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Red-Bull-Star Mark Webber fuhr in 176 Rennen sieben Grand-Prix-Siege heraus © getty

Die Fahrzeug-Nase spielt in dieser Saison eine Schlüsselrolle. Die meisten Teams wählen die Höcker-Variante - McLaren nicht.

Von Olaf Mehlhose

München - Krummnasen, Schnabeltiere und Nasenbären: Der Gestaltung der Fahrzeug-Front kommt in diesem Jahr eine Schlüsselrolle zu.

Die teilweise gewöhnungsbedürftigen Ausformungen der Wagen-Vorderseite regten die internationale Motorsportpresse bereits zu einer Reihe von Wortschöpfungen an. (DATENCENTER: Rennkalender 2012)

Was für die schreibende Zunft eine Spielerei ist, trennt im gnadenlosen Konkurrenzkampf unter den Teams allerdings die Spreu vom Weizen.

Mit oder ohne Höcker? Und wenn mit Buckel, dann in welchem Ausmaß? Der Rennstall, der diese Fragen richtig beantwortet, darf von einer erfolgreichen Saison träumen.

Selbst Newey ist unsicher

Die meisten Teams entschieden sich bei der Konstruktion ihres neuen Boliden für die sogenannte Schnabeltier-Version mit Auswuchs auf der Nase. Einzig McLaren wiedersetzte sich bisher dem gängigen Trend in der Formel 1.

Es wird interessant sein, welche Variante Mercedes, Hispania und Marussia wählen, jene Rennställe, die ihr Auto für 2012 bislang noch nicht präsentiert haben.

Selbst Red Bulls Aerodynamik-Guru Adrian Newey, dessen Autos inzwischen 15 WM-Titel eingefahren haben, ist sich nicht sicher, welche Option die bessere ist.

"Wir favorisieren seit der großen Regelreform 2009 das Konzept der hohen Nase. Ich will damit aber nicht sagen, dass McLaren mit seiner niedrigen Nase falsch liegt", sagte der britische Ingenieur.

Radikaler Knick bei Ferrari

Den vielleicht extremsten Weg schlug die Scuderia Ferrari ein.

Nach der wenig erfolgreichen letzten Saison verzichtete das Traditionsteam aus Maranello zugunsten eines wettbewerbsfähigen Autos auf jegliche optischen Feinheiten. (514525DIASHOW: Der neue Ferrari F2012)

"Wir haben eine Revolution gestartet und das Auto praktisch in allen Bereichen verbessert", rechtfertigte Präsident Luca di Montezemolo den radikalen Knick in Höhe der Vorderachse.

Höcker kommt in Mode

Aber auch das Gefährt von Weltmeister-Team Red Bull ziert neuerdings die scheinbar unvermeidliche Wölbung.

[kaltura id="0_k5ws7pdc" class="full_size" title="Vettel erkl rt den neuen Red Bull"]

Wobei es Motorsport-Berater Helmut Marko wichtig war zu betonen, dass der RB8 "nicht so hässlich wie der Ferrari" sei. (515827DIASHOW: Ein Höcker für Vettel)

Aber nicht nur die Formel-1-Elite, auch Mittelfeld-Teams und Hinterbänkler wie etwa Lotus, Williams und Caterham setzen auf den in Mode gekommenen Höcker.

Sicherheit vor Schönheit

Wie es zu dem "Buckelwahn" kam, ist schnell erklärt: Um die Verletzungsgefahr bei Unfällen zu verringern, erließ die FIA den Beschluss, dass die Spitze des Autos ab 2012 nur noch 550 Millimeter - vorher 625 - über dem Boden liegen darf.

Der Automobilverband erhofft sich dadurch einen größeren Schutz für den Kopf des Piloten, insbesondere wenn es zu einem seitlichen Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug kommt

Nach einer vorgegebenen Grenzlinie ist dann wieder die Maximalhöhe von 650 Millimetern erlaubt.

Dadurch kommt es zu dem schlagartigen, wenn auch wenig eleganten Sturz auf der Nase und den daraus resultierenden Höckern.

Tiefe Nase, tiefer Schwerpunkt

Allerdings stellt sich die Frage, weshalb McLaren in der Lage war, ein Auto ganz ohne Hakennase zu präsentieren, das optisch kaum Abweichungen zum Modell des Vorjahres aufweist. 513730(DIASHOW: MP4-27: McLarens Zauberformel gegen Vettel)

Das Team aus Working baut schon seit Jahren unter dem vorgeschriebenen Limit, um dadurch eine Steigerung der Aerodynamik zu erreichen.

"Eine tiefe Nase bedeutet einen tiefen Schwerpunkt", erklärte Technikchef Paddy Lowe bei "Motorsport Aktuell". Zudem ist der Luftwiderstand der Frontpartie wegen der tiefer liegenden Spitze geringer.

Höcker auf dem Prüfstand

Diese Vorteile, so hofft das britische Team, werden sich in der aktuellen Saison auszahlen.

Das Verbot des angeblasenen Diffusors, der mit deutlich vermindertem Abtrieb einhergeht, dürfte bei den Überlegungen, der Linie treu zu bleiben, eine gewichtige Rolle gespielt haben.

Den Schönheitspreis haben die Chrompfeile damit fast schon sicher.

Viel wichtiger und entscheidend für die Zukunft des Nasenhöckers wird aber sein, ob der MP4-27 auch schnell ist.

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