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Die Scuderia Ferrari gehört der Formel 1 bereits seit dem Gründungsjahr 1950 an © imago

Di Montezemolo knüpft den Formel-1-Verbleib an konkrete Bedingungen. Die Aerodynamik-Lastigkeit ist ihm ein Dorn im Auge.

Von Olaf Mehlhose

München - Die Dominanz von Red Bull hat der Konkurrenz offensichtlich einen gehörigen Schrecken eingejagt.

Anders ist es nicht zu erklären, dass Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo bereits jetzt am Grünen Tisch für eine bessere Ausgangsposition in der kommenden Saison streitet. (SERVICE: WM-Stand Teams)

Der Rennstall aus Maranello, seit der ersten Saison im Jahr 1950 andauerndes Mitglied der Königsklasse, werde sein Engagement nur im Falle massiver Regeländerungen weiterführen, sagte der 64-jährige Unternehmer, der sich nicht zum ersten Mal über die technische Entwicklung in der Königsklasse echauffierte.

"Die Formel 1 ist unser Leben, aber ohne Ferrari gibt es keine Formel 1, genauso wie Ferrari ohne die Formel 1 anders wäre", sagte der Präsident des italienischen Traditionsrennstalls: "Wenn die Formel 1 Ferrari will, muss sie sich ändern." (DATENCENTER: Rennkalender und Kurse)

Zu viel Aerodynamik

Vor allem die Abhängigkeit von der Aerodynamik, die derzeit 90 Prozent der Leistungsfähigkeit ausmache, ist di Montezemolo ein Dorn im Auge.

Die Entwicklung vertrage sich nicht gut mit der Straßenwagen-Sektion des italienischen Herstellers, begründete di Montezemolo seine Forderung. Der Technolgie-Transfer von der Strecke auf die Straße habe in den vergangenen Jahren enorm zugenommen.

"Wir sind sehr geduldig, aber es gibt klare Bedingungen dafür, dass wir unsere Arbeit fortsetzen", kündigte der Boss der Scuderia an: "Wir fahren nicht nur für Publicity, sondern vor allem um Forschungen für alle Bereiche unserer Straßenwagen-Produktion durchzuführen."

Dass die Vormachtstellung von Red Bull vor allem auf den Vorsprung in der Aerodynamik zurückzuführen ist, dürfte in seinen Überlegungen aber ebenfalls eine gewichtige Rolle spielen.

Verhandlungen mit Ecclestone

Neu ist die Forderung des Ferrari-Boss' ohnehin nicht - genauso wenig wie die damit verbundene Androhung eines Formel-1-Austritts.

Di Montezemolo meldet sich regelmäßig zu Wort, wenn Verhandlungen über ein neues Concorde Agreement anstehen. Dass aktuelle läuft am Ende des Jahres 2012 aus.

Der gewiefte Geschäftsmann erhofft sich dadurch, seine Position für die Auseinandersetzung mit dem ebenso ausgebufften Bernie Ecclestone zu stärken.

Neben einer Verhandlungsstrategie ist aus seinen Äußerungen aber auch die ernsthafte Befürchtung, ein weiteres sportlich enttäuschendes Jahr zu erleben, herauszulesen.

Mehr Tests und ein drittes Auto

Das Aero-Thema war jedoch nicht der einzige Punkt, der dem Ferrari-Prinzipal auf dem Herzen lag. Di Montezemolo sprach sich zudem für eine Lockerung des Testverbots aus.

"Natürlich dürfen wir nicht zu den Exzessen von vor ein paar Jahren zurückkehren, aber wir sollten auch nicht in einer Position sein, dass wir den jungen Fahrern der Ferrari-Akademie keine Testmöglichkeiten anbieten können", meinte der Italiener.

Derzeit stehen den Nachwuchsfahrern der Scuderia zu Testzwecken bestenfalls zwei Jahre alte Boliden zur Verfügung.

Zusätzlich wünscht sich der Chef der Roten noch die Möglichkeit, ein drittes Auto in der PS-Liga starten zu lassen.

Rückendeckung für Massa

Genauso rigoros, wie er sich eine Veränderung bei den Regularien wünscht, schloss di Montezemolo diese jedoch bei seinem Team aus.

"Ich fühle mit den Journalisten, aber im nächsten Jahr wird es bei unseren Fahrern keine Veränderung geben", stellte er klar und beendete damit die Spekulationen um einen vorzeitigen Abschied von Felipe Massa.

Zuletzt hatte es immer wieder Gerüchte um eine Ablösung des Brasilianers gegeben, obwohl der frühere Vize-Weltmeister noch einen gültigen Vertrag für das Jahr 2012 besitzt. (KOLUMNE: Die Luft für Massa wird dünner)

"Seinen wahren Wert beweisen"

Auch Teamchef Stefano Domenicali stärkte dem 30-jährigen Massa öffentlich den Rücken.

"Was die Gerüchte über all die Fahrer betrifft, die nach Maranello kommen sollen, um ihn zu ersetzen, kann ich nur das wiederholen, was unser Präsident gesagt hat: Felipe wird 2012 bei uns sein, und das sollte zeigen, wie viel Vertrauen wir in ihn haben", sagte der 46-Jährige.

Als Gegenleistung für das Vertrauen erwartet Domenicali von seinem Angestellten eine deutliche Steigerung.

"Ich setze stark auf Felipes Willen, um zurückzuschlagen. Er weiß, dass das nächste Jahr ein entscheidendes wird", meinte der Italiener: "Ich bin davon überzeugt, dass er seinen wahren Wert beweisen wird."

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