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Mercedes-Grand-Prix landete in der Konstruk-teurswertung des Jahres 2010 auf Platz vier © imago

Norbert Haug räumt ein, dass der Aufbau bei Mercedes noch Zeit benötigt - und zieht einen Vergleich zum Weltmeister-Team.

Von Olaf Mehlhose

München - Die Zeit von Mercedes wird kommen - in diesem Punkt ist sich Motorsport-Chef Norbert Haug absolut sicher.

Der Vorgesetzte von Michael Schumacher und Nico Rosberg geht aber mittlerweile davon aus, dass der Weg an die Spitze wohl deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen werde, als sich die Verantwortlichen erhofft hatten. (DATENCENTER: WM-Stand Teams)

Haug geht davon aus, dass Mercedes etwa fünf Jahre benötigt, bis die Silberpfeile um den Titel mitfahren können. Sein Team sei in einer ähnlichen Situation wie vor einigen Jahren noch Red Bull, den Rennstall des amtierenden Weltmeisters Sebastian Vettel.

"Red Bull hat im Vergleich auch fünf Jahre gebraucht. Das erste Rennen hat dann Sebastian Vettel in einem Toro Rosso gewonnen, der damals noch das gleiche Auto war", stellte Haug bei "autosport.com" klar. (BERICHT: Mercedes in der Warteschleife)

Ein Zeitraum, den er nun auch für Mercedes in Anspruch nimmt: "Bei allem Respekt und aller Wertschätzung für die Leistung von Red Bull - es hat Zeit benötigt. Wir müssen akzeptieren, dass es dauert, Dinge aufzubauen."

Haug dämpft die Erwartungen

Damit sei allerdings nicht gemeint, dass sich der Gipfelsturm für Mercedes ähnlich schnell bewerkstelligen lasse, wie für den Konkurrenten aus Österreich.

"Ich rede nicht über irgendeinen Zeitpunkt in zwei Jahren, sondern über einen längeren Zeitraum. Wenn man es in weniger als fünf Jahren schafft, ohne maßlos Geld hineinzupumpen - was Teams in der Vergangenheit gemacht haben - dann ist das wirklich etwas Besonderes."

[kaltura id="0_g04fhu3j" class="full_size" title="Kampfansage von Schumacher"]

Trendwende bei Mercedes

Mercedes vollzieht damit eine Trendwende in der Kommunikationsstrategie: In der Verghangenheit war der deutsch-englische Rennstall vor allem durch markige Anküdigungen aufgefallen.

Nachdem die Verpflichtung von Schumacher und Rosberg festgestand, hatte Konzernchef Dieter Zetsche bereits von einer "deutsche Nationalmannschaft der Formel 1" geschwärmt und ein klares Ziel formuliert: "Wir wollen Weltmeister werden."

Auch Schumi hatte stets von einem Drei-Jahres-Plan für die Rückkehr an die Spitze gesprochen.

Schwieriger Start in die Saison

Doch nach zwei schwierigen Jahren hat Mecedes offenbar erkannt, dass die Bäume vorerst nicht in den Himmel wachsen.

Haug war vor allem darum bemüht, einer überzogenen Erwartungshaltung an Team und Fahrer vorzubeugen - dieser Fehler sei dem Team bereits vor Saisonbeginn unterlaufen.

"Man kann sagen, dass wir mit unseren Erwartungen nicht gerade goldrichtig lagen", schlug der 58-Jährige selbstkritische Töne an.

Der schwierige Start habe sein Übriges zu der jetzigen Situation beigetragen: "Wir hatten dieses Kühlungsproblem und mussten uns darauf konzentrieren, eine Lösung zu finden. Wenn der Zug an der Spitze aber erst einmal losgefahren ist und man hinterherläuft, ist es sehr schwierig, das wieder aufzuholen."

Starke Gegner

Erschwerend käme hinzu, dass sich Mercedes mit einem der stärksten Felder der Formel-1-Geschichte auseinandersetzen müsse. (BERICHT: Lauda legt Schumi Rücktritt nahe)

"Wir kämpfen gegen eine sehr starke Gruppe von Rivalen, wahrscheinlich stärker als je zuvor in der Formel 1", stellte der Mercedes-Boss klar. Mit Red Bull, Ferrari und McLaren gäbe es drei Teams, die jederzeit in der Lage seien, Rennen zu gewinnen.

Haugs Zahlenspiele

Mercedes-GP sieht er aber bereits in dieser Saison auf dem aufsteigenden Ast: "Wir hatten einen sehr schwierigen Start, vor allem bei den ersten beiden Rennen. Es spricht für das Team, dass wir bereits beim dritten Rennen 14 Runden lang in Führung lagen."

Zuversichtlich stimmte ihn vor allem die Tatsache, dass der Abstand zur Spitze zuletzt nicht mehr größer geworden war.

"Es gibt da einige interessante Zahlenspiele", erklärte Haug: "Unser Unterschied zu den Führenden betrug in Australien 2,3 und in Malaysia 2,0 Prozent."

Doch bereits in Shanghai sei ein deutlicher Aufwärtstrend zu erkennen gewesen. "In China handelte es sich nur noch um ein Prozent, in der Türkei waren es 0,6. In Spanien waren es zwei Prozent, in Monaco 1,5, in Kanada 1,1, in Großbritannien 1,1 und in Deutschland 1,3 Prozent."

"Im gleichen Fenster"

Daraus folgerte er, dass sich die Leistung von Mercedes trotz der rasenden Entwicklung, bei den Top-Teams stabilisiert habe: "Der Rhythmus der Autos ganz vorne ändert sich, aber wir sind zumindest im gleichen Fenster geblieben."

Ziel sei es nun, "auf höherem Niveau anzufangen und sich von dort aus zu steigern."

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