Ferraris Getriebe-List ist dreister Egoismus, über die aber kein Konkurrent zu klagen braucht. Denn es geht um nichts anderes.

Sie sind ehrlich bei Ferrari, das muss man ihnen lassen.

Ja, sie haben das Siegel an Felipe Massas Getriebe absichtlich gebrochen. Ja, sie haben es getan, um Fernando Alonso nach vorn zu rücken und auf die saubere Seite zu lassen, ihm also den Start zu erleichtern.

Und ja, das Schicksal derer, die durch kreative Regelauslegung Nachteile davontrugen, war ihnen, nun ja? wurscht.

Profiteur Alonso ist mit anderen Gedanken beschäftigt. Er ist "sehr stolz auf die Entscheidung".

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Dieses Wohlgefühl sei ihm gegönnt, an der Diskussionswürdigkeit der ganzen Sache ändert sich aber weder dadurch etwas, dass es keine Regel gibt, die sie verbietet, noch durch Ferraris Ehrlichkeit.

Wer von seinem Bankberater eine nutzlose Geldanlage aufgeschwatzt bekommt, freut sich ja auch nicht, wenn der am nächsten Tag anruft und freundlich ausführt, dass er dabei gegen keinen Paragraphen des BGB verstoßen hat.

Das Bezeichnende an "Siegel-Gate" ist allerdings, dass die Konkurrenz gar nicht den Eindruck vermittelt, dass sie sich geprellt fühlt.

Die einen beißen sich auf die Zunge, die anderen sprechen den Ferrari-Oberen die Selbstabsolution, dass sie sich innerhalb der Regeln bewegt haben, einfach nach.

Das hat den offensichtlichen Grund, dass innerhalb der Formel 1 und ihrer speziellen Kultur keiner mit dem Finger auf andere zeigen braucht.

Die Suche nach Löchern im Regelwerk, durch die man zu seinem eigenen Besten schlüpfen kann, ist Alltag, man blicke auf das ewige Hase-und-Igel-Spiel zwischen den Regelhütern und Sebastian Vettels Autodesigner Adrian Newey.

Der Siegel-Trick des roten Rivalen ist in seiner Plumpheit zwar offensichtlicher, gründet aber auf demselben Prinzip.

Alle Mittel ausschöpfen für den eigenen Vorteil im Wettbewerb um Geld und Trophäen, so läuft das Geschäft Formel 1.

Und man kann es sogar gut, weil konsequent finden, weil dort kein moralinsaures Gerede von Sportsgeist und Fairplay den Blick auf den Kern der Sache trübt.

Man muss es aber nicht.

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