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Nico Rosberg hat seit seinem Formel-1-Debüt 2006 fünf Podestplätze eingefahren © getty

Mercedes feiert Stuttgarter Sternstunden - nur am Familientag. In der Formel 1 müssen sie Mängel verwalten ? und auf 2012 hoffen.

Von Maik Rosner

München - Am Sonntag hat Mercedes was zu feiern.

Das klingt ungewohnt, denn an den Renntagen der Formel 1 ziehen sie bei den Silberpfeilen meist lange Gesichter.

An diesem Wochenende aber haben sie den "Großen Preis von Stuttgart" ausgerufen:

einen Familientag mit Michael Schumacher, Nico Rosberg und Sportchef Norbert Haug am Daimler-Stammsitz.

Sternstunden sollen es werden, zumal auch ein bisschen Jubiläum gefeiert werden darf - 125 Jahre nach der Erfindung des Automobils durch Carl Benz, der sein motorisiertes Dreirad im Januar 1886 zum Patent anmeldete.

Die harte Realität in der Königsklasse gibt dagegen keinen Anlass zu Parties. Dort muss Mercedes Mängel verwalten und auf bessere Zeiten hoffen.

Zu viele "grundsätzliche Mängel"

Dass diese bereits nach der Sommerpause Ende August im belgischen Spa anbrechen, darf nicht nur bezweifelt werden.

Feiertage in der Formel 1 gelten für die Stuttgarter Sternfahrer vorerst als ausgeschlossen.

"Das Auto ist mit so vielen grundsätzlichen Mängeln behaftet, dass die nicht mehr vollständig zu beheben sind", zitiert die Fachzeitschrift "auto, motor und sport" ein Teammitglied.

Mercedes mehrfach überrundet

Rosberg, der bessere der beiden meist erfolglosen Mercedes-Piloten, wird in der seriösen spanischen Zeitung "El Pais" mit den Worten wiedergegeben: "In meinem Auto kann niemand gewinnen. Mit diesem Auto sind siebte Plätze wie Siege."

Best of the rest ? mehr ist hinter den drei Topteams Red Bull, McLaren und Ferrari nicht drin mit dem Mercedes GPW02. Zuletzt zog sogar Force India vorbei. (DATENCENTER: WM-Stand Teams) .

1,2 Sekunden verlieren die Silberpfeile gegenüber der Spitze im Schnitt auf fünf Kilometern. Mehrfach wurden Rosberg und Schumacher in den Rennen überrundet.

Mercedes in der Warteschleife

"Es gibt drei Teams - Red Bull, Ferrari und McLaren - die vor den anderen sind", sagt Rosberg: "Ich muss auf ein besseres Auto warten."

Und auf die Frage, in welchen Bereich sein aktueller Dienstwagen verbessert werden müsse, antwortet der 26-Jährige offen: "Überall - ganz allgemein die Aerodynamik und mechanisch in punkto Gewichtsreduzierung."

Weitere Sorgenkinder: der kurze Radstand, das Kühlsystem, die Hinterradaufhängung.

Daraus ergeben sich Folgeprobleme: Die Auspuffarchitektur, die Abgasanströmung, die schnelle Reifenabnutzung, das zu stark differierende Setup für Qualifying und Rennen.

Es gibt schlicht zu viele Bremsklötze, um einen raschen Aufschwung einleiten zu können. Mercedes befindet sich in der Warteschleife.

Brawn würde längeres Auto bauen

Im kommenden Jahr, dem dritten nach dem Comeback Schumachers aus dem Ruhestand, soll endlich alles besser werden.

"Aus heutiger Sicht würden wir ein längeres Auto bauen", sagt Teamchef Ross Brawn. In dieser Saison hat der Mercedes den kürzesten Radstand aller Boliden.

Die Aerodynamiker versprachen sich dadurch Vorteile, doch mechanische Defizite führen noch immer zum Gegenteil.

"Mit vollem Tank liegt der Schwerpunkt höher", erklärt Brawn: "Das hat einen größeren Reifenverschleiß zur Folge. Deshalb fällt es uns so schwer, ein gutes Setup zu finden. Entweder es passt für die Qualifikation oder für das Rennen."

Schumacher freut sich

An diesem Sonntag dürfte aber alles passen. Auf dem Schlossplatz "starten wir während der Formel 1-Sommerpause den 'Großen Preis von Stuttgart'", wirbt Michael Schumacher in der offiziellen Mitteilung: "Wir kommen, um Euch zu besuchen. Und wir freuen uns auf Euch."

Rückschläge und Enttäuschungen sind diesmal nicht zu erwarten. "Wir freuen uns auf einen schönen Sonntag im Herzen von Stuttgart mit sicherlich sehr vielen Gästen. Wir wollen sie bei den ?Sternstunden? alle begeistern", verspricht Norbert Haug.

Die schöne Mercedes-Welt im Sommerurlaub. An diesem Sonntag haben sie was zu feiern.

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