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Schumacher (r.) konnte unter Haug in drei Jahren keinen GP-Sieg einfahren © getty

Die Silberpfeile stehen nach Haugs Abschied noch ohne Motorsportchef da. Die Zeit drängt, erste Namen werden gehandelt.

Von Tobias Wiltschek

München - Noch verbreitet Mercedes nicht den Eindruck, als ob man in Hektik verfallen sei.

"Wir werden zu gegebener Zeit über alles informieren", sagte ein Unternehmenssprecher der Nachrichtenagentur "dpa".

Dennoch dürfte hinter den Kulissen die Suche nach einem Nachfolger für Norbert Haug auf Hochtouren laufen.

In der vergangenen Woche hatten die Silberpfeile und der Motorsportchef ihre Trennung bekanntgegeben. Niki Lauda gab sich anschließend völlig überrascht (BERICHT: Lauda wehrt sich).

Lauda: Haug-Abschied ein "Schock"

Der neue Aufsichtsratschef sprach bei "Sky Sport News" jedenfalls von einem "Schock", nach dem man noch nicht wisse, "wie das Problem gelöst wird".

Von diesem Schock sollten sich die Silberpfeile schnell erholen. Denn die Zeit drängt.

Schon Anfang Februar stehen die ersten Tests für die kommende Saison an. Bis dahin muss der neue Mercedes-Motorsportchef bereits eingearbeitet sein.

Während es aus Stuttgart noch keine Informationen über Nachfolgeregelung gibt, werden die ersten Namen schon gehandelt.

Horner bleibt bei Red Bull

Wie die "Bild" erfahren haben will, stand Christian Horner auf der Liste ganz oben. Die Antwort von Red Bull kam aber prompt. "Horner hat seinen Vertrag mit uns um mehrere Jahre verlängert. Da kommt Mercedes leider zu spät", sagte "Bullen"-Boss Helmut Marko.

[kaltura id="0_f3oh8qwc" class="full_size" title="Haug verabschiedet sich"]

Spekuliert wird auch über Michael Schumacher. Der Rekord-Weltmeister hat nach dem Ende seiner Fahrerkarriere Ende November erklärt, er könne sich auch ohne Cockpit eine Zukunft bei Mercedes vorstellen - wenn auch nicht als Teamchef.

Und als Motorsportchef? Diese Frage stellte sich gar nicht, solange Haug diesen Posten bekleidete.

Nach dessen Abschied wäre Schumacher zumindest eine denkbare Option.

Engerer Kontakt zu Brawn

Fest steht, dass Schumi zu Teamchef Ross Brawn einen engeren Kontakt pflegt als Haug und daher womöglich auch mehr Einfluss auf die Arbeit in der Fabrik nehmen könnte (BERICHT: Stuck attackiert Brawn).

Der Brite Brawn war an allen sieben WM-Titeln des Kerpeners beteiligt und gilt als Schumis enger Vertrauter.

Womöglich lässt sich Brawn als Chef der Mercedes-Fabrik in England von Schumacher ja auch mehr sagen als von Haug.

Mangelnde Kommunikation

Die mangelnde Kommunikation zwischen Brackley und Stuttgart ist zuletzt immer häufiger als eine der Hauptursachen für das schwache Abschneiden von Mercedes in den drei Jahren seit dem Formel-1-Comeback 2010 genannt worden.

Die könnte Schumacher sicherlich verbessern.

Allerdings bedürfte es wohl größerer Überredungskünste, ihn von einer solch bedeutenden Aufgabe zu überzeugen.

Denn erst kürzlich hatte Schumi noch erklärt, er freue sich, "nicht mehr ständig über die Formel 1 nachdenken zu müssen."

Berger ein Kandidat

Das Fachblatt "Speedweek" bringt indes einen weiteren ehemaligen Piloten ins Gespräch: Gerhard Berger.

Der Österreicher vollbrachte mit BMW ein ähnliches Kunststück, wie es Haug mit Mercedes gelang. Er führte die Münchner Ende der 1990er Jahre in die Formel 1 zurück.

Außerdem gewann er als Teameigner von Toro Rosso mit dem Sieg von Sebastian Vettel auch einen Grand Prix ? genauso viele wie Mercedes bislang.

Ob Berger sich aber noch einmal so einen fordernden Vollzeitjob antut, ist aber zu bezweifeln.

Hamilton schon bei Mercedes

Im Gegensatz zur Funktionärsebene ist die Besetzung der Cockpits für 2013 schon länger in trockenen Tüchern.

Der von McLaren abgeworbene Lewis Hamilton stattete Mercedes bereits seinen ersten Besuch ab und lernte dabei seinen Ingenieure kennen. Wie die englische "Sun" berichtet, fuhr der Brite mit seinem zukünftigen Auto auch schon im Simulator.

Auf den neuen Motorsportchef muss der Weltmeister von 2008 noch ein wenig warten.

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