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Kein Sieg in Sicht: Rosberg (l.) und Schumi fahren den hohen Ansprüchen hinterher © getty

Auch beim Heimrennen gelingt Mercedes-GP kein Podiumsplatz. Der Druck auf die "deutsche Nationalmannschaft" wird immer größer.

Von Tobias Wiltschek

München/Nürburg - Ein Sieg auf dem Nürburgring sei nicht realistisch.

Das hatte Mercedes-Pilot Nico Rosberg bei SPORT1 schon vor dem Heim-Grand-Prix angekündigt (INTERVIEW: Rosberg spricht bei SPORT1).

Dass es die Silberpfeile mit den Plätzen sieben für Rosberg und acht für Michael Schumacher erneut nicht einmal in die Nähe des Podiums geschafft haben, lässt in der Konzernspitze die Alarmglocken schrillen (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

"Wir müssen vor allem unsere Hausaufgaben bei den Fahrzeugen machen", forderte Daimler--Chef Dieter Zetsche am Rande des Heimrennens in der "Bild am Sonntag". Die beiden Silberpfeile seien zwar wettbewerbsfähig, "aber nicht so gut, wie wir uns das gewünscht haben".

Große Erwartungen bei Mercedes

Mit großen Hoffnungen war das Formel-1-Projekt des Stuttgarter Autobauers im vergangenen Jahr gestartet. Nichts Geringeres als den WM-Titel erwartete man von der "deutschen Nationalmannschaft in der Formel 1", wie es Zetsche bei der Präsentation des Teams im Januar 2010 formuliert hatte.

Und nun? Das Zwischenfazit nach eineinhalb Jahren fällt ernüchternd aus. Statt zu strahlenden, silbernen Siegern entwickelte sich das Team Mercedes-GP immer mehr zu grauen Mäusen (433842DIASHOW: Rennbilder vom Nürburgring).

Über 100 Punkte Rückstand

Nach zehn Rennen der laufenden Saison hat das deutsche Duo mit 78 Punkten schon 114 weniger als Ferrari und sogar 165 weniger als McLaren auf dem Konto; vom Rückstand auf Spitzenreiter Red Bull einmal ganz zu schweigen.

Besonders der Abstand zu den Chrompfeilen aus Woking schmerzt den deutschen Rennstall. Denn der Triumph von Lewis Hamilton auf dem Nürburgring hat bewiesen, dass der Motor mit dem Stern weiterhin siegfähig ist, allerdings nur beim Kundenteam McLaren.

Rosberg ist ratlos

Er habe dafür keine Erklärung, meinte Nico Rosberg auf Nachfrage von SPORT1 schon nach Hamiltons zweitem Platz im Qualifying (BERICHT: Podium? "Natürlich nicht").

Beim Großen Preis von Deutschland musste Zetsche in der Mercedes-Box mit ansehen, wie seine Piloten von Hamilton überrundet wurden. Und das lag nicht nur an der mangelnden Performance der Fahrzeuge.

"Der Dreher kostete mich Platz sechs", kommentierte der siebenmalige Weltmeister seinen Fahrfehler in Runde 24, der zu einem spektakulären Ritt auf der Streckenbegrenzung wurde.

Unterhaltsame Duelle

Rosberg lieferte sich zwar unterhaltsame Duelle mit einigen seiner Konkurrenten, musste am Ende aber nicht nur Felipe Massa im Ferrari, sondern auch Force-India-Pilot Adrian Sutil den Vortritt lassen.

"Heute ging es leider nicht ganz auf", meinte der 26-Jährige zur Taktik seines Teams, das von der Zwei-Stopp-Strategie seines Landsmanns überrumpelt wurde.

Für zusätzliche Sorgenfalten bei den Silbernen dürfte Rosbergs Feststellung gesorgt haben, Sutil "war einfach ein bisschen schneller". Statt mit Red Bull, Ferrari oder McLaren um Siege zu fahren, reicht der Speed bei Mercedes mitunter also nicht einmal für den mittelmäßigen Rennstall Force India.

Das Ziel heißt immer noch WM-Titel

Dennoch rücken sie bei Mercedes-GP nicht vom Ziel ab, in absehbarer Zeit Weltmeister zu werden. Dafür haben sie während der Saison mit Bob Bell einen neuen Technischen Direktor verpflichtet, der weiß, wie man titelfähige Autos baut.

Bell war mitverantwortlich für die Renault-Modelle, mit denen Fernando Alonso 2005 und 2006 Weltmeister wurde.

30 Prozent schon für 2012

Bei Mercedes-GP trägt er die Gesamtverantwortung für die technischen Abläufe bei den Chassis, so dass sich Teamchef Ross Brawn mehr um die Zusammenarbeit zwischen Chassis-Abteilung und Motoren-Abteilung kümmern kann.

Außerdem arbeitet das Team bereits verstärkt am Auto der Zukunft. 30 Prozent der Kapazität wird schon in den Silberpfeil von 2012 gesteckt.

Den Traum vom WM-Titel - bei Mercedes-GP haben sie ihn noch nicht aufgegeben.

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