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Nick Heidfeld liegt in der WM zwei Punkte vor Teamkollege Witali Petrow © dpa Picture Alliance

Nicht nur Nick Heidfeld kämpft um seine Zukunft, sondern auch sein Arbeitgeber Lotus Renault. Die Probleme sind vielfältig.

Von Marc Ellerich

München - Auf dem Hungaroring in Budapest stand der Lotus Renault von Nick Heidfeld lichterloh in Flammen (436489Bilder) - ein Sinnbild für den augenblicklichen Zustand des Formel-1-Rennstalls. (Feuer-Serie: Renault unter Druck)

Dort brennt es derzeit offenbar an allen Enden.

Da ist zuerst die ungeklärte Fahrer-Besetzung: Robert Kubica ist der erklärte Wunschpilot des luxemburgischen Rennstalls. Die Zukunft des schnellen Krakauers ist allerdings ein halbes Jahr nach seinem verhängnisvollen, italienischen Rallye-Unfall völlig offen.

Nick Heidfeld, der bis zu Kubicas Genesung das Cockpit des Polen übernahm, hat die Erwartungen von Teamchef Eric Boullier nicht erfüllt. "Nick ist gut, aber nicht gut genug", urteilte der Franzose bereits im Mai. (DATENCENTER: WM-Stand Teams)

Grosjean-Comeback in Singapur

Am Rande des Grand Prix auf dem Nürburgring wurde Boullier deutlich. "Er hat sich im Team nicht etabliert", sprach Boullier. Heidfeld habe nicht die Führungsrolle angenommen, "die wir von ihm sehen wollten".

Der gebürtige Mönchengladbacher will in der Sommerpause das Gespräch mit seinem Vorgesetzten suchen. Dass es seine Aussichten auf Weiterbeschäftigung ernsthaft verbessern wird, erscheint zumindest zweifelhaft.

Als heißester Anwärter auf die Nachfolge des Deutschen gilt Romain Grosjean, derzeit auf dem Weg zum Meistertitel in der GP2-Serie. Nach Informationen von "Motorsport-Total.com" soll der Franzose, der vor zwei Jahren mit Schimpf und Schande aus der Formel 1 gejagt worden war, bei vorzeitigem Titelgewinn in der GP2 im Freitagstraining des Singapur-GP sein Comeback geben.

Petrow hinter Heidfeld

Immerhin mit der Option, Heidfeld durch eine besonders herausragende Leistung sofort aus dem Cockpit zu verdrängen.

Ob der in seiner ersten Formel-1-Karriere völlig überforderte Grosjean dem strauchelnden Rennstall die dringend benötigten Erfolgserlebnisse bescheren wird, ist indes fraglich. Sein möglicher künftiger Teamchef meint: ja

Grosjean sei "ganz anders und viel erwachsener als noch vor zwei Jahren", bemerkte Boullier, der zufälliger Weise auch Manager des 25-Jährigen ist.

Und was bei der Heidfeld-Diskussion fast völlig vergessen wird, sind die bestenfalls mittelprächtigen Leistung seines russischen Kollegen Witali Petrow, der "Quick Nick" in den Qualifyings zwar meist das Nachsehen gab, in den Grands Prix dennoch weniger Punkte einsammelte als Heidfeld. (SERVICE: Die Quali-Duelle)

Probleme mit dem Auspuff

So bleibt das fahrende Personal ein wunder Punkt, wenngleich nicht der einzige - und ohnehin womöglich nicht einmal der wichtigste.

In einem Bericht von "auto, motor und sport" werden die massiven Schwierigkeiten des Teams geschildert, eine neue Auspufflösung am R32 zu installieren.

Nach dem Vorbild Red Bulls - so die Idee - sollten die Auspuffgase den Heckdiffusor anströmen. Zu Saisonbeginn hatte Lotus Renault mit einem radikalen Front-Auspuff Aufsehen erregt.

Riss im Auspuff

Die komplexe Operation, die Endrohre nach hinten zu verschieben, wurde offenbar viel zu spät begonnen - und ging beim einmaligen Versuch beim Deutschland-GP prompt schief.

Auch bei Heidfelds spektakulärem Feuer-Unfall in Ungarn spielte der Auspuff eine wichtige Rolle. Eine veränderte Motoren-Einstellung wirkte sich verhängnisvoll aus und hatte, so die Angabe des Teams, vermutlich einen Riss im Auspuff verursacht.

Die FIA forderte eine Erklärung für den zweiten Brandunfall binnen fünf Monaten. Schon beim Training in Australien hatte Heidfelds Auto gebrannt.

Geht das Geld aus?

Zum Technikproblem gesellen sich weitere Schwierigkeiten. Mehrere führende Köpfe haben den Rennstall innerhalb der vergangenen acht Monate verlassen und Renault einen Aderlass an Knowhow beschert. Der bekannteste Abgang ist gewiss Bob Bell, der künftig das deutsche Renommier-Projekt Mercedes GP voranbringen soll.

Das größte Hemmnis dürfte jedoch der laut "auto, motor und sport" angeblich versiegende Geldfluss sein.

Demnach werde Lotus Renault 2012 mit den Cosworth-Einheitsmotoren ausgesattet - angeblich eine Konsequenz schlechter Zahlungsmoral. Diese Gerüchte wurden von den Team-Veranwortlichen zurückgewiesen.

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