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Dietrich Mateschitz wurde mit dem Verkauf von Energy-Drinks zum Milliardär © imago

Horner nimmt sich Webber nach dessen Ego-Trip von Silverstone "zur Brust", der Red-Bull-Boss stärkt dem Australier den Rücken.

Von Julian Meißner

München - Sebastian Vettels Red-Bull-Stallgefährte Mark Webber hat für das Ignorieren der Teamorder in Silverstone den Kopf gewaschen bekommen - weitere Konsequenzen bleiben aber offensichtlich aus.

"Wir haben Mark zur Brust genommen. Er hat den zweiten Platz von Sebastian, seinen dritten Rang und die 33 Punkte fürs Team riskiert", sagte Teamchef Christian Horner der "Bild".

Webber hatte beim Großen Preis von Großbritannien entgegen der Anweisungen der Teamleitung den vor ihm liegenden Vettel attackiert und danach freimütig zugegeben, bewusst gegen die Order gehandelt zu haben.

"Er ist Rennfahrer, das verstehe ich", führte Horner aus: "Aber ich habe am Kommandostand auf dem Monitor gesehen, was viele Zuschauer sicher nicht so mitbekamen: Mark trieb Sebastian ans äußerste Limit und brachte beide an zwei Stellen völlig sinnlos in Crash-Gefahr. Das geht nicht."

Cockpit-Entscheidung schon gefallen?

Ende August will das Team laut Horner "zusammen eine Entscheidung treffen", was einen möglichen Verbleib Webbers bei Red Bull oder die Verpflichtung eines anderen Piloten betrifft - für den starken Mann im Hintergrund ist das Urteil jedoch schon gesprochen.

Red-Bull-Boss Dietrich Matesschitz sagte den "Salzburger Nachrichten": "Die Vertragsverlängerung mit Mark steht doch außer Zweifel. Er fühlt sich wohl bei uns, im Team ist er sehr populär. Er kann kein besseres Auto bekommen, und wir können keinen besseren Fahrer auf dem Markt verpflichten."

Der Vertrag des 34-jährigen Australiers läuft zum Ende der Saison aus.

Marko: Räikkönen kein Thema

Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko dementierte zudem Gerüchte, wonach Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen ein Kandidat für das Cockpit neben Vettel ist (Bericht: "Iceman" bald im Vettel-Stall?).

"Kimi Räikkönen ist und wird für uns kein Thema sein, das ist definitiv", sagte Marko der "tz": "Er wird nicht bei Red Bull fahren. Die Gerüchte sind an den Haaren herbeigezogen und totaler Blödsinn."

Die "Bild" hatte berichtet, der finnische Champion von 2007 würde in der Konzernspitze Red Bulls als Ersatz für Webber gehandelt.

Horner schloss eine Rückkehr des "Iceman" in die Formel 1 nicht kategorisch aus, zeigte sich aber skeptisch: "Der fährt doch Trucks in Amerika und Rallye. Ich glaube, sein Kopf ist im Moment woanders als in der Formel 1. Es ist schwer, zurückzukommen."

Junioren in Lauerstellung

Nach Markos Aussage kommt als Nachfolger Webbers - ob 2012 oder 2013 - ohnehin nur ein Fahrer aus dem Red-Bull-Juniorprogramm in Frage.

"Wir haben unsere Junioren, von denen einer Mark Webber bei Red Bull ersetzen soll, wenn er so weit ist", sagte er.

Ricciardo mit besten Karten

Damit stünden drei Fahrer zur Auswahl: Die beiden Toro-Rosso-Youngster Sebastien Buemi und Jaime Alguersuari sowie Daniel Ricciardo.

Letzterem werden die besten Chancen eingeräumt. Webbers Landsmann sammelt derzeit bei HRT erste Rennerfahrung in der Königsklasse.

"Er muss vorn mitfahren können und Harmonie ins Team bringen", charakterisiert Horner das gewünschte Profil.

So turbulent wie in Silverstone soll es schließlich nicht dauerhaft zugehen bei Red Bull.

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