Die Ära Norbert Haug ist beendet. Drei erfolglose Jahre werden dem Macher zum Verhängnis. Mercedes braucht unbedingt den Erfolg.

Norbert Haug darf man auch im lauten Nachhall seines überraschenden Weggangs getrost als "Mr Mercedes" bezeichnen.

Haug und die berühmte deutsche Sternenmarke, das erschien immer als etwas Unzertrennliches, zumindest in der Formel 1 gab es keines ohne das andere: Kein Haug ohne Mercedes, umgekehrt galt dasselbe.

22 Jahre lang war das so.

Und so ist es wenig erstaunlich, dass der schwäbische Rennleiter das Motto seines Karriereendes bei der Renommiermarke quasi als letzte Amtshandlung selbst bestimmt hat.

Seit der Übernahme des Weltmeister-Teams Brawn GP und der Gründung des Mercedes-Rennstalls 2010 "konnten unsere eigenen Erwartungen mit einem Sieg 2012 nicht erreicht" werden, sagte Haug.

Das dürfte wohl die Begründung sein, weshalb der mächtige Motorsport-Funktionär nach einvernehmlichem Gespräch mit dem Daimler-Vorstand geht, wie er selbst behauptet, oder gegangen wurde, wie es andere vermuten.

Wie dem auch sei, Haug muss sich anlasten lassen, dass das ambitionierte Silberpfeil-Projekt, dass durch die Rückkehr von Superstar Michael Schumacher äußerst spektakulär begann, innerhalb von drei Jahren nur äußerst spärliche Blüten trieb.

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Außer einigen Podiumsplatzierungen und eben dem einen Sieg, den Nico Rosberg 2012 in Schanghai einfuhr, hatte Haug, und übrigens auch das einstige englische Superhirn, Teamchef Ross Brawn, wenige Argumente zu bieten.

In Zeiten, in denen trotz grandioser Gewinne in den vergangenen Jahren sich für die Autoindustrie immer wieder die Zukunftsfrage stellt und stellen wird, warf das vom Mutterkonzern hochsubventionierte Formel-1-Projekt viel zu wenig ab.

Auch Michael Schumachers Entschluss, sich nicht noch ein weiteres Jahr an die Marke mit dem Stern binden zu wollen, ist durchaus in diesem Kontext zu sehen.

Die Erfolge der Vergangenheit, unter Haug wurden über 400 Rennen und 56 Titel gewonnen, sechs davon in der Formel 1, wogen offenbar nicht mehr schwer genug, um in der Phase des Umbaus auf den schwäbischen Macher zu vertrauen.

Und Haug hinterließ zunehmend den Eindruck, als fiele ihm außer öffentlichen Durchhalte-Parolen nichts Wesentliches ein, um die Kehrtwende zu erzwingen.

Warum mit Haug nicht auch der ebenfalls nur mäßig erfolgreiche Ross Brawn seinen Hut nehmen muss, diese Frage stellt sich. Womöglich traut der Konzern dem Engländer zu, in der kommenden Saison eine besondere Verbindung zu seinem Landsmann Lewis Hamilton aufzubauen.

Festzuhalten bleiben die Fehlentscheidungen, die Brawn in Sachen Technik und auch Personal getroffen hat.

Verantworten musste die vielen Fehler einzig Norbert Haug. Das hat er in seiner Abschiedsrede offen eingeräumt. In dieser nahezu grenzenlosen Loyalität gegenüber seinem Arbeitgeber erblickt mancher eine große Schwäche des Motorsportchefs.

Das Signal, das Mercedes mit der Trennung von Norbert Haug aussendet, lautet: Wir machen ernst, es brechen neue Zeiten an, der Erfolg muss endlich her.

Oder wie es Mr Mercedes selbst formuliert hat: "Es mussten Weichen gestellt, Zeichen gesetzt werden."

Und eines darf als gesichert gelten: Sollte der freiwillige oder erzwungene Abgang Haugs seine Wirkung verfehlen, dürfte der nächste Schritt der großen Marke noch deutlich radikaler ausfallen.