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Nico Rosberg belegte in der vergangenen Saison Platz sieben der Fahrerwertung © getty

Bei der Präsentation des Mercedes-Boliden bleiben große Überraschungen aus. Es sind die kleinen Dinge, die das Auto ausmachen.

Von Olaf Mehlhose

München - Die Revolution ist ausgeblieben.

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug hatte bereits vor dem Launch des Mercedes F1 W03 angekündigt, dass es rein äußerlich keine großen Überraschungen geben würde. (BERICHT: Mercedes präsentiert Siberpfeil)

Zuvor hatte die Konkurrenz, allen voran Red Bulls Cheftüftler Adrian Newey, geargwöhnt, Mercedes wolle ein besonderes Merkmal möglichst lange vor den anderen Teams verbergen und präsentiere den Wagen deshalb erst mit Verspätung.

Haug hat Recht behalten: Der neue Silberpfeil unterscheidet sich optisch nicht großartig von den Autos der anderen Rennställe. (521449DIASHOW: Präsentation des neuen Mercedes)

Silberpfeil mit Storchenschnabel

Genauso wie Konkurrenzfahrzeuge trägt der MGP-Renner den an die neuen Sicherheitsbestimmungen angepassten Höcker auf der Fahrzeugfront.

Der Unterschied zu den Rivalen besteht lediglich in der ausgesprochen spitzen Nase, die eher an einen Storchenschnabel als die bisher bevorzugte Schnabeltier-Variante erinnert.

Doch ansonsten waren beim Rollout keine spektakulären Innovationen zu erkennen.

"Kontrollierte Aggressivität"

Das mag vor allem daran liegen, dass die neu formierte Technik-Crew um Bob Bell, Aldo Costa und Geoff Willis nicht auf Teufel komm raus darauf bedacht war, bahnbrechende neue Lösungen zu finden. Stattdessen wurde der Fokus auf nachhaltige Detailarbeit gelegt.

"Im letzten Jahr waren wir zu aggressiv. Bei diesem Ansatz läuft man Gefahr, dass man über das Ziel hinausschießt. Diesmal haben wir darauf geschaut, dass wir für jede alternative Lösung gute Gründe haben", erklärte Teamchef Ross Brawn: "Es macht keinen Sinn, anders zu sein, nur weil man anders sein will."

Das Vorgehen der Mercedes-Ingenieure bezeichnete Brawn als "kontrollierte Aggressivität".

[kaltura id="0_b55p0ze7" class="full_size" title="Mit Zauber Nase zum Titel "]

Aber wodurch genau zeichnet sich das Auto mit dem Stern aus? Es sind tatsächlich die Details, die den neuen Boliden im Kampf um Titel und Triumphe zum großen Hoffnungsträger des deutschen Vorzeige-Rennstalls werden lassen.

Intelligentes Innenleben

Vor allem das Innenleben sorgte bereits für zahlreiche Spekulationen. Seit Mercedes bei den Testfahrten in Jerez im alten Auto einen passiven F-Schacht im Frontflügel testete, gilt es als offenes Geheimnis, dass die Silbernen den Einsatz dieses Systems planen.

Durch ein Loch in der Fahrzeugnase werden die eintretenden Luftströme unter den Flügel geleitet.

Dadurch soll der aerodynamische Abtrieb verringert werden und dem Auto auf den Geraden zu einer höheren Endgeschwindigkeit verhelfen. Nach Expertenmeinung kann die erfolgreiche Umsetzung bis zu acht Stundenkilometer bringen.

Inzwischen gibt es die Vermutung, dass es sich bei der Konstruktion um den etwas komplexeren W-Schacht handelt, der neben mehr Top-Speed offenbar auch noch für eine bessere aerodynamische Balance in den Kurven sorgt.

Erfolgreiche Schlankheitskur

Während hinter der genauen Art und Weise des Inneren noch ein Fragezeichen steht, lassen sich beim ersten Hinsehen bereits eindeutige Unterschiede zwischen dem neuen Auto und seinem Vorgänger ausmachen.

Das Gefährt für die Saison 2012 erscheint dünner und länger als der MGP W02. Mit seinem fast pfeilförmigen Erscheinungsbild macht der Silberpfeil seinem Namen alle Ehre.

Geht der Plan der Technikabteilung auf, münden die Schlankheitskur und das gleichzeitig längere Chassis in einer besseren Verteilung des Gewichts und wirken so dem in der vergangenen Saison auffälligen Verschleiß der Hinterreifen entgegen.

Durch den vergrößerten Radstand soll das Fahrverhalten nun besser zu kontrollieren sein.

Verbesserte Kühlung und Auspuff-Clou

Neben der Reifenproblematik machte den Silbernen 2011 vor allem die Kühlung zu schaffen. Mercedes versucht diesem Problem nun durch schlankere und früher nach innen gezogene Seitenkästen beizukommen.

Die heiße Luft entweicht genauso wie bei Red Bull durch einen Ausgang am Ende der Motorhaube.

Ein wahrhafter Clou könnte die Auspuffkonstruktion werden, die sich durch zwei auf dem Diffusor platzierte Flügelelemente auszeichnet und nach dem Verbot des angeblasenen Diffusors vielleicht das spannendste Detail am neuen Mercedes-Flitzer ist.

Ziel ist es, unter Verwendung der Abgase mehr Abtrieb zu generieren. Bei der Präsentation fehlten die Flügel allerdings noch.

Rosberg zuversichtlich

In der Theorie hat Mercedes den Wagen also punktuell nachgebessert.

Und auch die ersten Eindrücke der Piloten klangen vielversprechend. "Mein Gefühl ist sehr positiv", berichtete Nico Rosberg nach seinem Testauftakt in Barcelona.

Wie gut das neue Auto wirklich ist - vor allem im Vergleich zu den anderen Teams - wird sich aber erst beim Saisonauftakt in Melbourne zeigen. (DATENCENTER: Rennkalender 2012)

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