Mercedes sucht den Mix - Sauber sitzt Silber im Nacken
Von Hardy Heuer
München - Mercedes steckt in der Zwickmühle:
Der deutsche Rennstall will in den verbleibenden vier Rennen seinen fünften Platz in der Konstrukteurs-Wertung verteidigen muss aber auch die Entwicklung des neuen Autos für die nächste Saison vorantreiben.
"Wir wollen nicht den Rest der Saison opfern, während wir bereits für das nächste Jahr arbeiten", erklärte Teamchef Ross Brawn bei "Autosport".
Doch genau dieser Zwiespalt könnte zum großen Problem werden.
Brawn um Lösung bemüht
"Wir müssen ein Zwischending finden", betonte Brawn und ist bemüht, eine Lösung zu finden.
"Unser Chassis-Team entwirft das Auto für das nächste Jahr. In Südkorea konnte man am Freitagmorgen aerodynamische Veränderungen am Heckflügel sehen, die für das nächste Jahr geplant sind", erklärte Brawn: "Es gibt also einen Mix."
Dieser Mix führte bisher nicht zum Erfolg.
Seit drei Rennen holte das Mercedes-Duo Michael Schumacher und Nico Rosberg keine Punkte mehr.
Auto ist zu langsam
Ihr Auto ist nicht annähernd konkurrenzfähig. Unter dem Strich stehen in dieser Saison ein Sieg von Rosberg in China und dessen zweiter Platz in Monaco.
Schumacher hat lediglich einen dritten Platz in Valencia vorzuweisen.
Für die Ansprüche und großen Ambitionen von Mercedes ist das zu viel zu wenig. Der Rückstand von 119 Punkten auf den Vierten Lotus spricht für sich.
Wunsch nach Besserung
"Am Ende ist es nicht gelungen, das wissen wir", bestätigte Schumacher den Zustand des zu langsamen Autos, wünscht sich aber "nach zwei weniger zufriedenstellenden Rennen natürlich einen positiveren Trend und ich kann sagen, dass alle im Team hier sehr viel Einsatz gezeigt haben. Wir werden sehen, was wir diesmal herausholen können."
Rosberg hofft, "dass ich am nächsten Wochenende etwas mehr Glück habe und die Chance erhalte, ein gutes Resultat zu erzielen."
Ein solches ist auch bitter nötig, den Mercedes spürt den Atem vom ärgsten Verfolger Sauber.
Sauber im Nacken
Der Schweizer Rennstall hat nur noch 20 Zähler Rückstand auf das krisengebeutelte deutsche Team, für das ein sechster Platz in der Endabrechnung einer Blamage gleichkäme.
In Indien soll der nächste Angriff folgen, nachdem es in Südkorea auch für Sauber mit der Nullnummer nicht so gut lief. ( DATENCENTER: WM-Stand Teams)
"Es gibt Ähnlichkeiten mit dem Kurs in Korea. Das mag daran liegen, dass beide zur ungefähr selben Zeit vom selben Designer entworfen wurden", analysierte Sauber-Pilot Kamui Kobayashi. Aber: "Wir sollten Punkte holen können."
Brawn hat Hoffnung
In diesem Fall müsste auch Mercedes etwas mitnehmen, sonst wird es wirklich eng.
"Ich glaube, dass die anstehenden Strecken unserem Auto mehr liegen als die vergangenen", sagte Brawn "Autosport".
Auch wenn Mercedes nicht so gut abschneiden sollte, sieht Sauber-Pilot Sergio Perez eine fast unmögliche Aufholjagd.
"Jetzt noch 20 Punkte Rückstand aufzuholen, um Fünfter in der Teamwertung zu werden, ist eine gewaltige Aufgabe", erklärte der Mexikaner.
Kaltenborn will den fünften Platz
Teamchefin Monisha Kaltenborn sieht das Ganze vor ihrem Heim-Grand-Prix etwas anders.
"Wir haben nach wie vor das ehrgeizige Ziel, um Platz fünf in der WM der Konstrukteure zu kämpfen", gab sie als Ziel aus:
"Dabei habe ich sowohl in unsere Mannschaft in Hinwil als auch in die Crew an der Rennstrecke und in unsere beiden Fahrer größtes Vertrauen."
Auch der leitende Ingenieur an der Rennstrecke, Giampaolo Dall'Ara, baut Druck auf Mercedes auf: "Wir sind zuversichtlich, dass unser Auto in Indien wettbewerbsfähig ist."
Kein Strategie-Wechsel
Mercedes ist also gewarnt, wird von seiner Strategie aber nicht abweichen.
"Es gibt einige Dinge, die wir mit dem Auto in den letzten vier Rennen ausprobieren wollen, speziell für das nächste Jahr", erklärte Brawn:
"Aber wir wollen den Rest der Saison dennoch eine respektable Leistung bringen."