McLaren: "Es könnte eine Katastrophe werden"
Von Felix Götz
München - Wer glaubt, dass bei McLaren seit dem Sieg von Lewis Hamilton beim vergangenen Grand Prix in Kanada Hochstimmung herrscht, der täuscht sich gewaltig ( DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).
Der britische Rennstall blickt stattdessen mit einer Portion Skepsis auf die kommenden Aufgaben.
"Der Optimist in mir sagt: Valencia und Silverstone, ja bitte! Aber es könnte auch eine Katastrophe werden", sagte Martin Whitmarsh gegenüber "ESPNF1".
Und der McLaren-Teamchef weiter: "Es könnte fürchterlich danebengehen in den nächsten Rennen."
Ein Fehler ist schon zu viel
Hintergrund ist die Unberechenbarkeit in der Königsklasse. Sieben verschiedene Sieger in sieben Rennen sprechen eine deutliche Sprache.
"Wenn man in irgendeinem Bereich einen Fehler macht, dann ist das Wochenende schon gelaufen", erklärte Whitmarsh.
Warum die Formel 1 so verrückt ist?
Der 54-Jährige sieht - wie so viele - eine große Verantwortung bei den Reifen, die auf jeder Strecke anders zu reagieren scheinen.
"Die Reifen scheinen in ihrem Verhalten fast organisch zu sein", so Whitmarsh.
Reichen schon zwei Siege?
Dabei läuft es in seinem Team doch zumindest für Hamilton gar nicht so schlecht.
Der 27-Jährige führt nach seinem ersten Triumph 2012 die WM-Fahrerwertung an - mit zwei Zählern Vorsprung auf Fernando Alonso im Ferrari.
Laut Whitmarsh würden in diesem Jahr zudem schon "zwei oder drei Siege" zum Titel reichen - vorausgesetzt, eine konstante Saison ist die Basis dieser Siege.
Fünf Rennen ohne Sieg
Auch die Reifen verstehe man bei McLaren "immer besser, doch das ist bei der Konkurrenz genauso", weiß Whitmarsh.
Er ist vorsichtig geworden, die Durststrecke nach dem Sieg von Jenson Button beim Saisonauftakt in Australien hat ihre Spuren hinterlassen.
"Fünf Rennen ohne Sieg nagen schon an der Seele eines Teamchefs von einem Team wie McLaren, das seit 1966 rund ein Viertel seiner Grands Prix gewonnen hat", erläuterte Whitmarsh.
Button neben der Spur
Ein weiterer Grund, weshalb er nicht in Euphorie verfällt, ist die Krise von Jenson Button, die mit Rang 16 auf dem Circuit Gilles Villeneuve ihren Tiefpunkt erreichte ( BERICHT: Die Button-Krise).
25 Punkte holte Button durch den Sieg Down Under, seither kamen in sechs Rennen insgesamt nur noch 20 Zähler dazu.
In der Gesamtwertung belegt der Weltmeister von 2009 den achten Platz. Sein Rückstand auf seinen Teamkollegen Hamilton beträgt satte 43 Punkte.
Whitmarsh verteidigt Button
Dass Button plötzlich keinen Formel-1-Boliden mehr fahren können soll, schließt Whitmarsh aus.
"Wir sprechen von einem der Fahrer mit der meisten Erfahrung, Intelligenz, Coolness und Selbstsicherheit in der Königsklasse", stellte er gegenüber "Sky Sports" klar.
Und weiter: "Ich denke, dass wir ihm zuletzt kein gutes Auto gegeben haben. Es hat die Hinterreifen zerstört - und diese Reifen sind sehr empfindlich."
"Ich bin zuversichtlich"
Whitmarsh hofft, dass es schon am Wochenende beim Europa-Grand-Prix für Button wieder bergauf gehen wird, weil der Kurs in Valencia dem in Melbourne sehr ähnlich sei:
"Ich bin zuversichtlich, dass Jenson nach einem Gespräch mit seinen Ingenieuren mit dem Gefühl nach Valencia kommt, gewinnen zu können."
Ein Erfolgserlebnis wäre für Button nicht nur wichtig, um im Kampf um den WM-Titel im Rennen zu bleiben, sondern auch aus psychologischer Sicht.
Button ein Jammerlappen?
Denn als Button in Kanada von Hamilton auch noch überrundet wurde, beschwerte er sich via Funk enorm über das Fahrverhalten seines Boliden (DIASHOW: Bilder des Rennens in Montreal).
Ist Button etwa ein Jammerlappen? "Das ist kein Rumjammern", wehrte sich der 13-malige Grand-Prix-Sieger im Gespräch mit dem "Motorsport-Magazin".
"Wenn man sich über Unter- oder Übersteuern oder irgendein anderes Problem beklagt, geht es darum, das Auto im nächsten Stint zu verbessern", erklärte Button: "Das ist Fahrzeugentwicklung während des Rennens."