Mercedes-Vorbild Red Bull: Silberpfeile voll im WM-Plan
Von Felix Götz
München - Auch die aktuelle Saison läuft für Mercedes mäßig. Die Kritik an den Silberpfeilen wird lauter und lauter.
Zuletzt forderte Formel-1-Experte Christian Danner bei "RTL" die Entlassung "der Leute, die dieses Auto gebaut haben" ( Bericht).
Und selbst der künftige Aufsichtsratsvorsitzende des Mercedes-Teams, Niki Lauda, sprach nach dem Japan-Grand-Prix von einer "Katastrophe".
Allerdings gibt sich Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug gelassen.
"Unter Druck entstehen Diamanten"
"Unter Druck entstehen Diamanten, er wird uns nach vorne bringen. Für mich ist Druck nicht erdrückend, sondern gut. Wir müssen und werden unseren Weg systematisch und Schritt für Schritt gehen, um den Rückstand auf die Spitze weiter zu verkürzen", sagte der 59-jährige Schwabe. ( DATENCENTER: WM-Stand Teams)
Der mächtige Funktionär wiederholt gebetsmühlenartig, dass sich der Erfolg über kurz oder lang einstellen wird. Das Vorbild heißt Red Bull: "Red Bull hat im Vergleich auch fünf Jahre gebraucht, um ihre Struktur aufzubauen."
Daran will und kann sich Mercedes messen lassen. Doch wie stehen die Silberpfeile im Vergleich mit dem amtierenden Weltmeister-Team überhaupt da?
SPORT1 nimmt die Entwicklung von Red Bull (2005 bis 2007) und Mercedes (2010 bis 2012) in ihren ersten drei Jahren in der Formel 1 unter die Lupe:( DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)
Premierenjahr Red Bull
• Fahrer: David Coulthard, Christian Klien, Vitantonio Liuzzi
• Fahrerwertung: 12. Coulthard, 15. Klien, 24. Liuzzi
• Teamwertung: Platz 7
• Bestes Rennergebnis: Zwei Mal Platz 4
• Bestes Qualifying-Ergebnis: Startplatz 4
Premierenjahr Mercedes
• Fahrer: Michael Schumacher, Nico Rosberg
• Fahrerwertung: 7. Rosberg, 9. Schumacher
• Teamwertung: Platz 4
• Bestes Rennergebnis: Drei Mal Platz 3
• Bestes Qualifying-Ergebnis: Eine Pole-Position
Fazit: Im ersten Jahr lief es für Mercedes deutlich besser als für Red Bull. Die Silberpfeile hatten in allen Kategorien die Nase vorn. Den "Bullen" bereitete derweil die Zuverlässigkeit der Boliden Schwierigkeiten. Coulthard, Klien und Liuzzi fielen acht Mal aus, Schumi und Rosberg nur vier Mal. Allerdings hatte Mercedes die bessere Ausgangsposition. Der heutige Rennstall ging aus dem Weltmeister-Team Brawn GP hervor. Red Bull entstand derweil aus dem erfolglosen Jaguar Racing Team.
Zweites Jahr Red Bull
• Fahrer: Coulthard, Klien
• Fahrerwertung: 13. Coulthard, 18. Klien
• Teamwertung: Platz 7
• Bestes Rennergebnis: Platz 3
• Bestes Qualifying-Ergebnis: Startplatz 8
Zweites Jahr Mercedes
• Fahrer: Michael Schumacher, Nico Rosberg
• Fahrerwertung: 7. Rosberg, 8. Schumacher
• Teamwertung: Platz 4
• Bestes Rennergebnis: Platz 4
• Bestes Qualifying-Ergebnis: Startplatz 3
Fazit: Für Red Bull war das zweite Jahr in der Königsklasse unter dem Strich komplizierter als die Premierensaison. Immerhin sprang der erste Podestplatz heraus. Aber auch Mercedes entwickelte sich kaum weiter.
Drittes Jahr Red Bull
• Fahrer: Coulthard, Mark Webber
• Fahrerwertung: 10. Coulthard, 12. Webber
• Teamwertung: Platz 5
• Bestes Rennergebnis: Platz 3
• Bestes Qualifying-Ergebnis: Zwei Mal Startplatz 5
Drittes Jahr Mercedes (Stand: 10.10.2012)
• Fahrer: Michael Schumacher, Nico Rosberg
• Fahrerwertung: 7. Rosberg, 13. Schumacher
• Teamwertung: Platz 5
• Bestes Rennergebnis: Platz 1
• Bestes Qualifying-Ergebnis: Startplatz 1
Fazit: Red Bull machte im dritten Jahr einen relativ großen Sprung und verbesserte sich in Fahrer- und Teamwertung. Bei Mercedes verschlechterte sich zwar Rekord-Weltmeister Schumacher, Rosberg ist im Vergleich zum Vorjahr halbwegs konstant. Ihm gelang zudem in China der erste Grand-Prix-Sieg für den schwäbischen Rennstall.
Schritt zurück im vierten Jahr
Insgesamt wird deutlich, dass Mercedes in seiner Entwicklung im Vergleich zu Red Bull nicht wirklich hinterherhinkt.
Der österreichische Rennstall machte in seinem vierten Jahr in der Formel 1 sogar noch einmal einen Schritt zurück.
Es gelang nur eine Podestplatzierung durch Coulthard. In der Fahrerwertung sprangen nur die Ränge elf und 16 heraus, in der Teamwertung rutschten die "Bullen" sogar um zwei Plätze zurück.
Vettel wird Weltmeister
Erst im fünften Jahr stellten sich mit der Verpflichtung von Sebastian Vettel die Erfolge ein.
Vettel gewann vier Mal und wurde Vize-Weltmeister, Webber schnappte sich zwei Siege.
Den ersten Titel gab es dann im sechsten Jahr. Vettel setzte sich 2010 die WM-Krone auf.
Haugs Optimismus ist also nicht ganz aus der Luft gegriffen.