vergrößernverkleinern
Triumvirat: Michael Schumacher, Ross Brawn (l.) und Motorsportchef Norbert Haug (r.) © getty

Mercedes rätselt vor dem Italien-Grand-Prix über seinen Formverlust. Teamchef Ross Brawn kündigt Verbesserungen an.

Von Marc Ellerich

München - Michael Schumacher warf wirklich alles in die Waagschale beim 300. Grand Prix seiner Karriere.

Von Platz 13 aus gestartet, nutzte der Mercedes-Superstar nach dem heftigen Crash in der ersten Kurve die Gunst der Stunde. In der Frühphase des Rennens schob er sich tatsächlich bis auf den zweiten Platz vor. (607536DIASHOW: Die Bilder des Rennens)

"Natürlich hofft man dann aufs Podium", räumte der siebenmalige Weltmeister anschließend ein. Um dann schnell einzuschränken: "Letztlich müssen wir realistisch sein."

Schumi: "Nicht schlecht"

Wie so oft in den Grands Prix davor hielt sein W03 im Vergleich mit der Konkurrenz nicht Stand.

Am eindrucksvollsten war das in Runde 35 zu sehen, als Lotus-Pilot Kimi Räikkönen den deutschen Vordermann in einem spektakulären Hochgeschwindigkeits-Manöver vor der Eau-Rouge-Kurve hinter sich ließ.

Den Zielstrich passierte Schumacher schließlich als Siebter, was aller Ehren wert war. "Angesichts meines Startplatzes ist ein Punkteresultat nicht schlecht", fand der Silberpfeil-Pilot. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Drei frustrierende Tage

Gemessen am Wochenende seines jüngeren Kollegen Nico Rosberg hatte der Routinier Grund genug, zufrieden zu sein. "Es war ein totales Durcheinander", stellte Rosberg nach drei frustrierenden Tagen in den Ardennen fest.

Ein vom Regen überflutetes Training, ein Getriebeschaden am Samstag samt Strafversetzung und fehlende Fahrpraxis auf dem berühmten Kurs - "da kam einfach alles zusammen", so Rosberg.

Nicht schnell genug

Am Sonntag bedeutete das den 23. Startplatz für den Wahl-Monegassen. Platz elf war insofern ähnlich respektabel wie Schumachers siebter Rang, Freude löste die Aufholjagd beim Deutschen dennoch nicht aus: "Platz elf ist fast der schlechteste Platz. Dafür gibt es nicht einmal einen Punkt."

Teamchef Ross Brawn fasste den belgischen Grand Prix in wenigen Worten zusammen, die man so oder so ähnlich bereits nach einigen Rennen vor der fünfwöchigen Sommerpause vernommen hatte.

"Leider war unser Auto nicht schnell genug", stellte Brawn klipp und klar fest.

Verlust an Konkurrenzfähigkeit

Beim deutschen Renommier-Rennstall grübeln sie bereits seit längerem, warum der Silberpfeil nach vielversprechenden Resultaten im ersten Saisondrittel seine Konkurrenzfähigkeit eingebüßt hat.

In Spa mussten sowohl Schumacher als auch Rosberg von der geplanten Ein-Stopp-Strategie abweichen, um den völligen Einbruch zu verhindern. Wieder einmal hatte der Mercedes die Pirelli-Reifen schneller verschlissen als vom Team erhofft.

"Wir haben in den letzten Rennen nicht gut ausgesehen", räumte Team-Vorsteher Brawn ein: "Und wenn ich ehrlich bin: Wir wissen immer noch nicht genau, warum es diesen Trend gibt."

Ein Problem des silbernen Renners sind nach wie vor die Reifen. Der hohe Reifenverschleiß des Boliden zieht sich durch die Saison wie ein roter Faden.

Brawn hofft auf Besserung

Und auch die Bemühungen, den Mercedes nicht nur im Qualifying gut aussehen zu lassen wie zu Saisonbeginn, sondern diese Stärke ins Rennen zu hinüberzuretten, zogen offensichtlich nicht den erwünschten Effekt nach sich - eher ist das Gegenteil der Fall.

"Zu Beginn des Jahres hatten wir eine sehr gute Qualifying-Performance, aber im Rennen hatten wir dann Mühe", analysierte Brawn bei "autosport.com" die Situation: "Als wir dann versucht haben gegenzusteuern, haben wir uns womöglich zu weit in die andere Richtung bewegt."

Aber noch hat der Engländer die Hoffnung auf Besserung nicht aufgegeben: "Für die nächsten Rennen haben wir einige Pläne. Das wird uns helfen, denke ich."

Dreifaches DRS?

Womöglich spielt Brawn damit auf das dreifache Drag-Reduction-System an, das Mercedes laut "auto, motor und sport" in Spa getestet hat.

Das DRS war zur Saison 2011 eingeführt worden. Durch Flachstellen des Heckflügels in einer dafür bestimmten Zone, wird der Abtrieb reduziert, der Bolide schneller, mithin das Überholen einfacher.

Auch im Qualifying kommt DRS zum Einsatz.

Mercedes ist sehr innovativ auf diesem Feld. Durch eine Kombination aus F-Schacht, mit dem die anströmende Luft vom Frontflügel durchs Auto auf den Heckflügel geleitet wird, und dem Flügelsystem am Heck, entstand ein Doppel-DRS.

Konkurrenz schläft nicht

Nun bringt der Rennstall offenbar die nächste Ausbaustufe, bei der es auch am unteren Heckflügel zu einem Abriss der Luftströmung kommen soll.

Über den neuen Technik-Trick gab Brawn in Spa keine genaue Auskunft: "Das bleibt Ihrer Phantasie überlassen."

Sein Schweigen ist kaum verwunderlich: Auch die Konkurrenz von Lotus, Red Bull und McLaren hat sich längst des Themas angenommen.

Zuversichtlich nach Monza

Der kommende Italien-Grand-Prix in Monza wäre eine Paradestrecke für den Einsatz des Super-DRS. Doch Mercedes lässt sich dazu nicht in die Karten blicken.

Aber auch ohne das Dreifach-DRS blickt die Silber-Crew dem italienischen Klassiker zuversichtlich entgegen. Der Grund: Auf dem Highspeed-Kurs im Königlichen Park fehlen die schnellen Kurven, die dem Silberpfeil 2012 so wenig liegen.

"Da sollte es besser für uns laufen", kündigte Rosberg mutig an und liegt damit wahrscheinlich richtig.

Aber auch diesen Satz hat man von Mercedes in diesem Jahr schon häufiger gehört.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel