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Fernando Alonso kam 2010 von Renault zur Scuderia Ferrari © getty

Alonso mahnt nach dem Sieg in Silverstone zu Bodenhaftung und fordert Aggressivität. Das Team testet mögliche Massa-Nachfolger.

Von Julian Meißner

München - Ferrari strebt nach dem ersten Saisonsieg nach Bodenhaftung - und stellt die Weichen für die Zukunft.

Während der unumstrittene Teamleader Fernando Alonso zu Disziplin und Geduld im Titelrennen mahnt, muss sich sein Kollege Felipe Massa langsam Gedanken über seine Ablösung machen.

Die Scuderia lässt im Herbst zwei Youngster aus der stalleigenen Fahrerakademie, Jules Bianchi und Sergio Perez, bei einem Test gegeneinander antreten (NEWS: Perez testet für Ferrari).

Der Hintergedanke ist klar: Es geht um einen potenziellen Nachfolger Massas als "Beiwerk" zu Alphatier Alonso.

"Müssen realistisch sein"

Der forderte von seinem Team nach dem Triumph von Silverstone, auf dem Teppich zu bleiben.

"Dieser Sieg ändert nichts an unserem Vorgehen bei den nächsten Rennen", sagte Alonso auf der offiziellen Team-Website: "Wir müssen realistisch sein, denn wir liegen 92 Punkte zurück, das ist eine sehr große Lücke."

Schon unmittelbar nach dem Großen Preis von Großbritannien hatte Alonso zugeben müssen, dass man die Weltmeisterschaft kaum in eigener Hand hat (DATENCENTER: WM-Stand) .

Solange Sebastian Vettel immer Erster oder Zweiter werde, "können wir nicht viel machen", lautete seine realistische Einschätzung (BERICHT: Alonso ohne Illusionen).

Alonso will mehr Risiko

Der Kampfgeist des Spaniers ist jedoch ungebrochen: "Wir nehmen jedes Rennen für sich und werden versuchen, so viele wie möglich zu gewinnen." Dafür müsse man technisch wie taktisch allerdings etwas aggressiver vorgehen als bisher.

"Das bedeutet auch, dass wir etwas mehr Risiko gehen werden", so Alonso: "Vielleicht zahlen wir einen hohen Preis dafür, aber es gibt keine Alternative."

Präsident Luca di Montezemolo hatte bereits zu Wochenbeginn von seinen Untergebenen gefordert: "Wir müssen einen weiteren Schritt nach vorne machen, denn wir wollen in diesem Jahr wieder gewinnen."

Alonso dämpfte die Erwartungen: "Wir geben definitiv nicht auf, aber wir dürfen nicht über den Titel nachdenken."

Auslaufmodell Massa

Davon ist Massa ohnehin weit entfernt. In wohl keinem Team ist die Hierarchie unter den Fahrern so zementiert wie bei der Scuderia.

Alonso, der bis 2016 bei der Scuderia unter Vertrag steht, gewann alle neun Qualifikationsduelle gegen den Brasilianer und hat mehr als doppelt so viele WM-Punkte auf dem Konto.

Massas Vertrag wurde zwar im Juni bis Ende 2012 verlängert, doch spätestens dann dürfte Schluss sein für den Vize-Weltmeister von 2008. Zu schwach waren zuletzt die Leistungen des 30-Jährigen, der nach seinem Horror-Unfall im Juli 2009 in Budapest nie zu alter Form zurückfand.

Bianchi vs. Perez

Nach dem zweiten Cockpit im roten Renner lecken sich naturgemäß einige die Finger, und die Kandidatenliste ist voller Prominenz: Neben der (unrealistischen) Premiumlösung Vettel sind Nico Rosberg und der rekonvaleszente Robert Kubica die meistgenannten Namen.

Doch eine erste Chance, auf sich aufmerksam zu machen, bekommen im September die Jungspunde Bianchi und Perez (beide 21), die in einem Boliden aus dem Jahr 2009 gegeneinander antreten werden.

Der Franzose Bianchi startet derzeit in der GP2, der Mexikaner Perez glänzt im Sauber - ob ihr Können für die Rolle hinter Alonso ausreicht, wird sich zeigen.

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