Red-Bull-Geheimnis: Vettels Schlüssel zum Titel?
Von Tobias Wiltschek
München - Sebastian Vettel und seine Abbey:
Was lange Zeit nach einer unharmonischen Beziehung aussah, könnte sich in der entscheidenden Phase doch noch zur echten Lovestory entwickeln - mit dem dritten Titel als Happy End.
Nach dem Japan-Grand-Prix ( Bericht) hatte der Red-Bull-Pilot schon einmal allen Grund, seinem Auto zärtlich über die Karbonrundungen zu streicheln.
Der RB8, den Vettel zu Saisonbeginn auf den Namen Spitznamen "Abbey" getauft hatte, trug ihn zu einem überlegenen Sieg in Suzuka (DIASHOW: Die Bilder des Rennens).
Klares Zeichen an Alonso
Sein zweiter Rennerfolg hintereinander war ein klares Zeichen an den WM-Spitzenreiter Fernando Alonso, an den er bis auf vier Punkte herangerückt ist ( DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).
"Ich konnte mit jeder Runde schneller fahren und habe das Rennen immer kontrolliert", freute sich der 25-Jährige über die perfekte Perfomance seines Dienstwagens.
Der war schon in den Trainingssessions und im Qualifying vor allem in schnellen Kurven und auf langen Geraden viel schneller unterwegs als vor der Sommerpause und lieferte den Beweis, dass Red-Bull-Chefdesigner Adrian Newey mit dem jüngsten Aerodynamik-Update voll ins Schwarze getroffen hat.
Doppel-DRS sorgt für mehr Speed
Dank eines neuen Doppel-DRS haben Vettel und sein Teamkollege Mark Webber auf der Geraden fünf Kilometer pro Stunde auf die Titel-Konkurrenten gut gemacht, berichtet "auto, motor und sport".
Demnach bewirken die Piloten mit dem Drücken des DRS-Knopfes, dass die Luftströmung am oberen und unteren Heckflügelelement abreißt ( DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis).
Die Luft wird durch einen Kanal in den Endplatten nach unten geführt und tritt an den Seiten des unteren Heckflügelelements wieder aus.
Wegen des deutlich reduzierten Luftwiderstands konnte Red Bull die Flügel noch steiler stellen als üblich und damit die herausragenden Zeiten fahren.
Klarer Vorsprung auf Button
Im Qualifying war Vettel vier Zehntelsekunden schneller als der drittplatzierte Jenson Button im McLaren.
Die überlegenen Siege im Qualifying und im Rennen lassen vermuten, dass die "Bullen" mit ihrem Doppel-DRS das letzte Mosaiksteinchen auf dem Weg zur Titelverteidigung gefunden haben.
Wie das Team nach dem Japan-Grand-Prix bestätigte, war Vettel bereits bei seinem Sieg in Singapur mit der neuen Flügel-Variante unterwegs.
In Sachen Traktion und Reifenmanagement ist das Team der Konkurrenz ohnehin überlegen.
Auch das Problem mit der defekten Lichtmaschine, das Vettel in Valencia und Mnoza zur Aufgabe zwang und ihn viele Punkte gekostet hat, ist mittlerweile offensichtlich behoben.
Verpasst Ferrari den Anschluss?
Während die großen Anstrengungen in den letzten Wochen bei Red Bull Früchte trugen, hat Ferrari den Anschluss scheinbar etwas verloren ( BERICHT: Stimmen zum Japan-GP).
Die Italiener bereiten für den Saisonendspurt der letzten fünf Rennen noch ein größeres Entwicklungspaket vor. Der Einsatz eines Doppel-DRS dürfte aber unwahrscheinlich sein.
"Das entwickelst du nicht von heute auf morgen", erklärte Teamchef Stefano Domenicali und fügte hinzu: "Wir müssen ruhig weiterarbeiten und uns nur auf uns konzentrieren."
Bei der Frage, warum Ferrari die eklatanten Schwächen im Qualifying nicht abstellen konnte, meinte er achselzuckend: "Ich würde viel dafür geben, wenn ich wüsste, warum."
Hoffnung auf Alonsos Qualitäten
Sollte die Entwicklung bei Ferrari weiter stocken, bleibt der Scuderia im Titelkampf wohl wieder nur die Hoffnung auf das fahrerische Können von Alonso.
Der Spanier gibt sich vor dem WM-Finale bewusst cool: "Jetzt warten eben fünf Mini-Weltmeisterschaften auf uns."
Die erste Station wartet schon am kommenden Wochenende mit dem Südkorea-GP in Yeongam. Schon dort könnte Vettel wieder die Führung in der WM-Wertung übernehmen.
"Wollen WM von vorne gewinnen"
Die Worte von Helmut Marko lassen darauf schließen, dass genau das das große Ziel von Vettel ist. "Wir wollen die WM von vorne gewinnen", kündigte der Red-Bull-Berater selbstbewusst an.
Heißt: So spannend wie 2010, als Vettel Alonso erst auf den letzten Metern des letzten Rennens den WM-Titel entriss, wollen es die "Bullen" in diesem Jahr nicht machen.