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Luca di Montezemolo ist seit 1991 Verwaltungsratsvorsitzender von Ferrari © getty

Ferrrai-Präsident Luca di Montezemolo bezichtigt den Weltmeister-Rennstall des Regelbruchs. Auch die FIA bekommt ihr Fett weg.

Von Jakob Gajdzik

München - Auch knapp einen Monat nach dem verlorenen Finale in Brasilien ist der WM-Frust bei Ferrari nicht verdaut.

Präsident Luca di Montezemolo fühlt sich ungerecht behandelt und tritt gegen Red Bull und die FIA nach.

"Im Verlauf des Jahres gab es ein paar Dinge, die mir nicht gefielen. Ich sah Autos, die nicht dem Reglement entsprachen. Doch anstatt sie zu disqualifizieren, wurde den Teams nur nahegelegt, die Autos bis zum nächsten Rennen umzubauen", haderte der Italiener auf der Ferrari-Weihnachtsfeier sowohl mit dem WM-Rivalen als auch mit dem Automobilverband.

Unterboden und Motor-Mapping als Aufreger

Dabei bezog er sich auf die Red-Bull-Tricks in Monaco, wo die Bullen dank Löchern im Unterboden den Grand Prix in Person von Mark Webber gewannen und auf das Rennen in Hockenheim, wo die Verantwortlichen wegen eines strittigen Motor-Mappings wenige Stunden vor dem Start zur Rennkommission zitiert wurden, um kurz darauf doch grünes Licht für den Start zu bekommen.

Auch wenn Ferrari-Pilot Fernando Alonso den Deutschland-GP für sich entscheiden konnte, holte Weltmeister Sebastian Vettel auf Platz fünf dennoch wichtige Punkte.

Di Montezemolo sieht beide Vorfälle als klare Verstöße an, wogegen Red Bulls Design-Genie Adrian Newey immer mit dem schwammigen Regelwerk der FIA argumentierte ? und Recht bekam.

Kritik an Technologie

Beide Tricks nutzte der Weltmeister-Rennstall zur Verbesserung der Aerodynamik. Die immer höhere Bedeutung dieses Faktors ist dem Ferrari-Präsidenten ebenfalls ein Dorn im Auge und entlockte ihm eine Generalkritik an der Königsklasse.

"Ich sehe es mit großer Sorge, dass es nicht mehr möglich ist, einen Technologietransfer von der Rennstrecke auf die Straße umzusetzen", erklärte di Montezemolo den fehlenden Bezug zu den Straßenfahrzeugen:

"Die Entwicklung wurde in zu vielen Bereichen eingefroren und weil die Aerodynamik inzwischen so wichtig ist, erinnern die Boliden eher an Raumschiffe als an Autos."

Der 65-jährige fordert ein Umdenken.

"Das muss aufhören"

"Das muss aufhören. Es ist eine Konsequenz der Entscheidungen, die vor vier Jahren, als Mosley noch da war, getroffen wurden. Damals herrschte die Notwendigkeit, die Kosten zu reduzieren", sagte er und nahm im gleichen Atemzug seine Scuderia in die Pflicht:

"Beginnend mit der Saison 2014 müssen wir eine neue Phase starten: Wir werden ja sehen, in welcher Form die Formel 1 dann geführt wird. Was uns betrifft, so werden wir alles in unserer Macht stehende tun, um eine große Veränderung herbeizuführen."

Einmal in Fahrt gekommen, ließ sich di Montezemolo auch über die große Distanz zwischen den Teams aus.

Kundenauto oder Ausschluss

"Die Lücke zwischen den großen und den kleinen Teams ist nach wie vor sehr groß. Man kann nicht immer nur alles auf unterster Ebene regeln", fordert er indirekt den Ausschluss von Teams wie Caterham oder Marussia. "Wenn diese Teams die Ressourcen und die Strukturen nicht haben, sollten sie in einer niedrigen Klasse antreten."

Gleichzeitig bietet di Montezemolo einen Lösungsansatz in Form des Kundenautos: "Ein drittes Auto, welches die großen Teams an kleinere Teams verkaufen, wäre eine Lösung, um für vergleichsweise wenig Geld ein wettbewerbsfähiges Auto zu bekommen."

In Bezug auf die kommende Saison will man bei Ferrari aus den Fehlern der vergangenen Saison lernen und plant für die nächsten beiden Jahre zweigleisig.

Zwei Design-Koordinatoren

Da 2014 die Regeln in der Formel 1 erneut geändert werden, reagiert der Rennstall jetzt schon und stellt zwei separate Designerteams ein, um den Boliden auf alle Eventualitäten vorzubereiten.

"Wir haben in diesem Jahr gesehen, dass wir nicht effizient genug waren, wenn wir zu viele Dinge gleichzeitig angingen", sagte Teamchef Stefano Domenicali und ergriff Maßnahmen:

"Was das Design betrifft, werden wir zwei Koordinatoren haben. Simone Resta, ein Ingenieur, der seine Karriere in Maranello vorantrieb und sehr effektiv arbeitet, wird sich um das Auto für 2013 kümmern. Fabio Montecchi befasst sich mit dem Auto für das darauffolgende Jahr."

Und auch di Montezemolo kündigt für den erneuten Angriff auf den Titel mit Nachdruck an:

"Regularien bis an die Grenzen ausreizen"

"Wir müssen die technischen Regularien bis an die Grenzen ausreizen, wollen dabei aber unsere Stärken aus diesem Jahr beibehalten oder sogar noch ausbauen. Uns ist klar, dass die anderen keine Däumchen drehen werden. Es muss uns gelingen, einen anderen, kreativeren Weg einzuschlagen."

Wie es geht, musste er sich von Red Bull in der vergangenen Saison leidvoll vorführen lassen.