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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Nico Rosberg konnte bei 108 Grand-Prix-Starts noch keinen einzigen Rennsieg herausfahren © getty

Rosberg spricht über seine WM-Chancen, den Austausch mit Schumi und warum Mercedes für ihn die beste Entscheidung ist.

Sao Paulo - Den Traum vom ersten Rennsieg hat sich für Nico Rosberg auch 2011 nicht verwirklicht.

Auch nach seiner sechsten Saison in der Königsklasse fährt der Mercedes-Star dem ersten Grand-Prix-Erfolg weiter hinterher.

Entmutigen lässt sich der Rosberg dadurch jedoch nicht. Der 26-Jährige ist zuversichtlich, im kommenden Jahr endlich in einem siegfähigen Auto zu sitzen.

"Irgendwann wäre es schön, ganz vorne dabei zu sein", sagt der WM-Siebte: "Deswegen ist es gut, dass die Saison jetzt vorbei ist und wir vollgas voraus mit einem besseren Paket in die nächste Saison gehen können."

Im Interview spricht Rosberg über seine Ziele für 2012, den Austausch mit Michael Schumacher und warum er sich bei Mercedes die besten Chancen ausrechnet.

Frage: Motorrad-Weltmeister Stefan Bradl wollte in seiner Karriere unbedingt einen Platz besser sein als sein Vater Helmut. Wie ist das bei Ihnen? Ihr Vater Keke hat fünf Rennen gewonnen und war einmal Weltmeister. Ist es für Sie ein Ansporn, besser zu sein als er?

Nico Rosberg: Nein, überhaupt nicht. Das ist kein Gedanke, der mir jemals in den Kopf kommt. Ich schaue positiv auf das, was mein Vater geschafft hat. Wenn ich denken würde, dass ich noch nicht annähernd das erreicht habe, was mein Vater erreicht hat, wäre das ja ein negativer Gedanke. Ich habe Riesen-Respekt davor, was mein Vater geschafft hat. Er kam von einer Farm in Finnland, er hat auf dem Eis angefangen mit dem Go-Kart, dann hat er sich Geld geliehen, um sein erstes Auto zu kaufen. Verrückt. Darauf schaue ich mit sehr viel Freude.

Frage: Ist es für Sie wichtiger, die Marken von Nico Rosberg zu setzen als sich mit anderen Leuten zu vergleichen?

Rosberg: Ab und zu vergleiche ich mich schon mit anderen Leuten. Aber definitiv nicht mit meinem Vater.

Frage: Wenn Sie sich mit anderen vergleichen, mit wem denn dann zum Beispiel?

Rosberg: Mit allen, die um mich herum sind, oder auch mit verschiedenen Leuten aus der Vergangenheit. Mit Mika Häkkinen zum Beispiel. Mein Vater war sein Manager, daher habe ich seine Karriere über die ganzen Jahre verfolgt. Ich bin damit aufgewachsen, habe mit ihm mitgefiebert.

Frage: Mika Häkkinen hat für McLaren-Mercedes Rennen gewonnen und zwei WM-Titel geholt ...

Rosberg: Diese Chance habe ich jetzt auch.

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Frage: Wann kommt es dazu?

Rosberg: Im nächsten Jahr ist es erstmal das Ziel, konstant aufs Podium zu fahren. Wenn das der Fall ist, kann auch mit ein bisschen Glück ein Sieg dabei herauskommen. Schon mit unserem diesjährigen Auto wäre mit ein bisschen Glück in Shanghai der Sieg drin gewesen.

Frage: Sie haben sich bei Ihrer Vertragsverlängerung langfristig für Mercedes entschieden. Warum?

Rosberg: Ich glaube, das ist das Team für die nächsten Jahre, wo man die besten Chancen hat. Mit all dem, was jetzt kommt. Kurzfristig muss ich ein bisschen Geduld haben, klar. Aber mittelfristig und langfristig wird es das beste Team sein. Das Team gibt Vollgas, wir haben neue Leute geholt, die absolut besten, die in der Formel 1 im Moment zu haben waren. Ich bin überzeugt, dass das Team immer besser wird.

Frage: Wie schwer fällt es Ihnen, Geduld zu haben?

Rosberg: Es ist nicht so schwer. Ich bin sehr motiviert, mit diesem Silberpfeil zu gewinnen. Und deswegen habe ich die nötige Geduld.

Frage: Besteht nicht auch die Gefahr, dass es durch viele neue Leute im Team am Anfang vielleicht erst wieder Reibungspunkte gibt?

Rosberg: Mit Sicherheit wird es eine Zeit dauern, bis alles wieder perfekt funktioniert. Das ist ein Prozess. Es wird nicht von heute auf morgen passieren, dass wir das beste Team in der Formel 1 sind.

Frage: Ist ein Sieg im Silberpfeil für Sie auf einer Stufe mit einem Sieg in einem Ferrari?

Rosberg: Ja, auf jeden Fall. Ganz klar. Allein Fangio, einer der besten Fahrer aller Zeiten, wurde zweimal Weltmeister mit dem Auto, in dem ich jetzt sitze, vor 50 Jahren. Das sagt doch schon alles.

Frage: Kann man benennen, was in diesem Jahr gefehlt hat?

Rosberg: Das ganze Team war nicht stark genug. Das ist alles, Aerodynamik, Mechanik, Gewichtsverlagerung im Auto. Da kam alles zusammen.

Frage: Sie sind jetzt zwei Jahre an der Seite von Rekordweltmeister Michael Schumacher gefahren. Gibt es Dinge, die Sie in dieser Zeit auch von ihm gelernt haben?

Rosberg: Natürlich, ganz klar. Dennoch glaube ich, dass es insgesamt zwischen uns beiden ein guter Austausch ist. Mittlerweile bin ich auch einer der sehr erfahrenen Formel-1-Fahrer. Ich glaube, wir können uns gegenseitig gut pushen und austauschen.

Frage: Mercedes-Sportchef Norbert Haug hat über Sie gesagt: 'Nico wird gewinnen, sobald wir ihm das Auto dafür geben.'

Rosberg: Das will ich auch hoffen, sonst hätten sie ja mit mir nicht verlängert. Dennoch bin ich dankbar für das Vertrauen, dass wir gegenseitig haben. Ich gegenüber dem Team und das Team gegenüber mir. Sie glauben an mich und sind überzeugt, dass ich es schaffe, wenn es soweit ist.

Frage: Bei Mika Häkkinen war es so, dass nach dem ersten Sieg ein Knoten geplatzt ist und es mehr und mehr wurden. Hoffen Sie, dass es bei Ihnen ähnlich sein könnte? Dass man, wenn der Fahrer, das Auto und das Paket perfekt zusammenpassen, eine Serie starten kann?

Rosberg: Ich weiß nicht.

Frage: Haben Sie mit Mika mal darüber gesprochen?

Rosberg: Nein, ich treffe ihn zwar ab und zu, aber über spezielle Rennsportdinge haben wir uns eher weniger ausgetauscht.

Frage: Sebastian Vettel hatte jetzt so ein Jahr, in dem einfach alles so gelaufen ist, wie man sich das nur erträumen kann. Denkt man da manchmal: Warum passiert mir das jetzt nicht?

Rosberg: Nein. Ich schaue eher auf meine Situation und kann auch daraus sehr viel Zufriedenheit ziehen. Ich sitze im Silberpfeil, es ist eine tolle Herausforderung, die ich habe. Ich habe die Möglichkeit, das Team selbst mit anzuführen. Das ist etwas ganz Tolles. Darauf konzentriere ich mich, das in der nächsten Zeit voranzutreiben. Ich schaue weniger nach links und rechts, ich schaue auf meine Situation und bin auch mit dem, was ich bis jetzt geleistet habe, zufrieden. Ich bin nicht enttäuscht und denke, was haben andere geschafft, was ich noch nicht geschafft habe.

Frage: Haben Sie da eine Art interne Rangliste für sich selbst?

Rosberg: Ja, das muss man auch haben im Sport. Sonst würde man ja kaputt gehen, wenn man seine Ranglisten nur nach absoluten Ergebnissen machen würde. In unserem Sport ist man abhängig von seinem Auto und dem ganzen Team. Das ist anders im Vergleich zum Beispiel zum Tennisspieler, für den einfach seine persönliche Leistung zählt. Hier ist es eine Kombination aus Fahrer und Auto.

Frage: Freuen Sie sich auf den Winter, mal etwas Ruhe zu haben?

Rosberg: Ja, generell muss es in der Situation, in der wir sind, nicht ewig weitergehen. Ich gehe in jedes Qualifying und mehr als ein sechster Platz geht nicht. Ich gehe ins Rennen und mehr als Platz sechs geht nicht. Irgendwann wäre es schön, weiter vorne dabei zu sein. Deswegen ist es gut, dass die Saison jetzt vorbei ist und wir Vollgas voraus mit einem besseren Paket in die nächste Saison gehen können.

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