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Norbert Haug wurde 1990 Motorsport-Chef bei der Daimler-Benz AG © getty

Norbert Haug erlebt am Nürburgring ein überraschendes Jubiläum. Seine Erfolgsbilanz ist überragend. Zetsche macht dennoch Druck.

Nürburg - Normalerweise ist Norbert Haug ein Meister der Statistik.

Siege, Startplätze und Titel seiner Schützlinge hat er mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks im Kopf.

Nur sein eigenes Jubiläum hatte er nicht im Blick: Dass der Grand Prix am Sonntag auf dem Nürburgring, an der Wiege der Silberpfeile, sein 300. als Mercedes-Sportchef war, erfuhr er erst, als ihn sein Team am Samstagnachmittag mit einem T-Shirt überraschte.

"Bei mir selber habe ich nicht mitgezählt, und meine Leute haben alle dichtgehalten", sagte Haug.

"Er ist eine sehr spezielle Person"

Am Samstagabend erhielt der 58-Jährige im noblen Rahmen einer Abendveranstaltung dann auch noch eine Collage mit 300 Fotos, überreicht von den aktuellen Mercedes-Piloten Michael Schumacher und Nico Rosberg sowie den beiden Briten Lewis Hamilton und Jenson Button, die mit Mercedes-Power 2008 und 2009 Weltmeister geworden waren. (INTERVIEW: Rosberg spricht bei SPORT1)

Neben diesem Quartett hatten der zweimalige Weltmeister Mika Häkkinen sowie dessen früherer Teamkollege und heutige Mercedes-DTM-Pilot David Coulthard die Collage signiert.

"Er ist eine sehr spezielle Person", sagte Schumacher, dem Haug einst aus dem Mercedes-Juniorteam zum Sprung in die Formel 1 verholfen hatte.

Zweikampf mit Brawn

Erst vor eineinhalb Jahren, nach sieben WM-Titeln und einer dreijährigen Pause, hatte der Rekordweltmeister zu Mercedes zurückgefunden.

Auch der heutige Mercedes-Teamchef Ross Brawn stand früher auf der Seite der Konkurrenten.

"Bei 280 seiner 300 Rennen hat er versucht, mich zu schlagen", sagte der Engländer.

Hamilton war bei Haug immer "von seinem Gesang" beeindruckt.

[kaltura id="0_io4sgxqe" class="full_size" title="Eine Runde um den N rburgring"]

Einstieg vor 21 Jahren

Vor 21 Jahren hatte Haug die Geschicke der Motorsportabteilung von Mercedes übernommen.

Er brachte nicht nur Schumacher in die Königsklasse, sondern die Stuttgarter auch zurück in die Formel 1.

Zunächst 1993 noch halboffiziell als Motorenpartner des Sauber-Teams, von 1995 bis 2009 dann als Partner von McLaren.

Ende 2009 übernahm Mercedes Brawns Team, das gerade mit Stuttgarter Motoren Weltmeister geworden war, und führte Mercedes damit nach 55 Jahren als echtes Werksteam zurück in die Königklasse.

Zetsche noch nicht zufrieden

Nach bislang 76 Siegen und vier Fahrertiteln wäre es für Haug natürlich die Krönung, wenn Mercedes mit den eigenen Silberpfeilen in die Siegspur finden würde.

Doch dafür ist noch weiterer Feinschliff nötig, darin ist sich der Sportchef mit dem Konzernboss einig. (BERICHT: Podium? "Natürlich nicht")

"Wir müssen vor allem unsere Hausaufgaben bei den Fahrzeugen machen. Sie sind derzeit sicherlich wettbewerbsfähig, aber nicht so gut, wie wir uns das gewünscht haben. Daran arbeiten wir", sagte Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche der "Bild am Sonntag".

Ansporn für die Zukunft

Bislang muss Haug daher noch auf vergangene Highlights zurückblicken. Einige Erinnerungen sind ihm schon noch präsent.

"Unser erstes Rennen 1993 in Südafrika, damals mit JJ Lehto und Karl Wendlinger", sagte Haug: "Natürlich unser erster Sieg 1997 in Melbourne. Der erste WM-Titel von Mika Häkkinen 1998 oder der zweite ein Jahr später, der erst auf den letzten Metern feststand."

Diese Erfolge sind Ansporn für die Zukunft. Neue würden dann sicher auch ihren Platz in Haugs Statistik finden.

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