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Sebastian Vettel (r.) und Mark Webber fahren seit 2009 gemeinsam für Red Bull © imago

Mangels Alternativen hat Webber gute Karten auf das zweite "Bullen"-Cockpit. Oder wird es sein talentierter Landsmann?

Von Olaf Mehlhose

München - Mit bisher sechs Grand-Prix-Siegen fährt Sebastian Vettel die Konkurrenz in dieser Saison in Grund und Boden.

Der Weltmeister ist nach wie vor eine Klasse für sich, Teamkollege Mark Webber hinkt dagegen den Ansprüchen hinterher - den eigenen und denen des Teams.

Dem Australier gelang es nur einmal, Vettel im Qualifying hinter sich zu lassen. Noch düsterer sieht es in den Rennen aus, wo er Vettel bislang jedes Mal den Vortritt lassen musste.

77 Punkte Rückstand aus acht WM-Läufen lautet die traurige Bilanz für den WM-Dritten des Vorjahres. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Breitseite von Marko

Dass Mark Webbers weiterer Verbleib bei Red Bull keinesfalls selbstverständlich ist, machte Motorsportchef Helmut Marko am vergangenen Rennwochenende deutlich.

"Wir brauchen jemanden, der so gut ist wie Sebastian (Vettel, d. Red)", wurde der 67-Jährige von der "Bild am Sonntag" zitiert: "Wir haben nämlich auch Geschmack am Konstrukteurs-Titel gefunden. Den holst du aber nur mit zwei gleich starken Fahrern." (BERICHT: Ohrfeige für Webber)

Darüber hinaus sei nur ein Teamkollege auf gleichem fahrerischen Niveau in der Lage, noch mehr Leistung aus Vettel heraus zu kitzeln, erklärte Marko: "Sebastian hat sein Limit noch nicht erreicht."

Kein Top-Fahrer verfügbar

Was zurzeit noch für Webber spricht, ist der Mangel an Alternativen zu dem 34-Jährigen - zumindest für die kommende Saison scheint kein Top-Fahrer verfügbar zu sein.

Fernando Alonso hat sich bereits langfristig an Ferrari gebunden, McLaren plant das Gleiche mit Lewis Hamilton. (BERICHT: Rentenvertrag für Alonso)

Der erteilte den Wechselgerüchten in Valencia eine klare Absage: "Ich sehe mich nicht in einem Red Bull-Overall. Meine Familie ist McLaren. Solange sie mir ein konkurrenzfähiges Auto bieten, bleibe ich dort."

Passt Hamilton?

Sollte McLaren bis zum Saisonende weiter hinterherfahren, könnte die Lage allerdings schon wieder ganz anders aussehen.

Aber: Würde der ehrgeizige Brite überhaupt passen? (BERICHT: Hamilton ein Bulle?)

Fakt ist, dass der kompromisslose Racer die Fähigkeiten besitzt, Vettel bis zum Äußersten zu pushen.

Allerdings wäre auch zu befürchten, dass sich die Konkurrenten im Zweikampf aufreiben, ähnlich wie es 2007 zwischen Alonso und Hamilton bei McLaren geschah.

McLaren: Option auf Button

Jenson Button hingegen würde sich vom Naturell weitaus besser eignen - sollte McLaren allerdings die Option zur Vertragsverlängerung ziehen, muss der 30-Jährige sowieso bleiben.

Ob Button eher als Webber in der Lage wäre, Vettel zu Paroli zu bieten, ist ohnehin fraglich.

Treueschwur von Rosberg

Wie geschaffen dafür scheint indes Nico Rosberg, der wie Button als angenehmer Teamkollege gilt und dem Champion auch fahrerisch das Wasser reichen kann.

Allerdings hat der Mercedes-Star gerade erst deutlich gemacht, dass er zunächst versuchen will, mit Mercedes erfolgreich zu sein. (BERICHT: Rosberg macht Mercedes Druck)

Ein Wechsel vor 2013 ist demnach eher unwahrscheinlich.

Auch, dass Rosberg zu einem Rennstall wechseln würde, wo Platzhirsch Vettel das Feld bereits für sich bestellt hat, darf bezweifelt werden.

Sichere Variante: Webber

Bleiben die Red-Bull-Nachwuchspiloten.

Die Toro-Rosso-Fahrer Sebastien Buemi und Jaime Alguersuari haben bereits mehrfach angedeutet, dass sie Talent besitzen - mehr allerdings auch nicht. (BERICHT: Neuer Vetrag dank Aufholjagd)

Gerade mit Blick auf den Konstrukteurs-Titel wäre es die sicherere Variante, ein weiteres Jahr auf Webber zu setzen.

Ricciardo zu grün?

Ähnlich verhält es sich auch mit dem bisherigen Testfahrer Daniel Ricciardo, auf den die Verantwortlichen von Red Bull eigentlich große Stücke halten.

Allerdings fehlt dem 22-jährigen Australier noch die nötige Erfahrung, ein Cockpit beim Branchenführer käme womöglich zu früh.

"Im Simulator und im Training sind seine Ergebnisse sehr gut. Aber wir müssen sehen, was er in den Rennen leisten kann", erläuterte Marko.

Beim HRT-Rennstall, für den er in Silversone sein Formel-1-Debüt feiern wird, hat er in den verbleibenden elf Saisonrennen nun die Chance, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. (NEWS: Ricciardo zu HRT)

"Ist mir völlig wurscht"

Egal, wer es am Ende auch wird, Vettel scheint seinem Team in dieser Hinsicht vollkommen zu vertrauen.

"Mir ist es völlig wurscht, wer mit mir fährt", stellte der 23-Jährige klar und fügt mit weltmeisterlichen Selbstvertrauen hinzu: "Ich will der Beste sein, dass heißt: Ich will eh alle schlagen. Mit dem gleichen Auto oder mit einem anderen. Ich würde nie verlangen, wer mein Teamkollege zu sein hat."

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