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Arbeiten nicht mehr zusammen für Mercedes: Norbert Haug (l.) und Niki Lauda © getty

Der neue starke Mann bei Mercedes bedauert bei SPORT1 Haugs Abschied und bezeichnet Meldungen über Machtkämpfe als "falsch".

Von Tobias Wiltschek

München - Ende September machten die Silberpfeile Nägel mit Köpfen.

Für den scheidenden Michael Schumacher holte Mercedes Superstar Lewis Hamilton von McLaren zur neuen Saison. Gleichzeitig verkündete das Formel-1-Team die Verpflichtung von Niki Lauda als neuen Aufsichtsratschef.

Diesen Schritt sahen schon damals einige Experten als Herabstufung von Motorsportchef Norbert Haug.

Jetzt, nach dessen überraschenden Rückzug nach 22 Jahren, erhalten diese Vermutungen neue Nahrung (BERICHT: Haug verlässt Mercedes).

"Alle Interpretationen sind falsch"

Bei SPORT1 wehrt sich Lauda indes vehement gegen die Behauptung, er sei der Grund für Haugs Abschied.

"Ich habe mit dieser Entscheidung überhaupt nichts zu tun", sagte der dreimalige Weltmeister. "Alles, was da hinein interpretiert wird, ist absolut falsch."

Ihn habe es überrascht, als Haug am Ende der Vorstandssitzung am Donnerstag seinen Rücktritt erklärte.

Lauda sucht Kontakt zu Haug

"Mir persönlich tut es wahnsinnig leid, weil ich mit ihm gut zusammengearbeitet habe. Ich hätte auch in Zukunft gut mit ihm zusammengearbeitet", versicherte der Österreicher bei SPORT1.

"Ich konnte nach dem Meeting nicht mit Norbert sprechen. Das heißt, ich muss erst einmal mit ihm Kontakt aufnehmen und herausfinden, was seine Entscheidung beeinflusst hat."

[kaltura id="0_f3oh8qwc" class="full_size" title="VIDEO Haug verabschiedet sich"]

Dementsprechend schwer fiel Lauda die Antwort auf die Auswirkungen, die der Rücktritt des langjährigen Motorsportchefs auf die Zukunft des Formel-1-Teams haben werde.

"Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich überhaupt nichts sagen. Jetzt müssen wir schauen, wie es weitergeht", erklärte er. "Norbert hat dort die volle Verantwortung getragen."

400 Siege mit Mercedes

Und das seit 1990. Sein Abschied hinterlässt in der Tat eine große Lücke. Bei 986 Rennen in verschiedenen Klassen leitete der frühere Motorsport-Journalist Haug die Geschicke bei Mercedes.

400 Mal konnte ein Auto mit dem Stern gewinnen, 56 Titel errang Mercedes unter Haug - darunter sechs in der Formel 1 und 32 in der DTM.

Seit sich die Stuttgarter aber vor drei Jahren an der Königsklasse wieder als Konstrukteur beteiligen, blieb der Erfolg aus.

Nico Rosberg gewann in diesem Jahr in Schanghai den bislang einzigen Grand Prix für die mit hohen Erwartungen gestartete "deutsche Nationalmannschaft der Formel 1", wie Mercedes-Vorstandschef Dieter Zetsche das Projekt einst nannte.

Nur die Hälfte ist deutsch

Doch deutsch ist bei dem Rennstall seit dem Kauf von Brawn GP 2010 nur die eine Hälfte, die andere ist britisch. Denn die Fabrik steht im englischen Brackley, Teamchef Ross Brawn ist ebenfalls Brite.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vermutet, dass auch diese Konstellation zum Rücktritt von Haug geführt haben könnte.

Die Teamleitung sei trotz ständig wiederholter Versprechungen nicht in der Lage gewesen, den Mercedes in die Erfolgsspur zu bringen. Genauso wenig habe Haug die Möglichkeit gehabt, Einfluss auf die Arbeit in England zu nehmen.

"Viele Gedanken an Soziales"

Bei seinem 60. Geburtstag am 24. November ließ Haug bereits erahnen, dass er sich auch ein Leben außerhalb des Motorsports vorstellen könnte.

"Ich habe sehr viele Gedanken an Soziales, an Gerechtigkeit und daran, wie die Welt mit ihren Bewohnern tickt", sagte er vor ein paar Wochen.

Bei seinem Abschied erklärte er, die Weichen für den Erfolg seien gestellt. Wer den begonnenen Weg weiter gehen wird, ist derzeit noch nicht absehbar.

Schumi und Lauda wohl nicht bereit

Die Spekulationen um einen Nachfolger haben allerdings begonnen. Jedoch ist der Markt für erfahrene Motorsportchefs weitestgehend ausgeschöpft. Deshalb gilt auch eine interne Lösung als nicht unwahrscheinlich - ebenso wie eine Doppellösung.

Schumacher, der nach seinem Karriereende weiter an die Silberpfeile gebunden werden soll, und Lauda stehen für den Posten aber wohl nicht zur Verfügung.

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