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Nachbarschaftshilfe: Mark Webber nimmt Fernando Alonso auf dem Nürburgring mit © getty

Fernando Alonso zieht eine Zwischenbilanz und hat "immer ein Auge auf den Titel". Sein Teamchef hat ein ganz anderes Problem.

Von Marc Ellerich

München - Ferrari versucht den Spagat: Sebastian Vettel, wenn irgendwie möglich, noch den Titel abzuluchsen und zugleich einen besseren Start in die kommende Saison vorzubereiten.

So lauten die ehrgeizigen Ziele, die der rote Rennstall auf seinen Sommer-Wroom-Days bekannt gegeben hat. Beides hängt eng miteinander zusammen.

Der Titelkampf: Fernando Alonso, im WM-Finale des Vorjahres von Sebastian Vettel geschlagen, hat seinen dritten Titel nach 2005 und 2006 keineswegs abgeschrieben.

"Wir müssen immer das maximale Ziel haben", sagte Ferraris spanischer Vorfahrer in Madonna di Campiglio: "Wir können nicht sagen, dass wir acht Rennen fahren und dabei nicht an die Weltmeisterschaft denken werden. Wir werden immer ein Auge auf den Titel haben."

Ferrari habe eine "moralische Verpflichtung gegenüber den Millionen Fans rund um den Globus". (Baustellen der Top-Teams: Wer muss Nachsitzen?)

"Haben es nicht hinbekommen"

Alonso, derzeit Vierter der WM, weiß aber auch, dass die 89 Punkte, die ihm zum führenden Vettel fehlen, eine schwere Bürde sind.

"Wir müssen versuchen, so viele Rennen wie möglich zu gewinnen", meinte der Pilot aus Oviedo, "aber wir sind realistisch. Die WM-Situation ist wie sie ist." (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Auch - und hier spielt bereits Punkt 2 der roten Agenda eine bedeutende Rolle - weil Ferrari der Saisonstart völlig missriet. "Der Beginn war schwierig", analysierte Alonso: "Wir hatten uns einen besseren Start gewünscht, haben es aber nicht hinbekommen."

Fehlerhafte Daten aus dem Windtunnel ließen den ältesten Rennstall der Formel 1 in eine falsche Richtung entwickeln, die Folge: Die Roten fuhren den Konkurrenten hinterher, chancenlos.

"In China hatten wir unseren Tiefpunkt. Da waren wir nicht nur hinter McLaren und Red Bull, sondern auch hinter Mercedes und Renault", blickte Alonso zurück.

Alonso: Bin stark wie nie

Das Blatt hat sich bekanntlich gewendet, auch weil führendes Personal ausgetauscht wurde. Das Windtunnel-Problem ist ebenfalls seit längerem überwunden.

Mittlweile können sich die Resulate sehen lassen, sogar der erste Saisonsieg ist unter Dach und Fach, und in den letzten vier Grands Prix vor der derzeitigen Sommerpause sammelte Alonso die meisten Punkte aller Piloten ein.

"Wir haben die Situation, wo wir im Rennen voll da sind", urteilte Teamchef Stefano Domenicali. Lediglich im Qualifying sei die Scuderia noch nicht gleichauf mit den Schnellsten.

Alonso sagte: "Uns fehlt noch ein kleines bisschen in allen Bereichen." Er selbst fühle sich fahrerisch allerdings stark wie nie zuvor. (Alonso: Mit Eichhörnchen-Taktik zum Titel)

Hoffen auf Vettel-Fehler

Ein Urteil über diese Saison zwischen Licht und Schatten nahm der Spanier bereits vorweg. Sieben von zehn möglichen Punkten verteilte er an sein Team: "Eine Neun oder Zehn kann man nur an diejenigen geben, die in der Meisterschaft führen. Aber unsere Saison war bisher nicht so übel." (DATENCENTER: Rennkalender und Kurse)

Und vielleicht wird sie ja noch besser. "Aber dazu müssen wir anfangen zu gewinnen und darauf hoffen, dass Vettel einige Fehler macht oder Probleme bekommt."

Alleiniger Fokus auf 2012

In der kommenden Saison wollen die Roten sich auf die Fehler anderer nicht mehr verlassen, sondern das Heft des Handelns wieder in die Hand bekommen.

"Unsere Priorität ist es, einen deutlich besseren Winter als in den vergangenen beiden Jahren zu haben", stellte Domenicali fest und kündigte an, nach der Sommerunterbrechung die Entwicklung des 2012er-Autos in den Fokus zu rücken.

"Von Anfang September an werden wir uns ausschließlich auf das nächste Jahr konzentrieren", sagte der Teamchef. Den Kampf um den Titel müsse Ferrari deswegen keineswegs abschreiben: "Wir haben alle Updates am 150 Italia bereits definiert, zumindest bis Mitte Oktober." Und notfalls könne man rasch reagieren.

"Druck ist enorm groß"

Vom Titelgewinn in der laufenden Saison spricht Domenicali nicht sehr offensiv. "Die Meisterschaft ist natürlich sehr schwierig. Unser Ziel ist es, so oft zu gewinnen wie möglich und ein Auto zu haben, das höchst konkurrenzfähig ist", meinte der Italiener ganz allgemein.

Er benotete die bisherige Saison mit einer 6+, "der Querschnitt zwischen dem schrecklichen Start und der tollen Aufholjagd im zweiten Teil" und wagte gar die Prognose, Ferrari werde bis zum Saisonende ähnlich erfolgreich bleiben.

Für wesentlich wichtiger hält er aber offenbar bereits jetzt die Saison 2012. "Der Druck ist enorm groß", stellte Domenicali fest: "Einen weiteren schlechten Saisonstart können wir uns auf keinen Fall erlauben."

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