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Nick Heidfeld gewann in seiner bisherigen Karriere noch keinen Formel-1-Grand-Prix © imago

Nick Heidfeld hat die Erwartungen bei Renault nicht erfüllt - jetzt droht das Aus. Hoffnungsträger Kubica muss unters Messer.

Von Olaf Mehlhose

München - Im Moment ist Nick Heidfeld um seinen Job nicht gerade zu beneiden.

Beim Ungarn-Grand-Prix (Bericht) brach der Bolide des Lotus-Renault-Piloten bereits zum zweiten Mal in dieser Saison in Flammen aus. (436489Bilder)

Im Gegensatz zum Vorfall in Barcelona, wo das Heck seines Autos in Brand geraten war, wurde das Feuer am Hungaroring auch noch von mehreren kleinen Explosionen begleitet.

"So etwas habe ich noch nie erlebt", gab der sichtlich geschockte "Quick Nick" zu Protokoll. Er kam allerdings mit dem Schrecken davon. (BERICHT: Feuer-Schock für Heidfeld)

Kubicas langer Schatten

Doch der Feuer-Schock in Budapest war bei weitem nicht die einzige Widrigkeit, mit der Heidfeld in den vergangenen Wochen zu kämpfen hatte.

Nach gutem Saisonstart hat sich der französische Rennstall in den letzten Rennen im grauen Mittelfeld eingependelt. (DATENCENTER: WM-Stand Teams)

Podiumsplätze waren bei den letzten Grands Prix für Heidfeld und Teamkollege Witali Petrow außer Reichweite.

"Dann haben wir ein Problem"

Nach dem starken Auftakt blieben weitere Entwicklungsschübe aus, die Entwicklung im Windkanal stockte.Vor alle die Maßnahme, die Einrichtung zu Modernisierungszwecken während der Saison zu schließen, muss rückblickend als Fehlkalkulation bewertet werden.

Für das Rennen in Spa sind nun aber offenbar einige vielversprechende Updates an den Boliden geplant.

Der Belgien-Grand-Prix gilt teamintern als letzte Chance das Jahr noch zu retten.

"Wenn es nicht funktioniert, haben wir ein Problem", sagte Heidfeld bei "Autosport": "Lasst uns das Beste hoffen."

Kritik von Boullier

Darüber hinaus kämpft Heidfeld weiterhin gegen den langen Schatten des bei einem Rallye-Unfall schwer verunglückten Robert Kubica, als dessen Ersatzmann er zu Saisonbeginn verpflichtet wurde.

Teamchef Eric Boullier sprach seinem Piloten öffentlich die vom Rennstall erhofften Führungsqualitäten ab.

Vor allem die ernüchternde Bilanz in den elf Trainingsduellen, aus denen Petrow acht Mal als Sieger hervorging, wirft der Renault-Boss seinem Piloten vor. (SERVICE: Die Quali-Duelle)

Beim Freien Training zum Großen Preis von Ungarn wurde erstmalig in diesem Jahr Ersatzfahrer Bruno Senna anstelle von Heidfeld eingesetzt.

Sind Heidfelds Tage gezählt?

Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass Heidfelds Tage bei Lotus Renault gezählt sein dürften, auch wenn es dafür von offizieller Seite noch keine Bestätigung gibt.

Heidfeld glaubt indes immer noch an eine Zukunft bei den Schwarz-Goldenen.

"Immerhin habe ich mehr Punkte als Witali", konterte er Fragen zu seinem nahenden Abschied. Doch der Russe ist bei weitem nicht der einzige Konkurrent des Mönchengladbachers.

Paydriver bevorzugt

Nach Angaben von "Motorsport Aktuell" bevorzugt sein Team die Verpflichtung eines sogenannter Paydrivers - einem Piloten, der nicht vom Team bezahlt wird, sondern dank eigener Sponsoren ohne Gehalt fährt und sich selbst ins Team einkauft.

Als heißeste Kandidaten für den Cockpit-Platz neben Kubica, der, sollte er seine komplette körperliche Fitness wiedererlangen, mit Sicherheit gesetzt ist, gelten derzeit der Franzose Romain Grosjean, Petrow und Senna.

Weitere Operationen bei Kubica

Beim kriselnden französischen Rennstall gilt aber vor allem Kubica als der große Hoffnungsträger. Allerdings ist die Rückkehr des Polen weiterhin mit einem großen Fragezeichen verbunden.

Derzeit ist nicht einmal klar, ob er seine volle physische Leistungsfähigkeit zurückgewinnt. Kubica muss sich laut einem Bericht der "Welt" noch mehreren Operationen unterziehen, insbesondere am rechten Fuß.

Seinen Arm wird er wohl nie wieder vollständig beugen können, aber es gibt immerhin auch einige Fortschritte zu vermelden.

Kubica ist bereits in der Lage, seine Finger schnell zu bewegen. Einzig der Mittelfinger bereitet ihm noch ein paar Probleme. Bei seinen Daumen ist die Beweglichkeit dagegen schon wieder im vollen Ausmaß vorhanden.

Rosberg skeptisch

Dabei handelt es sich zwar nur um Kleinigkeiten, aber sollte der 76-maligen Grand-Prix-Starter nicht die für die volle Beweglichkeit in Händen und Fingern wiedererlangen, wird es kein Comeback des Krakauers geben.

"Mehr als zwanzig Funktionen des Autos musst du über Drehknöpfe und Hebel am Lenkrad regeln", erläutert Nico Rosberg: "Das alles muss zum großen Teil mit einer Hand absolviert werden, während die andere bei Tempo 280 das Lenkrad hält. Alles muss sehr präzise ablaufen, sonst verlierst du Zeit. Und das kann sich ein Top Fahrer wie Robert nicht leisten."

Kubica will keine Geschenke

Das bestätigte auch Fernando Alonso, der als engster Vertrauter Kubicas im Fahrerlager gilt.

"Wenn man so viel mitgemacht und gekämpft hat wie Robert und dabei so viel gelitten, aber auch gewonnen hat, kann es für ein Comeback nur ein Resultat geben. Nämlich dass man so fährt wie zuvor", erklärte der Ferrari-Star.

Eine Offerte von Lotus-Renault-Eigentümer Gerard Lopez, bereits in diesem Jahr sein Comeback zu geben, lehnte der 26-Jährige bereits ab.

"Wenn Robert zurückkommt, will er keine Geschenke oder freundlich gemeinte Angebote", ließ sein Manager Daniele Morelli ausrichten.

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