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Lewis Hamilton und Jenson Button fuhren 2011 sechs Rennsiege für McLaren ein © getty

McLaren will den "Bullen" den Rang ablaufen. Die Stärken der Briten sind ein glänzendes Fahrer-Duo und unbändiger Kampfgeist.

Von Olaf Mehlhose

München - Wenn Red Bull ein Team in der PS-Liga fürchtet, ist das McLaren.

Mit sechs Saisonsiegen - jeweils drei durch Jenson Button und Lewis Hamilton - waren einzig die Chrompfeile in der Lage, Überflieger Sebastian Vettel, der elf Mal triumphierte, einigermaßen Paroli zu bieten.

Die konträre Fahrerpaarung kristallisiert sich dabei als die große Stärke des Rennstalls aus dem englischen Woking heraus: Hamilton, der heißblütige Vollblut-Rennfahrer, und Button, eher ein intelligenter Schleicher, spornen sich in einem harten, aber sportlich fairen Duell zu Höchstleistungen an.

McLaren-Boss Martin Whitmarsh glaubt, dass diese Konstellation seinem Team auch beim Großen Preis von Brasilien in die Hände spielen wird.

"Lewis und Jenson wollen beide ihren vierten Erfolg einfahren. Für das Team ist das eine exzellente Ausgangsposition", erklärte der McLaren-Boss: "Wir sind scharf darauf, unseren siebten Saisonsieg zu feiern."

Beste Chancen auf Platz zwei

Tatsächlich gibt es für beide Fahrer gute Gründe, auch im letzten WM-Lauf noch einmal ihre beste Leistung abzurufen.

Button, derzeit mit zehn Zählern Vorsprung auf Fernando Alonso auf Rang zwei der Fahrerwertung rangierend, hat beste Aussichten, sich beim Saisonfinale in Interlagos die Vize-WM zu sichern. (SERVICE: WM-Stand der Fahrer)

Hamiltons "positive Welle"

Und auch Hamilton, der sich nach einer Saison voller Pleiten, Pech und Pannen mit dem Sieg in Abu Dhabi eindrucksvoll zurückmeldete, wird motiviert bis in die Haarspitzen sein. 481985(DIASHOW: Bilder des Rennens)

Der 26-Jährige, der Button in der WM-Wertung nicht mehr einholen kann, wird darauf brennen, seinen vierten Saisonsieg einzufahren. Dann würde er zumindest in dieser Kategorie vor seinem Rivalen zu liegen.

"Man kann zwar noch nicht sagen, dass die Krise überwunden ist, aber es war ein guter Anfang", gab sich der Ex-Champion nach seinem Erfolg beim Wüstenrennen noch bescheiden.

Er werde nun aber alles dafür tun, den Aufwärtstrend auch beim letzten Saisonrennen fortzusetzen, kündigte Hamilton an: "Ich muss beim Finale in Brasilien darauf achten, dass ich auf dieser positiven Welle weiterschwimme."

Angriff auf Red Bull

Vieles deutet also auf einen versöhnlichen Saisonabschluss für das Traditionsteam hin. Doch mit Platz zwei wollen sich die ehrgeizigen Briten in Zukunft nicht zufrieden geben - das stellte Whitmarsh unmissverständlich klar.

"Gemessen an den hohen Standards von McLaren war das kein hervorragendes Jahr für uns", erläuterte der Vorgesetzte von Hamilton und Button: "Wir haben zwar Platz zwei in der Team-Wertung gesichert, aber wir wollen mehr."

In anderen Worten: Für 2012 ist der Großangriff auf Klassenprimus Red Bull geplant.

"Wir haben zwei großartige Fahrer und ein fantastisches Team", so Whitmarsh: "Das macht uns optimistisch für das kommende Jahr. Wäre das nicht so, müssten wir etwas ändern. Wir fahren Rennen, um zu gewinnen."

Mit Konstanz auf rang zwei

Trotz der diesjährigen Dominanz der "Bullen" scheint diese Zielsetzung keinesfalls unrealistisch. Neben fahrerischer Klasse zeichnete sich McLaren während der Saison durch großes Durchaltevermögen und beständige Fortschritte in der technischen Entwicklung aus.

Nach dem sich die Chrompfeile zu Saisonbeginn noch auf Augenhöhe mit Ferrari und Mercedes befanden, schließen sie das Jahr mit einem deutlichen Vorsprung vor den beiden Konkurrenten als zweitbestes Team ab.

Respekt vor Hamilton

Die Verantwortlichen von Red Bull zählen den achtmaligen Konstrukteursweltmeister auf jeden Fall zu ihren größten Rivalen. Motorsportberater Helmut Marko flößt vor allem der wiedererstarkte Hamilton Respekt ein.

Ginge es nach ihm, so Marko, hätte das Tief des Champions von 2008 ruhig noch ein wenig länger andauern können.

"Für uns hätte der Herr Hamilton ruhig noch ein bisschen so weitermachen können", meinte er bei "Auto, Motor und Sport": "Wenn der wieder 100 Prozent Leistung zeigt, ist er ein gefährlicher Gegner."

"Die sind wie Terrier"

Aber nicht nur Hamilton, sondern auch das gesamte McLaren-Team erfreut sich bei Vettels "Ziehvater" höchster Wertschätzung, insbesondere ihre Fähigkeit, im Laufe einer Saison Rückstand wettzumachen.

"Die sind wie Terrier und beißen sich immer wieder ran", erklärte der 68-Jährige: "McLaren kommt aus jeder Krise heraus. Das zeigt, was in diesem Rennstall steckt."

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