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Ferrari-Pilot Felipe Massa blieb in der gesamten Saison 2011 ohne Podestplatz © imago

Die Scuderia wählt mit dem neuen F2012 eine riskante Strategie. Die Feuertaufe geht daneben - doch es gibt Grund zur Hoffnung.

Von Olaf Mehlhose

München - Der Zweck heiligt alle Mittel: Nach dieser Maßgabe entwarf Ferrari den Boliden für die neue Saison.

Heraus kam der F2012, bei dem vor allem die gewöhnungsbedürftige, eckige Nase mit einem ausgeprägten Knick auf der Frontseite hervorsticht. (514525DIASHOW: Ferraris "rote Revolution")

Nach inzwischen vier titellosen Jahren war den Verantwortlichen scheinbar jedes Mittel recht, um endlich wieder in die Erfolgsspur zurückzukehren und einen WM-Gewinn zu feiern.

Dass die ehemals "rote Göttin" von dem Schweizer Boulevardblatt "Blick" wegen des markanten Buckels auf der Nase in "rote Hexe" umgetauft wurde, störte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo und die Seinen offensichtlich nicht. (DATENCENTER: Rennkalender 2012)

"Wir sind bewusst aggressiv vorgegangen", verteidigte Technik-Chef Pat Fry das Vorgehen seines Teams.

Riskante Strategie

Die Strategie birgt allerdings ein großes Risiko.

Die Roten sind nun zum Erfolg verdammt. Sollten Rennsiege trotz all der Zugeständnisse in Sachen Optik ausbleiben, wäre das ein Fiasko für das Image des Rennstalls .

Viele Fans zeigten sich von dem neuen Flitzer enttäuscht. In Internet-Foren wurde der Wagen bereits als "hässlichstes Formel-1-Auto in der Ferrari-Geschichte" bezeichnet.

Massa und Alonso im Hintertreffen

Und auch auf der Strecke gleicht der rote Renner bislang eher einer Hexe als einer Göttin.

Bei den Testfahrten in Jerez belegte Felipe Massa an den ersten beiden Tagen die Plätze neun und sieben. Und auch Ex-Champion Fernando Alonso gelang bei seinem ersten Auftritt noch nicht der große Wurf. (SERVICE: Resultate aus Jerez)

[kaltura id="0_mno3fqi6" class="full_size" title="Alonso Gemeinsam den Titel holen "]

Der ehrgeizige Spanier landete ebenfalls nur auf Rang sieben und hatte dabei mehr als eine Sekunde Rückstand auf Titelverteidiger Sebastian Vettel, an dessen fahrerischer Klasse er während des Winters noch wiederholt Zweifel geäußert hatte.

Technik-Chef ist nicht zufrieden

Aber damit nicht genug: Neben fehlender Geschwindigkeit kämpfte Ferrari mit technischen Schwierigkeiten. Wegen Hydraulikproblemen stand Alonso an seinem ersten Testtag gut eineinhalb Stunden in der Box, insgesamt absolvierte der 30-Jährige nur 67 Runden.

"Glücklich machen mich unsere Leistung nicht", räumte Fry gegenüber "Autosport" ein: "An den ersten beiden Tagen hat die Zuverlässigkeit gestimmt, und die Performance ist okay. Aber vom jetzigen Stand bleibt uns noch viel Raum für Verbesserungen."

In der Tat: Dass in dem neuen Boliden noch einiges mehr möglich ist, verdeutlichte Alonso mit Platz eins am abschließenden Testtag - böse Zungen behaupteten allerdings, dass es sich um eine Showrunde gehandelt habe, um die Kritik verstummen zu lassen. (BERICHT: Der Vierte Tag in Jerez)

"Es geht um Feintuning"

Ob Showzeit oder Demonstration der Stärke - in Panik verfiel Ferrari auch nach dem durchwachsenen Jerez-Start nicht. Im Team gibt es über die Entscheidungen, die zur Geburt der "Hexe" führten, keine zwei Meinungen.

"Wir schauen nicht auf die Stoppuhr. Es geht darum, Fortschritte zu erzielen und nicht um Rundenzeiten", sagte Pressechef Luca Colajanni bei "Sky Sports": "Wir sind überzeugt, dass in dem Auto eine Menge Potenzial steckt. Das Konzept des Autos ist neu, es geht also in den vier Testtagen vorwiegend um das Feintuning."

Fry hieb in die gleiche Kerbe. Die Hauptschwierigkeit sei es, das perfekte Zusammenspiel zwischen den einzelnen Parts zu gewährleisten, erklärte der britische Ingenieur: "Wir spielen eine Reihe von Konfigurationen durch, dadurch ergibt sich eine einigermaßen große Matrix, aus der wir die besten Lösungen herausfiltern müssen."

Bisher, so scheint es, mit wechselndem Erfolg.

Schwachstellen behoben

Für ein endgültiges Urteil über das Auto ist es ohnehin noch zu früh. Zumal es neben der Bestzeit von Alonso noch weitere positive Rückmeldungen vom 16-maligen Konstrukteur-Weltmeister gab.

Der Technik-Crew ist es offenbar gelungen, zwei große Schwachstellen der vergangenen Saison zu beseitigen

"Die Reifen kommen nun schneller auf Temperatur. Und die Ergebnisse aus dem Windkanal stimmen mit denen von der Strecke überein", berichtete Fry. Es läge nun in der Hand der Ingenieure, "das gesamte Auto zum Arbeiten zu bringen."

"Wir arbeiten alle sehr hart"

An Einsatz werde es auf jeden Fall nicht mangeln, versprach Fry: "Wir arbeiten alle sehr, sehr hart."

Ob es ausreicht, um den anderen Top-Teams Rennsiege und sogar den Titel streitig zu machen, werden die kommenden Wochen und Monate zeigen.

Aber vielleicht entpuppt sich die "rote Hexe" ja auch als "rote Magierin".

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