Reifenflüsterer C31 hat "den Speed zum Siegen"
Von Felix Götz
München - 80 Punkte nach elf Rennen, Rang sechs in der Teamwertung und zwei Podestplätze durch Sergio Perez: Sauber fährt die beste Saison, seit der Rennstall 1993 in die Königsklasse eingestiegen ist ( DATENCENTER: WM-Stand Teams).
Selbst die Konkurrenz ist beeindruckt.
Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko nannte den Sauber C31 bei "auto, motor und sport" das "vielleicht beste Auto im Feld".
Und McLaren-Pilot Jenson Button ergänzte: "Nicht Perez ist der Reifenflüsterer, sondern dieses Auto. Wenn ich so fahren würde wie er, dann wären bei uns die Reifen schnell kaputt."
Sauber-Boliden reifenschonend
Tatsächlich sind die Sauber-Boliden sehr reifenschonend.
Das liegt zum einen daran, dass das Auto hervorragend ausbalanciert ist und sich die Pneus deshalb gleichmäßig abnutzen.
Zum anderen verwenden die Eidgenossen ein ausgeklügeltes Auspuff-System.
Ausgeklügeltes Auspuff-System
Dabei werden die Auspuffgase zielsicher in die Spalte zwischen Bodenplatte und Hinterräder transportiert, ohne dass sich dabei die Reifen erhitzen.
"Was Red Bull mit seinen Luftschächten in den Seitenkästen macht, erreichen wir durch die Oberfläche der Verkleidung", erklärte Chefdesigner Matt Morris.
Und weiter: "Wir führen die Strömung über das Auto so, dass die Auspuffgase isoliert an ihren Bestimmungsort gelangen."
Diffusor-Verbot kein Problem
Die hohen Geschwindigkeiten, die Sauber in dieser Saison bisher erreicht, hängen auch mit dem Vorjahresauto zusammen.
2011 fuhr Sauber ohne Anblasen des Diffusors bereits im Mittelfeld mit.
Als das Verbot für den angeblasenen Diffusor durchgesetzt wurde, musste somit weniger umgestellt werden.
"Wir mussten weniger aufgeben als unsere Gegner", bestätigte Morris.
Sauber trauert Punkten nach
Dennoch oder gerade deshalb ist das Privatteam aus der Schweiz mit der bisherigen Ausbeute nicht rundum zufrieden, weil zu viele Zähler liegengelassen wurden.
"Wir haben ein sehr schnelles Auto, das auf fast allen Kursen sehr gut funktioniert. Wir haben den Speed zum Siegen", sagte Teamchef Peter Sauber dem Schweizer "Blick":
"Trotzdem war die Saison für uns bisher eine Achterbahnfahrt. Es ging resultatmäßig rauf und runter. Wir hätten sehr viel mehr Punkte einfahren können."
Vier Rennen ohne Punkt
Was der 68-Jährige genau meint: in bisher vier Rennen ging Sauber komplett leer aus.
Perez holte genau wie sein Teamkollege Kamui Kobayashi insgesamt sechs Mal keinen einzigen Zähler (DIASHOW: Die Zwischenzeugnisse).
Das liegt neben der ein oder anderen Fehlentscheidung der Mechaniker vor allem an den Fahrern selbst.
Perez zu ungestüm
Kobayashi gibt unumwunden zu, bisher nicht konstant genug seine Leistungen abzuliefern.
Und der hochgehandelte Perez agiert mit seinen 22 Jahren oft zu ungestüm und zu ungeduldig.
"Daran muss er noch arbeiten", gibt selbst sein mexikanischer Gönner und Sauber-Geldgeber Carlos Slim zu.
Probleme im Qualifying
Erstaunlich ist, dass es für Sauber trotz des vorhandenen Speeds bisher im Qualifying nicht rund läuft.
"Es schwingt weiterhin die Frage mit, was denn möglich wäre, wenn wir uns besser qualifizieren würden", sagte Sauber.
Die bisher besten Quali-Ergebnisse in diesem Jahr: Rang vier für Kobayashi in China und der fünfte Platz von Perez in Barcelona.
Daran soll sich möglichst bereits beim ersten Grand Prix nach der Sommerpause am 2. September im belgischen Spa etwas ändern ( DATENCENTER: Der Rennkalender).
"Unsere Ingenieure haben spezielle Aerodynamik-Pakete entwickelt", kündigte Sauber an: "Wir haben in dieser Saison noch einiges vor."