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Norbert Haug war seit 1990 das Gesicht von Mercedes im Motorsport © imago

Der scheidende Motorsportchef übernimmt nach der Trennung von Mercedes die volle Verantwortung für die schwache Silber-Bilanz.

Von Tobias Wiltschek

München - Knapp eine Woche nach der überraschenden Trennung von Mercedes hat sich Norbert Haug erstmals ausführlich über die Gründe seines Abschieds geäußert.

"Ich übernehme die volle Verantwortung dafür, dass wir in den vergangenen drei Jahren nicht genügend Erfolg hatten", sagte der scheidende Motorsportchef der Silberpfeile bei "Autosport".

Die Entscheidung sei nach dem letzten Rennen des Jahres gefallen. "Wir haben uns in Stuttgart getroffen und sind gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, uns zu trennen", erklärte Haug, der die Marke mit dem Stern seit 22 Jahren im Motorsport entscheidend mitprägte.

Lauda außen vor?

Offenbar war diese Entscheidung aber nicht mit dem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden des Formel-1-Teams, Niki Lauda, abgesprochen (BERICHT: Mercedes sucht den Haug-Erben).

Der dreimalige Weltmeister aus Österreich hatte nach Haugs Abschied bei SPORT1 betont, dass er von diesem Schritt sehr überrascht gewesen sei (BERICHT: Lauda wehrt sich).

Für Haug war es aber wohl die logische Konsequenz aus der anhaltenden Krise der Silberpfeile.

Wohl kein Nachfolger für Haug

Der Posten des Motorsportchefs in der Formel 1 wird anscheinend nicht nachbesetzt. Dies will das Fachmagazin "auto, motor und sport" aus Mercedes-Kreisen erfahren haben.

Mit Lauda und Ross Brawn gebe es bereits genug Häuptlinge. Demnach bleibe Brawn Teamchef, und Lauda schaue ihm auf die Finger (BERICHT: Stuck attackiert Brawn).

Diese beiden Verantwortlichen sollen Mercedes nun den Erfolg bescheren, den Haug nicht erreichen konnte.

Nur ein Sieg in drei Jahren

Seit der Formel-1-Rückkehr als Konstrukteur 2010 reichte es lediglich zu einem Sieg durch Nico Rosberg in Schanghai in diesem Jahr. Teamkollege Michael Schumacher fuhr nach seinem Comeback nur ein einziges Mal aufs Podium. In dieser Saison wurde er in Valencia Dritter.

"Auch wenn ich das Auto selbst nicht baue, bin ich dafür verantwortlich", lud der 60-Jährige die Schuld für das unbefriedigende Abschneiden der Silberpfeile auf sich.

"Wenn ich für den Sieg in China verantwortlich war, dann bin ich auch für alles andere verantwortlich", so Haug.

Absturz nach Schanghai-Sieg

Nach einem guten ersten Saisondrittel sei man immer weiter zurückgefallen, was auch mit dem Sparkurs in der Formel 1 und im Team zu tun gehabt habe.

[kaltura id="0_f3oh8qwc" class="full_size" title="Haugs Abschied im Video"]

"Wir haben ein wenig unter dem Ressourcen-Restriktions-Abkommen und der relativ geringen Anzahl an Mitarbeitern gelitten", erklärte der gelernte Journalist, wollte dies aber nicht als Entschuldigung gelten lassen: "Meine Arbeit war nicht gut genug."

Haug wird dem Team in den nächsten Wochen noch mit Rat und Tat zur Seite stehen. "Ich werde im ersten Quartal des neuen Jahres noch involviert sein, danach bin ich ein Free Agent", erklärte er.

Haug will Freizeit genießen

Was er danach beruflich machen werde, wisse er noch nicht. Jetzt wolle er erst einmal seine Freizeit genießen.

"Ich freue mich auf das Skifahren", sagte der Schwabe. "Meine Freunde riefen mich an und meinten, es sei großartig, dass ich jetzt Zeit habe. In diesem Jahr war ich zwischen Februar und dem letzten Rennen 34 von 38 Wochenenden unterwegs. Das ist sehr viel."

"Verantwortlich sind sie jetzt"

Was die Zukunft von Mercedes in der Formel 1 betrifft, bleibt Haug optimistisch. Er sei sicher, dass die Silberpfeile eines Tages die WM gewinnen.

Auf diesem Weg könnten Lauda und Brawn jederzeit auf ihn zählen.

"Sie können mich immer kontaktieren", sagte er. "Aber verantwortlich sind sie jetzt."

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