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Red Bull führt in der Teamwertung mit 89 Punkten vor McLaren © getty

Webber sieht sich vor dem Silverstone-GP in Schlagdistanz zu Vettel, rätselt aber über die Gründe. Newey denkt schon an 2012.

Von Andreas Kloo

München - Die WM-Dominatoren von Red Bull nehmen in diesen Tagen göttliche Züge an.

Wie die römische Gottheit Janus zeigt auch das Team Sebastian Vettels vor dem Rennen in Silverstone (Training Fr., ab 10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) zwei Gesichter, die in entgegengesetzte Richtungen blicken.

Während Mark Webber noch halb mit den Gedanken beim Spanien-GP ist, denkt Chefingenieur Adrian Newey schon ans nächste Jahr.

"Schön, ihn in Sichtweite zu haben"

Webber konnte in Valencia einen deutlichen Aufwärtstrend verzeichnen. Nun sieht sich der Australier bereits auf Tuchfühlung mit Sebastian Vettel.

"Es war schön, ihn in Sichtweite zu haben. Es war gut, da zu sein, für den Fall, dass ihm ein Ausrutscher unterläuft", blickt er bei "espnf1" mit positiven Gefühlen auf den Spanien-Grand-Prix zurück.(BERICHT: Ohrfeige für Webber)

Erst beim letzten Boxenstopp verlor der Australier Platz zwei an Fernando Alonso.

Ratlosigkeit bleibt

Einziges Problem Webbers: Den Grund für seine Steigerung kennt er nicht.

"Ich habe keinen Schimmer, was sich geändert hat. Am Auto haben wir nicht allzuviel verändert", zeigt sich der 34-Jährige ratlos.

Mit der guten Performance in Spanien hatte er gar nicht gerechnet, wie er zugibt: "Ich habe nicht wirklich verstanden, warum mein Tempo in Valencia so hoch war. Eigentlich ist das keine besonders gute Strecke für mich."

Mit guten Gefühlen nach Silverstone

Die Strecke in Silverstone dagegen kommt ihm nach eigenen Worten eher zugute. Dort prägen im Gegensatz zu Valencia mit seinen langen Geraden schnelle und mittelschnelle Kurven den Kurs. (BERICHT: Wer fährt mit Vettel?)

"Die Streckenführung dort kam uns schon immer sehr entgegen", ist sich Webber sicher.

Wenn es also schon in Valencia auf einem ungeliebten Kurs für Rang drei reichte, warum sollte dann in Silverstone nicht mehr drin sein? So lauten wohl Webbers Gedankenspiele.

Sieg mit Eklat 2010

"Ich hoffe, dass es in Silverstone so weiter läuft und wir um den Sieg fahren können", gibt er sich zuversichtlich.

Die Erinnerung an das letzte Jahr dürfte Vettels Teamkollegen weiter beflügeln. Damals entfachte vor dem Rennen ein Streit um den neuen Front-Flügel.

Vettel bekam ihn für sein Auto, Webber nicht. Mit Wut im Bauch raste er zum Sieg und ätzte in den Boxenfunk: "Nicht schlecht für einen Nummer-zwei-Fahrer."

Doppel-Strategie von Newey

Während Webber hochmotiviert in das nächste Rennen geht, blickt Newey schon darüber hinaus.

"Wir sind noch nicht einmal bei Halbzeit der aktuellen Weltmeisterschaft und müssen weiter hart arbeiten, aber wir sollten auch anfangen, an das Auto für das nächste Jahr zu denken", mahnte er an.

Beim großen Vorsprung in Einzel- und Teamwertung kann sich das Team diese perspektivische Strategie wohl auch leisten. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Optimierungs-Bedarf vorhanden

Außerdem verlief auch bei Red Bull nicht immer alles reibungslos. KERS fiel in regelmäßigen Abständen aus. Schnell abbauende Reifen machten Vettel und Webber zu schaffen. In Valencia bekam der Australier gegen Ende des Rennens Getriebeprobleme.

Darüber hinaus sorgt das Zwischengas-Verbot für Kopfzerbrechen. Noch weiß niemand genau, wie sich der geringere Abtrieb auf die Hinterachse auswirken wird.

Baustelle Zwischengas-Verbot

Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko beziffert den Zeitverlust auf eine halbe Sekunde pro Runde (NEWS: Marko beziffert Zeitverlust).

"Aber wir wissen nicht, ob alle Motoren gleichmäßig durch das Verbot eingeschränkt werden und einige Autos mehr Zeit verlieren werden als andere", gibt Newey zu bedenken und spricht von einer großen Baustelle.

Bekenntnis zu Red Bull

"Den Rest der Saison müssen wir daran arbeiten, um sicherzustellen, dass das Auto so effizient wie möglich arbeiten wird."

Auch zu seiner eigenen Zukunft bezieht der 52-Jährige klar Stellung.

"Solange meine Formel-1-Karriere läuft, werde ich glücklich bei Red Bull sein. Und ich kann mir nicht vorstellen, woanders hinzuwechseln."

Damit erteilt Newey weiteren Abwerbeversuchen eine Absage. Zuletzt hatte Ferrari versucht, den kreativen Kopf des Red-Bull-Teams zu verpflichten.

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