Dominanz dahin: Vettel kriegt Druck von oben
Von Jakob Gajdzik
München - Sebastian Vettel steht in der Bringschuld.
Vor dem Belgien-GP (1. Freies Training, Fr. ab 10 Uhr im LIVE-TICKER) bekommt der Weltmeister überraschenden Druck aus der Chefetage von Red Bull.
"Der Titel ist für uns noch absolut machbar. Aber Sebastian Vettel muss in der Quali besser werden. Da hat er nicht mehr die Dominanz so wie letztes Jahr", sagte Motorsportchef Helmut Marko der "Bild".
42 Punkte Rückstand
Die deutliche Ansage von Marko überrascht bei bereits 42 Punkten Rückstand auf Fernando Alonso keinesfalls. ( DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)
In der vergangenen Saison startete der Heppenheimer insgesamt 15 Mal von der Pole-Position, in den bisherigen elf Saisonrennen 2012 ging er erst drei Mal als Erster ins Rennen. ( DATENCENTER: Der Rennkalender)
Neben mehr Dominanz fordert Marko auch mehr Konstanz von "Seb". ( BERICHT: SPORT1-Teamcheck)
"Vettel darf nicht mehr ausfallen"
"Vettel braucht keine fünf Siege, er darf aber nicht mehr ausfallen. Alonsos Serie wird bald mal zu Ende gehen. Dann müssen wir da sein", sagte Marko.
Zum Vergleich: Alonso stand im Ferrari bisher nur zweimal auf der Pole, holte aber im Gegensatz zu Vettel in jedem Rennen Punkte.
Fakt ist: Nach dem überlegenen Vettel-Titel 2011 (122 Punkte Vorsprung vor Jenson Button) trafen die Regeländerungen der FIA den österreichischen Rennstall am Härtesten.
Regeländerungen bremsen Red Bull
Nicht nur, dass mit dem angeblasenen Diffusor einer der Red-Bull-Trümpfe der WM-Saison verboten wurde, auch die Änderungen beim Motormapping machte den "Bullen" das Leben schwer.
Auch abseits der Strecke wurde Red Bull ein ums andere Mal am Grünen Tisch attackiert.
Mal waren es Löcher im Unterboden, dann - wie in Hockenheim - wurde gemutmaßt, dass die Österreicher das Drehmoment absichtlich drosseln würden. Von den anderen Teams hagelte es oft Proteste.
Sinne für Aufholjagd geschärft
Abgehakt: Red Bull will sich nun auf die Aufholjagd auf der Strecke konzentrieren.
Vettel, der zuletzt etwas überreizt und urlaubsreif wirkte, nutzte die Pause um die Batterien wieder aufzuladen, drehte unter anderem ein Musikvideo und verbrachte ein paar freie Tage auf Capri.
"Es ist schön wieder zurück zu sein", sagte der 25-Jährige entspannt auf der Pressekonferenz vor dem GP. Er weiß, dass es jetzt darauf ankommt.
"Sie müssen jetzt punkten"
"Für Vettel, Lewis Hamilton und die anderen fällt jetzt so etwas wie eine Vorentscheidung. Sie müssen jetzt punkten", analysierte Formel-1-Legende Niki Lauda, "wenn sie in Spa und eine Woche später in Monza nicht vorne dabei sind, ist Alonso weg."
Unterstützung aus den eigenen Reihen darf Vettel bei der Jagd auf Alonso kaum erwarten - eher das Gegenteil. ( DATENCENTER: WM-Stand Teams)
Webber vor Vettel - Keine Stallorder
Teamkollege Mark Webber mischt ebenfalls kräftig im Titelrennen mit und liegt sogar zwei WM-Punkte vor Vettel.
Von Marko erfährt der Australier Unterstützung. "Bei uns dürfen beide Fahrer Weltmeister werden. Auch Webber darf den Titel holen", bestritt Marko eine mögliche Stallorder von Red Bull.
Bei Webber herrscht nach der Pause ebenfalls Vorfreude auf Spa: "Eine der klassischen Pisten, wo man fühlt, dass ein Formel-1-Auto auf die Rennstrecke gehört", beschrieb Webber die Strecke in den belgischen Ardennen.
Strecke macht Hoffnung
Auch Vettel schöpft Hoffnung aus dem Kurs. "Sie ist eine meiner Lieblingsstrecken. Es war ein sehr schönes Gefühl, als ich hier im letzten Jahr gewonnen habe", sagte der Weltranglisten-Dritte über den Kurs Spa-Francorchamps.
Die "ultra-schnellen Kurven, langsamen Schikanen und langen Vollgas-Passagen" sollten dem Red Bull entgegenkommen und zum ersehnten Sieg führen, mit dem die Aufholjagd eingeläutet werden soll.