"Rückschritt": Schumi redet Klartext
Tobias Wiltschek
München - Wie groß die Probleme bei Mercedes derzeit sein müssen, zeigt die Aussage von Michael Schumacher nach dem Großen Preis von Südkorea ( Nachbericht).
"Es gibt Rennen, in denen einfach nichts zusammen passt. Dies war eines dieser Rennen", gab der 43-Jährige frustriert zu Protokoll.
Und er nahm ein Wort in den Mund, das man von ihm wohl noch nie gehört hat: "Leistungsrückschritt".
Nachdem er mit Platz 13 so weit hinten wie noch nie in dieser Saison ins Ziel gefahren war, herrschte selbst beim Berufsoptimisten Schumacher pure Ernüchterung.
Kein Grund zur Zuversicht
Was soll der Rekord-Weltmeister auch Zuversicht verbreiten, wenn er mittlerweile sogar den Mittelklasse-Teams wie Toro Rosso und Force India den Vortritt lassen muss ( DATENCENTER: Renn-Ergebnis)?
Wie schon so oft in dieser Saison hatte Mercedes vorm allem mit Reifenproblemen zu kämpfen.
Erst die Reifen, dann das Getriebe
"Wir haben es nicht geschafft, die Reifen über die Distanz zum Funktionieren zu bringen, daher diese Schwankungen", erklärte Schumi, der sich gegen Ende des Rennens auch noch mit Getriebeproblemen auseinandersetzen musste.
Für den kommenden Grand Prix in Indien in knapp zwei Wochen bleibt ihm nur die Hoffnung, "dass wir in den nächsten Saisonrennen wieder attackieren können."
Das würde auch sein Teamkollege Nico Rosberg gerne mal wieder tun.
Doch wie schon in Suzuka, als ihm Bruno Senna ins Heck gefahren war, kam der Wiesbadener nicht über die ersten Meter hinaus. In Yeongam beendete Sauber-Pilot Kaumi Kobayashi sein Rennen (DIASHOW: Bilder des Rennens).
Rosberg sieht kleine Verbesserungen
Ob ihm ein besseres Ergebnis gelungen wäre als Schumi, mochte er zwar nicht beurteilen. Zumindest aber hat er kleine Verbesserungen an seinem Dienstwagen erkannt:
"Das Auto war in Ordnung. Wir haben in Japan einen kleinen Fortschritt gemacht und auch hierher neue Teile mitgebracht."
Markante Verbesserungen haben die Silberpfeile aber schon seit Monaten nicht verzeichnen können.
Nach der Einführung des Doppel-DRS, das im Frühjahr noch für vordere Plätze im Qualifying gesorgt hatte, ist der erhoffte Schub nach vorn durch die Updates ausgebblieben.
"Näher an McLaren"
Dennoch will Rosberg erkannt haben, dass Mercedes "etwas näher an McLaren herangekommen" sei ( DATENCENTER: WM-Stand Teams).
In Südkorea haben die Stuttgarter tatsächlich nur einen Punkt weniger gesammelt als die Truppe aus dem englischen Woking.
Das liegt aber einzig und allein daran, dass auch McLaren derzeit in einer schweren Krise steckt und beim jüngsten Grand Prix gerade mal einen Zähler durch Lewis Hamilton gesammelt hat.
Pechsträhne bei Hamilton
Der Brite - in der kommenden Saison Nachfolger von Schumacher im Silberpfeil - wurde in den vergangenen drei Rennen von diversen Problemen gestoppt und kam dabei nicht einmal aufs Podium.
In Singapur schied er wegen eines Getriebeschadens aus, in Suzuka haderte er mit einem schwachen Qualifying und in Yeongam behinderte ihn ein defekter Stabilisator an der Hinterachse.
Auch die Ergebniskurve bei Button zeigt bei den Asienrennen nach unten - mit dem Tiefpunkt in Südkorea.
Dort wurde er - wie Rosberg - das Opfer des von Kobayashi ausgelösten Startunfalls.
Mercedes muss Platz fünf verteidigen
Dennoch beträgt der Vorsprung von Chrom auf Silber vor den letzten vier Rennen 148 Punkte.
Als Fünfter der Konstrukteurs-Wertung braucht sich Mercedes schon lange nicht mehr mit den Top-Teams zu messen.
Die Verteidigung dieser Position gegen Sauber und Force India wird schwer genug.