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Christian Horner arbeitet seit 2005 in verschiedenen Funktionen in der Formel 1 © getty

SPORT1 fragt Christian Horner: Der Red-Bull-Teamchef spricht über Vettels Konkurrenz und schwärmt von der spannenden Formel 1.

Vom Hockenheimring berichtet Marc Ellerich

Hockenheim - Einer der größten Widersacher von Weltmeister Sebastian Vettel lauert 2012 im eigenen Red-Bull-Team.

So sehen es zumindest viele Beobachter. Argumente liefert ihnen die Wiederauferstehung des Mark Webber, die in dessen Siegen in Monaco und zuletzt in Silverstone ihre Höhepunkte fand.

Vettels australischer Kollege, im Vorjahr noch ohne den Hauch einer Chance gegen den Deutschen, hat sich durch sein starkes Comeback als erster Widersacher des WM-Führenden Fernando Alonso etabliert.

Beim Deutschland-Grand-Prix in Hockenheim (Rennbericht) reichte es für Webber zwar nur zu Platz acht, er hat nun 34 WM-Zähler Rückstand auf den spanischen Ferrari-Star. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Dennoch liegt Webber bei WM-Halbzeit weiterhin zehn Punkte vor Vettel.

Webbers Renaissance

Das Thema beginnt spannend zu werden, weniger weil das Team den Vertrag mit dem Piloten aus Queanbeyan nach dessen England-Erfolg prompt um ein weiteres Jahr verlängert hat.

Man merkt das in der Red-Bull-Medienrunde vor dem deutschen Rennen. Teamchef Christian Horner wird regelrecht ausgequetscht nach Erklärungen zu Webbers Renaissance.

Den Winter über habe Webber neue Energie getankt, berichtet Horner, "mittlerweile ist er wieder in Bestform. Seine Begeisterung für die Formel 1 ist wieder da. Es ist schön, das zu sehen."

Enormes Selbstbewusstsein

Nicht viele hätten mit der Situation umgehen können, an der Seite des jüngsten Weltmeisters der Formel-1-Geschichte zu fahren, betont der Engländer. Webber schon: "Sein Selbstbewusstsein ist enorm."

Er hält Webber für stärker als 2010, als der Australier im WM-Duell mit Vettel vor dem letzten Rennen in Führung liegend den Titel noch verlor.

Nach dem vielen Lob für den Älteren hält es Red Bulls Rennstall-Leiter offenbar für angebracht, sich schützend vor seinen jungen Champion zu stellen.

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Vettel in guter Form

"Wenn Sebastian nicht den Defekt in Valencia gehabt hätte, würde er in der Weltmeisterschaft führen", antwortet Horner SPORT1 auf die Frage, ob Vettel sich durch die neue Konkurrenz Webbers unwohl fühle. "Wir hatten Pech, aber das gleicht sich im Saisonverlauf aus", fügt er hinzu.

Vettel sei in guter Form, betont der Teamchef: "Das Auto hat ihm Anfang des Jahres nicht gepasst, mittlerweile fühlt er sich viel wohler."

Der Red-Bull-Verantwortliche erinnert an Vettels starken Auftritt beim europäischen Grand Prix in Valencia.

"Dort lag er mit über zwanzig Sekunden vorne. Wie gesagt, er fährt sehr gut, seine Motivation ist hoch." Und der Weg bis zur Zielgeraden der WM beim Saisonfinale in Brasilien sei noch sehr weit.

Vettel und Webber verstehen sich

Seinem Piloten, der in Hockenheim betonte, dass er und Webber "sich sehr respektieren und ziemlich gut miteinander auskommen", tut die Aufmunterung gewiss gut, wirklich nötig scheint er sie nicht zu haben.

"Ich habe ehrlich gesagt, keine Ahnung, wie viele Punkte man braucht oder um wie viele Punkte ich hinten liege", meinte der Titelverteidiger.

Es bleibe spannend. "Schauen wir, dass wir in der zweiten Hälfte möglichst immer ins Ziel kommen und Punkte einsammeln."

Die Konstanz zählt

Damit liegt der Lokalmatador voll auf der Linie, die Christian Horner gegenüber SPORT1 skizziert.

Red Bull werde versuchen, jedes Wochenende das Maximum herauszuholen. "Was in diesem Jahr zählt, ist die Konstanz", so Horner: "Dann kommt die WM ganz von alleine. So sehe ich das."

Er empfiehlt einen Blick auf den Punktestand: "Die beiden Fahrer, die am konstantesten sind, führen in der WM."

Horner von Alonso begeistert

Apropos WM-Führung: Horner leistet sich eine verbale Verbeugung vor dem augenblicklichen Spitzenreiter, Ferrari-Star Fernando Alonso - und das schon vor dessen Sieg in Deutschland: "Er hat jetzt 20 Rennen in Folge in den Punkten beendet. Das ist ein bemerkenswerter Rekord. Kein Wunder, dass er vorne liegt."

Der Pilot aus Oviedo ist für ihn "derjenige, den es zu schlagen gilt" - ein Satz, den der Engländer - ganz Teamchef - gewiss für jeden seiner beiden Fahrer gelten lassen wird.

Dennoch hält Horner es für "viel zu früh", Konkurrenten wie Hamilton, Rosberg oder Räikkönen abzuschreiben: "Die Punkte können sehr schnell weiterwandern."

"Show und Spektakel"

Überhaupt, die Unberechenbarkeit dieses Formel-1-Jahres: Zum einen bringt sie Horner in der Medienrunde auf SPORT1-Nachfrage ins Schwärmen.

"Die Formel 1 war nie besser in Sachen Show und Spektakel", findet er: "In diesem Jahr ist der Wettbewerb enorm, wir haben viele verschiedene Gewinner gesehen. Für die Teams ist das sehr hart, für die Fans ist es fantastisch."

Andererseits trauert er Vettels überragender Weltmeister-Saison 2011 offenbar doch ein wenig nach. "2011 war ein ungewöhnliches Jahr. Bis auf ein Rennen standen wir jedes Mal auf der Pole-Position. Wir haben zwölf von 19 Rennen gewonnen. Das passiert nicht jedes Jahr. Dieses Jahr haben wir viele Anwärter auf den Titel."

Mark Webber wird dieser Satz ganz sicher freuen.

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