vergrößernverkleinern
Der britische Rennstall McLaren feierte bei den letzten fünf Grands Prix drei Erfolge © getty

Reifenexperten gefragt: McLaren hat das Geheimnis der Pneus entschlüsselt. Doch auch die "Bullen" haben noch ein Ass im Ärmel.

Von Olaf Mehlhose

München - Ferrari hat aufgeholt, McLaren scheint bereits vorbei gezogen zu sein.

Red Bull, Rennstall von Weltmeister Sebastian Vettel, musste in den Rennen vor der Sommerpause mit ansehen, wie die Konkurrenz mehr und mehr Boden auf den einstigen Klassenprimus gutmachte. (BERICHT: Vettel muss sich anstrengen)

Vor allem McLaren hinterließ zuletzt einen glänzenden Eindruck, die Silbernen feierten in den letzten fünf Rennen drei Siege.

Aber auch Ferrari zeigte sich stark verbessert, Höhepunkt war Fernando Alonsos Triumph beim ungeliebten Grand Prix in Silverstone.(DATENCENTER: Die Fahrer-WM).

Im Qualifying weiter eine Macht

Im Qualifying sind die "Bullen" mit elf Pole-Positions bei elf Grands Prix zwar weiterhin eine Klasse für sich, doch auch beim Team von Dietrich Mateschitz reifte zuletzt die Erkenntnis, dass sich die Rangordnung in den Rennen vor der Sommerpause anders darstellt.

"Keiner der Siege wurde unseren Gegnern geschenkt", stellte zum Beispiel Mark Webber ernüchtert fest.

Ferrari mit Red-Bull-Kopie

Obwohl Ferrari und McLaren bei der Aufholjagd verschiedene Wege gingen, kamen beide Teams letzten Endes zum gleichen Ergebnis: Dank verbesserten Umgangs mit den Reifen wurde der Rückstand auf den Weltmeister-Rennstall wettgemacht.

Ferrari beschränkte sich darauf, das Auto punktuell dem Vorbild RB7 anzugleichen. Mit dem Vorteil, dass der F150 Italia schonender mit den Reifen umgeht.

Auch das größte Problem, die Pneus auf die richtige Temperatur zu bringen, scheint behoben. Den Beweis lieferten die Roten während der letzten drei Grands Prix ab, als Alonso trotz kühler Witterung jeweils aufs Podest fuhr. (DATENCENTER: Rennkalender und Kurse)

McLaren mit "Reifen-Guru"

McLaren nahm hingegen nahm lediglich minimale Veränderungen an Flügel, Bremsbelüftung und Auspuff vor.

Das größte Plus der Silbernen ist aber ebenfalls die Handhabung der Reifen. McLaren bringt die Pneus schneller auf Renntemperatur, geht aber gleichzeitig schonender mit der Bereifung um als die "Bullen".

In Person von Adrian Newey besitzt Red Bull zwar ein Design-Genie, doch McLaren kann nun einen "Reifen-Guru" vorweisen.

Der Aufschwung der Silbernen ist eng mit dem Namen Hiroshi Imai verbunden. Der frühere Chefingenieur des Reifenherstellers Bridgestone scheint das Geheimnis der Pirelli-Pneus entschlüsselt zu haben.

Bremsbelüftung verbessert

Der Japaner in Diensten des britischen Rennstalls fand heraus, dass die hohe Temperatur der Bereifung und der damit verbundene schnelle Verschleiß der starken Erhitzung der Bremsen geschuldet war.

Seitdem hat McLaren viel Zeit und Arbeit in die Verbesserung des Bremsbelüftungssystems investiert - offenbar mit Erfolg.

Bei der Handhabung der Pneus dürfte auch Red Bull ansetzen. Ein verbessertes Handling der Pirelli-Walzen verspricht im Moment größeren Zeitgewinn als technische Modifizierungen.

Vettel besser als Schumi

Allerdings haben die "Bullen" im Reifenpoker selbst noch ein Ass im Ärmel.

Sebastian Vettel gilt seit seiner Zeit als Kart-Fahrer, als einer der Piloten, die die Reifen am besten im Griff haben. Darüber hinaus setzt sich der 24-Jährige angeblich akribischer und genauer mit seinem Arbeitsgerät auseinander als jeder andere Pilot.

"Sebastians Feedback ist besser als das von jedem anderen Fahrer, mit dem ich bisher zusammengearbeitet habe", sagte Reifeningenieur Kevin Nix zu "Autobild Motorsport".

Gewicht bekommt die Aussage dadurch, dass er bereits mit Größen wie Michael Schumacher und David Coulthard zusammengearbeitet hat.

Auf Buttons Spuren

Vettel ist offenbar auf dem besten Wege, Jenson Button den Rang als "Reifenflüsterer" abzulaufen.

Nix erklärt: "Weil der Red Bull sehr viel Abtrieb hat und schnell ist, erwartet man eigentlich einen hohen Reifenverschleiß. Aber Sebastian weiß, wie man das Auto exakt am Reifenlimit bewegt. Verschleiß und Arbeitstemperatur hat er immer im Griff."

Bravourstück Monaco

Vor allem mit seiner Vorstellung beim Glamour-Grand-Prix in Monaco, als er Alonso und Jenson Button auf nahezu abgewetzten Reifen bis zum Rennabbruch in Schach hielt, hat der Weltmeister bleibenden Eindruck hinterlassen.

"Er überrascht mich immer wieder", unterstrich Red Bull-Teamchef Christian Horner gegenüber "Autosport": "Es war beindruckend, wie er es in Monaco geschafft hat, die anderen Fahrer hinter sich zu halten, auf Reifen, die nicht dafür vorgesehen waren, so lange zu halten."

Fragt sich nur, wer am Ende die Oberhand behält, der "Reifen-Guru" oder der "Reifenflüsterer"?

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel