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Rennstall-Chefs Martin Whitmarsh, Christian Horner und Stefano Domenicali © getty

Laut Formel-1-Boss Ecclestone beenden die Teams den Zwischengas-Streit. Auch Domenicali will "einen Strich drunterziehen".

München/Silverstone - Paranoia, "Kasperltheater" und Rolle rückwärts: Drei Tage lang lieferten sich die Formel-1-Teams rund um den britischen Grand Prix hinter den Kulissen einen größeren Kampf als auf der Strecke.

Dabei ging es bei dem ganzen Wirbel im wahrsten Sinne des Wortes um heiße Luft, nämlich gezielt produzierte zusätzliche Abgase, die über den Diffusor im Heck die Aerodynamik verbessern (BERICHT: Motoren-Zoff überschattet England-GP).

Erst nach dem Rennen sickerte im Fahrerlager durch, dass sich die Teams offenbar doch noch auf einen gemeinsamen Weg geeinigt haben.

Wie Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone der "BCC" bestätigte, seien sich die Rennställe darin einig, dass in Zukunft wieder mit den speziellen Zwischengas-Motorenmappings gefahren werden darf, berichtet "motortsport-total".

"Müssen einen Strich drunterziehen"

"Autosport" zitiert Peter Sauber mit den folgenden Worten: "Wenn Bernie das sagt, wird es schon stimmen."

Konkreter wird dagegen Stefano Domenicali von Ferrari: "Wir müssen einen Strich drunterziehen und nach vorne schauen, denn wohin geht die Reise sonst? Selbst wenn ich mit dem Prozess nicht einverstanden bin, sehe ich ein, dass wir im Interesse des Sports etwas tun mussten."

Denn bei Experten und Fans sorgte die Streiterei vornehmlich für Kopfschütteln. "Das ist nicht mehr zu vermitteln", sagte der frühere Formel-1-Pilot Christian Danner.

Horner bietet Kompromiss an

Für den dreimaligen Weltmeister Niki Lauda war der ganze Zirkus ein "Kasperltheater, und das ist noch ein freundliches Wort. So einen Blödsinn habe ich noch nie erlebt."

Nachdem Red Bull nach großen Hickhack angeblich sogar eine sofortige Abreise aus England in Erwägung gezogen hatte, gab es unmittelbar vor dem Qualifying am Samstagmittag eine Krisensitzung aller Teams.

[kaltura id="0_gy2fwvyj" class="full_size" title="Eine Runde mit Vettel in Silverstone"]

Darin wurde laut Horner als Kompromiss vereinbart, dass Red Bull in Silverstone mit der eingeschränkten Variante fährt, wenn im Gegenzug noch im Laufe des Wochenendes eine verbindliche Regelung für den Rest der Saison vereinbart wird.

Einhellige Meinung gefordert

Eine solche müsste von den Teams einstimmig verabschiedet werden, wie die FIA am Samstagnachmittag mitteilte.

Der Verband gab zudem bekannt, dass man in einer Rolle rückwärts damit einverstanden wäre, auf den Stand des letzten Rennens vor Silverstone zurückzugehen, wenn die Teams dies einhellig wünschten.

In Valencia war in einem ersten Schritt nur das kurzfristige Umprogrammieren der Motorelektronik zwischen Qualifying und Rennen verboten worden.

Einen solchen Kompromiss deutete später auch Whitmarsh an, nachdem seinem Team offenbar klar geworden war, dass man bei der radikalen Variante selbst sogar noch mehr verlieren würde als Klassenprimus Red Bull.

Paranoia in der Königsklasse

Mercedes-Teamchef Ross Brawn war aber noch skeptisch. "Wenn wir dahin zurückgehen, werden möglicherweise wieder einige Teams nicht glücklich sein", sagte er mit Blick auf die Valencia-Variante: "Die natürliche Paranoia in der Formel 1 bedeutet, dass immer jemand glaubt, der andere habe mehr als man selbst."

Am Sonntagvormittag folgte die nächste Verhandlungsrunde, zunächst wieder ohne Ergebnis (NEWS), bis sich offenbar Ecclestone mit einschaltete.

Ohne eine Einigung hätten weiter Streit und Proteste gedroht. Nun wird so verfahren, wie es in Velencia der Fall war.

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