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Mercedes GP belegt in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft 2011 den vierten Rang © getty

Die Silbernen wollen die Red-Bull-Dominanz mit geballter Kompetenz auf der Führungsebene brechen. Schumi winkt ein Trostpreis.

Von Olaf Mehlhose

München - Allzu erfolgreich verlief die Saison für Michael Schumacher nicht.

Beim Saisonfinale in Interlagos (Freies Training, Fr., ab 13 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) hat er nun die Chance, das Jahr doch noch mit einem Titel abzuschließen: dem des Überholweltmeisters.

Im Moment belegt Schumi in dieser inoffiziellen Wertung mit 111 geglückten Überholmanövern den zweiten Platz. Einzig Toro-Rosso-Pilot Sebastien Buemi, der 112 den Vordermann passierte, rangiert in dieser Wertung vor dem Mercedes-Star.

Die Gründe für Schumachers zahlreiche Platzgewinne sind schnell gefunden: Vor allem beim Start (34 Positionen) und in der ersten Runde (42) schlägt die Stunde des Altmeisters, der in beiden Kategorien den Top-Wert im Fahrerfeld erzielte.

"Nette Spielerei"

Der siebenmalige Weltmeister nimmt seine gute Platzierung in der Überholrangliste erfreut zu Kenntnis.

"Überholen ist immer die erste Bestätigung im Rennsport, insofern ist die Statistik eine nette Spielerei", wird Schumi von der "Bild" zitiert.

Im gleichen Atemzug stellt er allerdings klar, dass der Titel des Überholchampions für ihn nicht mehr sei, als ein Trostpreis: "Mir geht es noch immer um Siege mit Mercedes. Darum, etwas aufzubauen, das idealerweise von einem WM-Titel gekrönt wird."

Das Auto ist das Problem

Die Verantwortlichen von Mercedes GP werden die Aussagen ihres berühmten Angestellten sicherlich gerne hören. Nach der medienwirksamen Rückkehr in die Königsklasse hinkt die "Deutsche Nationalmannschaft" den eigenen Ambitionen weit hinterher.

Auch wenn Motorsportchef Norbert Haug gebetsmühlenartig wiederholt, dass auch Red Bull fünf Jahre gebraucht habe, um Pole-Positions und Siege einzufahren, dürfte sich der Mercedes-Konzern von seinem Comeback mehr erhofft haben, als die Aussicht hinter den Top-Teams um die Plätze zu kämpfen.

Das sieht überigens auch Haug so: Platz vier bei den Konstrukteuren sei "auf Dauer nicht unser Anspruch", betonte der 59-Jährige.

[kaltura id="0_dnuokcxq" class="full_size" title="Streckenvorstellung Interlagos"]

Der Grund für die ausbleibenden Erfolge ist offenbar ausgemacht: der Mercedes-Bolide. "Unser großes Problem bleibt, dass das Auto nicht gut genug ist", bestätigt Teamchef Ross Brawn gegenüber "Motorsport Aktuell".

Ideen-Armut bei den Silbernen

So lange Mercedes diesen Missstand nicht behebt, scheint ein Angriff auf Red Bull äußerst unwahrscheinlich. Aerodynamik-Guru Adrian Newey sorgt beim Weltmeister-Team nämlich genau für jene Geistesblitze, die den Ingenieuren von Mercedes GP derzeit noch abgehen.

In der letzten Saison blieben innovative Ideen auf jeden Fall aus.

Große technische Errungenschaften wie der angeblasene Diffusor und die dazugehörenden extremen Motoreneinstellungen gingen erneut auf das Konto von Newey.

Die logische Konsequenz: Red Bull räumt 2011, diesmal mit dem RB7, zum zweiten Mal nacheinander die Titel in der Fahrer- und Konstrukteurs-WM ab.

Fünf Hochkaräter

Nachdem die vermeintlich Schwachstelle nun aber identifiziert wurde, setzt Mercedes den Hebel genau dort an. In dem Wissen, dass sich ein genialer Kopf wie Newey nicht klonen lässt, versuchen die Silbernen dem Mangel an Kreativität mit geballter Kompetenz auf der Führungsebene entgegenzuwirken.

Mit den Neuzugängen Aldo Costa, Bob Bell und Geoff Willis, die die Technik-Abteilung um Brawn und Chefdesigner Loic Bigois verstärken, wurde die Verantwortung für die technische Entwicklung auf fünf Personen verteilt.

Damit beschäftigt Mercedes gleich fünf ausgewiesene Experten, die allesamt bereits Erfahrung als Technikchefs gesammelt haben.

Kein Kompetenzgerangel

Die Verantwortlichen zumindest sind von der Maßnahme überzeugt. Kompetenzstreitigkeiten in der Chefetage schliessen Haug und Brawn kategorisch aus.

"Die Kollegen werden sich ergänzen, exakt so haben wir das untereinander ausgemacht", antwortet Haug auf die Frage, ob es nicht passieren könnte, dass zu viele Köche den Brei verderben.

Brawn sieht es genauso. "Das funktioniert sehr gut, weil die Rollen klar verteilt sind", erklärt der Brite: "Wenn fünf Leute mit einer klaren technischen Struktur zusammenarbeiten, ist das positiv, produktiv und innovativ. Wir ziehen alle am gleichen Strang, damit es klappt. Das motiviert enorm."

An glorreiche Zeiten anknüpfen

An Motivation scheint es bei Mercedes auch nicht nicht zu mangeln. Das Team lässt nichts unversucht, um an die glorreichen Zeiten eines Juan Manuel Fangio anzuknüpfen.

Die Belegschaft in den Werken wurde noch einmal um rund 100 Mitarbeiter aufgestockt.

Ob Motivation allein allerdings ausreicht, um Schumacher und Nico Rosberg ein siegfähiges Auto hinzustellen, wird sich erst in der kommenden Saison zeigen.

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