass vor allem die Top-Teams einen Performance-Verlust verzeichnen werden, da ihre Boliden die ausgereiftesten Auspuffsysteme besitzen.

Renault der große Verlierer

Interessanter ist allerdings die Frage, welche Folgen das Verbot im Einzelnen nach sich zieht.

Der große Verlierer ist allem Anschein nach der Lotus-Renault-Rennstall, der von allen Teams die aggressivste Auspuffvariante präsentierte.

Doch auch Red Bull kommt offenbar nicht ungeschoren davon - zumindest nach Meinung von Adrian Newey.

Newey rechnt mit dem Schlimmsten

"Es gibt eine Regeländerung, damit müssen wir uns beschäftigen", sagte der Design-Guru der "Bullen" gegenüber der "BBC": "Es ist schwierig zu sagen, wie sich das auf unsere Leistung auswirken wird."

Doch der Technische Direktor des Vettel-Rennstalls orakelte bereits, dass die Auswirkungen "beträchtlich" sein könnten: "Ich will aber keine Zahl nennen, weil ich nicht weiß, ob diese Zahl größer oder kleiner ist als bei den anderen."

Der Brite befürchtet, dass die Folgen für Red Bull weitaus schlimmer sein werden als für die Konkurrenz: "Wahrscheinlich betrifft es uns mehr als Ferrari und Mercedes, auch McLaren könnte besser wegkommen als wir."

Keine Erfahrungswerte

Den Grund liefert Newey gleich mit: "Wir haben unser Auto um die Auspufflösung herum konstruiert, die anderen haben ihren Wagen lediglich vor dem ersten Rennen nachgerüstet."

Sorgenfalten treibt dem 52-Jährigen vor allem die Tatsache auf die Stirn, dass Red Bull noch keine Erfahrungswerte besitzt, wie sich der Wagen ohne die Nutzung des Systems verhält.

"Wir haben es noch nie abgenommen", erklärte Newey: "Wir haben einige Simulationen gemacht, aber wir haben das Auto noch nicht auf der Strecke ausprobiert. Wir wissen nicht, wie sich die Balance des Autos verändern wird."

Dass sich die Leistungsfähigkeit des RB7 verändern wird, davon ist allerdings auszugehen.

Vettel bleibt optimistisch

Inwieweit die Dominanz der "Bullen" damit vor dem Ende steht, lässt sich mit Sicherheit erst nach dem Silverstone-Grand-Prix sagen.

Bei Red Bull scheint über die Frage, welche Auswirken die Regel-Reform nach sich zieht, ohnehin Uneinigkeit zu bestehen.

Sebastian Vettel scheint die Befürchtungen des Technik-Chefs nicht zu teilen.

"Ich habe mich mit meinen Technikern ausführlich über dieses Thema unterhalten", betonte der Weltmeister bei "Motorsport Aktuell": "Wir gehen davon aus, dass unser Team, McLaren, Ferrari und Mercedes in etwa gleich betroffen sein werden - Renault vielleicht sogar etwas mehr als wir alle."

Auch Horner gelassen

Auch Teamchef Christian Horner stellte auf SPORT1-Nachfrage klar, dass er keinen großen Sunbstanzverlust befürchtet.

Genauso wie Vettel geht der 37-Jährige davon aus, dass die führenden Teams in ähnlicher Weise von dem Zwischengas-Verbot und der neuen Regelung zum Motor-Mapping betroffen sein werden.

"Ich denke, andere Teams haben die Regel mehr ausgereizt und ihre Autos danach designed. Ich könnte mir vorstellen, dass sie nun frustriert sind", sagte Horner zu SPORT1.

"Keine Zauberdinge"

Darüber hinaus bestritt er, dass die Leistung des Autos auf den einen oder anderen technischen Kniff zurückzuführen sei. Die Vormachtstellung seines Teams sieht er nicht gefährdet.

"Es gibt keine Zauberdinge an unserem Auto", unterstrich Horner: "Es wäre falsch zu glauben, dies (Zwischengas u. Motor-Mapping, d. Red.) wären die einzigen Gründe für unseres Performance gewesen - in diesem Jahr, im vergangenen oder im Jahr davor."

Vorgehen werde der englisch-österreichische Rennstall gegen die Entscheidung der FIA nicht. "Wir werden damit umgehen und weitermachen", gab sich Horner pragmatisch.

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