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Fernando Alonso begann seine Formel-1-Karriere 2001 bei Minardi © getty

Die Scuderia sieht in den schwierigen Bedingungen in Interlagos eine Chance. Im Zweifelsfall soll Alonso volles Risiko gehen.

Von Felix Götz

München - Abenteuerliche Wetterverhältnisse, eine mit Bodenwellen gespickte Strecke und schlechte Zustände in der Boxenanlage:

Der Große Preis von Brasilien auf dem Autodromo Jose Carlos Pace fordert fast schon traditionell viele Ausfall-Opfer und gehört somit zu den chaotischsten Rennen des Formel-1-Kalenders.

Genau darin sieht Ferrari die Chance, den 13-Punkte-Rückstand von Fernando Alonso auf den WM-Führenden Sebastian Vettel doch noch wettzumachen. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

"Dieses Rennen kann völlig unvorhersehbar sein. Wir müssen perfekt arbeiten, damit wir die Chance nutzen können, falls irgendetwas passiert", sagte Scuderia-Teamchef Stefano Domenicali.

70 Prozent Regenwahrscheinlichkeit

Die Chancen auf ein chaotisches Saisonfinale zwischen den Seen, wie Interlagos übersetzt heißt, stehen nicht schlecht. Die Meteorologen sagen für Sonntag wie so oft eine Regenwahrscheinlichkeit von 70 Prozent voraus.

Alleine bei sechs der letzten zehn Rennen in Brasilien musste das Safety-Car ausrücken.

Und auch die Red-Bull-Probleme mit der Lichtmaschine machen Domenicali Hoffnung: "Wir haben gesehen, dass Mark Webber ein Zuverlässigkeitsproblem hatte - das kann immer wieder passieren." (BERICHT: Vettels fünf Schlüssel zum Titel)

Belastung für Fahrer enorm

Für die Piloten ist der einzige Grand Prix im Königsklassen-Kalender in Südamerika aber auch ohne besondere Vorkommnisse eine immense Herausforderung.

Die Luftfeuchtigkeit ist enorm. Zudem wird gegen den Uhrzeigersinn gefahren, was selbst durchtrainierten Nacken Schmerzen bereitet.

Deshalb ist es besonders wichtig, sich physiologisch wie psychologisch bestens vorzubereiten. (BERICHT: Ferrari vor dem letzten Gefecht)

Ferrari setzt auf Massa

"Fernando denkt nur noch an den Sonntag und bereitet sich mental vor. Wir unterstützen ihn dabei", erklärte Domenicali.

Auch Alonsos sich seit Wochen in aufsteigender Form befindender Teamkollege Felipe Massa hat seine volle Unterstützung zugesagt.

"Es ist schön, dass Felipe so gut in Form ist. Das kann den Unterschied ausmachen, denn er kann Fernando dabei helfen, bis zum Schluss um die Weltmeisterschaft zu kämpfen", so Domenicali.

Perfekte Abstimmung nötig

In erster Linie wird es für den italienischen Rennstall aber natürlich wichtig sein, dass die Autos einwandfrei funktionieren.

Gerade die wellige Piste erfordert eine perfekte Abstimmung.

Dass die Strecke in mäßigem Zustand ist, dafür kann man den Veranstaltern übrigens nicht einmal einen großen Vorwurf machen.

Der Autodromo Jose Carlos Pace wird regelmäßig neu asphaltiert. Aber der Boden unter der Strecke gibt so sehr nach, dass in diesem Gebiet keine Häuser mehr erbaut werden dürfen.

Keine größeren Updates

Ferrari will bereits spätestens am Samstag perfekt auf die äußeren Umstände vorbereitet sein. Schließlich kann sich Alonso ein ähnlich schlechtes Qualifying wie in Austin mit Platz neun nicht noch einmal leisten.

Größere Updates wird es dennoch nicht geben. "Da wird nichts Wesentliches passieren", erklärte Domenicali: "Wir brauchen ein reibungsloses Wochenende. Das wird der Schlüssel zum Erfolg sein."

Der 47-jährige Italiener ist übrigens selbst überrascht, dass es für die Scuderia noch immer um den Titel geht: "Daran hätten wir am Samstagabend in Austin nicht gedacht."

Deshalb kündigte er an, im Zweifelsfall volles Risiko zu gehen. Schließlich habe man "nichts zu verlieren".

Unsichere Lage

Fans, Fahrer und Teams dürfen sich also auf ein zwar anstrengendes, aber spannendes Rennen freuen. Auf das Drumherum könnte der Formel-1-Zirkus aber gerne verzichten.

Immer wieder wurden in der Vergangenheit Teammitglieder auf offener Straße ausgeraubt.

Ralf Schumacher drückte die unsichere Lage einmal drastisch aus: "Nur wer seine Frau loswerden will, nimmt sie mit nach Brasilien."

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