Neuer V6-Turbo: Kosten-Explosion bedroht Teams
Von Felix Götz
München - "Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld", heißt es in einem Song des Schlagersängers Jupp Schmitz.
In der Königsklasse stellt sich derzeit genau diese Frage ( DATENCENTER: Der Rennkalender).
Mit dem Unterschied, dass es nicht wie in Schmitz' Lied um eine Zeche in der Kneipe geht, sondern um die Kosten, die die Einführung der neuen Motoren mit sich bringt.
Ab 2014 ersetzt nämlich der 1,6-Liter-V6-Turbo mit Energie-Rückgewinnung aus ökologischen Gründen den aktuellen V8-Motor.
Mehr als 70 Millionen Euro?
Die Umstellung ist offenbar so groß, dass die Entwicklungskosten ein gewaltiges Ausmaß annehmen.
"Die Entwicklungskosten betragen zwischen 50 und 70 Millionen Euro", sagte Renault-Motorenchef Jean-Francois Caubet gegenüber "Motorsport-Total".
Neben Renault zählen Ferrari, Mercedes, Cosworth und PURE, die Firma des Schotten Craig Pollock die ab 2014 liefern will, zu den Herstellern.
Viele Experten gehen allerdings davon aus, dass deutlich mehr als 70 Millionen Euro ausgegeben werden müssen.
Kleinere Teams in Bedrängnis
Und hohe Entwicklungskosten für die Hersteller bedeuten, dass es auch für die Abnehmer, also die Teams, teurer wird.
Bisher geben die Teams für ein Motorenleasing inklusive KERS im Jahr maximal 15 Millionen Euro aus.
Schätzungen zufolge kämen durch die Umstellung noch einmal acht Millionen Euro dazu.
Für kleinere Rennställe ist das kaum zu machen.
Nur noch vier Motoren pro Jahr
"Es stimmt, dass das Paket für 2014 teurer sein wird", gab FIA-Präsident Jean Todt im Gespräch mit "Autosport" zu: "Es stimmt aber auch, dass die FIA seit geraumer Zeit mit den Motorenherstellern in Kontakt ist, um den Anstieg der Kosten zu reduzieren."
Die erste Konsequenz von Seiten der FIA wird sein, dass jeder Formel-1-Fahrer weniger als die bisher acht Motoren pro Saison zur Verfügung haben wird.
"Im Jahr 2014 werden es fünf sein. 2015 dann vier", erklärte Todt.
"Streit ist dumm"
Die alles entscheidende Frage ist aber: Können die reinen Entwicklungskosten gesenkt werden?
"Wenn sie mit unserem Preis nicht einverstanden sind, dann ist das nicht mein Problem", deutete Renault-Mann Caubet an, nicht unbedingt kompromissbereit zu sein.
Allerdings ruderte der Franzose anschließend wieder zurück: "Wir wollen keinen Streit, denn Streit ist dumm. Unser Vorschlag ist, bis September eine gemeinsame Entscheidung zu haben."
Kaltenborn: Keine Konfrontation
Selbst das Sauber-Team, das mit den hohen Kosten enorme Probleme bekommen könnte, bleibt besonnen.
"Ich halte es für wichtig, dass wir nicht auf Konfrontationskurs mit den Herstellern gehen", meinte Monisha Kaltenborn.
Und die Geschäftsführerin des Schweizer Rennstalls weiter: "Wir müssen eine Lösung finden, die im Interesse aller beteiligten Parteien in diesem Sport ist. Wir unterstützen die Botschaft, die mit dem neuen Motor gesendet wird, aber wir müssen sicherstellen, dass wir alle in einer Position sind, in der wir uns das auch leisten können."
Whitmarsh hat Verständnis
Die Formel 1 will nicht als Benzin-Schleuder wahrgenommen werden, muss aber gleichzeitig die Kosten in Grenzen halten, ja eigentlich sogar senken.
"In der Kostenfrage sind drastische Maßnahmen nötig", hatte beispielsweise Ferrari-Boss Luca di Montezemolo jüngst gesagt.
Martin Whitmarsh zeigt dennoch Verständnis für die Hersteller.
"Der Sport sagt: Wir wollen neue Technologien, einen komplett neuen Motor. Dafür müssen sie viel Geld ausgeben. Das kostet eben", so der McLaren-Teamchef.
Einführung wird nicht verschoben
Whitmarsh hält die Umstellung für absolut notwendig: "Kein technischer Sport wie unserer kann es sich leisten, nicht darüber nachzudenken, was die Menschen wahrnehmen. Die Formel 1 wird als benzinverbrennender Sport gesehen, der sich nicht darum schert, die Umwelt zu schonen. Damit promoten wir das falsche Image."
Wie die Finanzierung konkret aussehen soll, bleibt unklar.
Als sicher gilt dagegen, dass die Einführung der neuen Motoren nicht wie von einigen Personen gefordert erst nach 2014 stattfindet.
Caubets Begründung: "Wir haben so eine Einführung schon einmal verschoben, als wir von vier auf sechs Zylinder umgestellt haben. Das hat uns zehn bis 15 Millionen Euro gekostet."