Grauzonen im Reglement: Immer Ärger mit Red Bull
Von Felix Götz
München - Nach dem Deutschland-Grand-Prix wurde Sebastian Vettel von den Rennkommissaren von Platz zwei auf Rang fünf strafversetzt ( BERICHT: Glücklos in der Heimat).
Der Red-Bull-Pilot hatte bei seinem Überholmanöver gegen McLaren-Fahrer Jenson Button mit allen vier Rädern die Strecke verlassen - ein aus Sicht der meisten Experten eindeutiger Regelverstoß.
Doch die Rückversetzung war nur der vorläufig letzte Akt in einem an Differenzen reichen Verhältnis zwischen den "Bullen" und der FIA.
In Valencia hatte Vettel dem Motorsport-Weltverband beispielsweise öffentlich vorgeworfen, seine deutliche Führung durch einen unnötigen Safety-Car-Einsatz verringert und dadurch das Rennen absichtlich wieder spannend gemacht zu haben.
Neben der Safety-Car-Verschwörung geht es vor allem um technische Dinge.
Der angeblasene Diffusor aus der vergangenen Saison, das Loch im Unterboden Anfang Juni und nun in Hockenheim auch noch der Einsatz von offenbar unerlaubten Motoreneinstellungen.
"Da blickt kein Schwein mehr durch"
"Nachdem sich die Kommissare damit beschäftigt hatten, kamen sie zum Entschluss, dass das Auto den Regeln entspricht", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner (DIASHOW: Das Rennen in Bildern).
Und der 38-jährige Engländer weiter: "Es ist dasselbe wie bei vielen anderen Bereichen am Wagen. Die Kommissare konnten nichts Illegales daran erkennen. Man muss aber sagen, dass die Regeln in diesem Bereich kompliziert sind und es fällt leicht, sie verschiedenartig zu interpretieren."
Genau das scheint ein großes Problem in der Königsklasse zu sein. Im Reglement wimmelt es offenbar nur so von Grauzonen.
Oder wie Vettel es neulich ausdrückte: "Da blickt ja kein Schwein mehr durch, was gerade erlaubt ist und was nicht."
Neweys Tüfteleien nerven
Dabei ist es gerade sein Red-Bull-Team mit seinem allseits als genial gefeierten Chefdesigner Adrian Newey, das in diese Graubereiche besonders konsequent vordringt.
Die Arbeit des 53-jährigen Engländers ermöglichte neben Vettels fahrerischer Klasse in der Saison 2011 einen unglaublichen Durchmarsch des Heppenheimers.
Doch so langsam gehen Neweys ständige Tüfteleien am Rande der Legalität der Konkurrenz gehörig auf den Wecker. Immer häufiger gehen bei der FIA Beschwerden ein.
Auch, weil Red Bull die unter den Teams vereinbarte freiwillige Kostenkontrolle offenbar missachtet und große Summen für Neweys Einfälle ausgibt.
Lauschangriff auf Red Bull?
In Hockenheim sollen die "Bullen" nun also mit Motoreneinstellungen gearbeitet haben, die im mittleren Drehzahlbereich das Drehmoment künstlich verringern.
Angeblich sollen dadurch zusätzliche Auspuffgase generiert werden, weshalb sich der Abtrieb erhöht und der Bolide besser auf der Strecke liegt.
Kurios: Einige Teams sollen auf dem Hockenheimring die Red-Bull-Motorengeräusche aufgenommen und dann analysiert haben - ein Lauschangriff.
Die Löcher im Unterboden
Ob es wie bei den Löchern im Unterboden auch bei den Motoreneinstellungen zu einem Verbot kommt, ist noch offen.
Es wäre jedenfalls schon das zweite Mal in dieser Saison, dass die FIA den Ideen von Red Bull einen Riegel vorschiebt.
Vor dem Grand Prix in Kanada wurden die Löcher im Unterboden, die mehr Abtrieb generierten, für regelwidrig erklärt.
Mit dieser Technik hatte Mark Webber das Rennen in Monaco gewonnen.
Verbote ärgern Newey
Newey ist von den Verboten ohnehin längst genervt.
"Ich mag es nicht, wenn die Regularien restriktiver werden, wenn Konzepte, die wir umgesetzt haben, auf einmal verboten werden", sagte er gegenüber "CNN World Sports".
Und weiter: " Ich denke, dass dabei die Gefahr besteht, dass alle Autos gleich sind, dass die Chassis quasi wie auf einem Fließband gefertigt aussehen."
Änderung des Reglement
Die FIA kündigte nun an, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.
Bis zum Ungarn-Grand-Prix am kommenden Wochenende soll das technische Reglement überarbeitet und präzisiert werden.
Ob dieses Vorhaben in so kurzer Zeit sinnvoll in die Tat umgesetzt werden kann?