vergrößern verkleinern
Der Engländer Ross Brawn ist seit 2012 Teamchef bei Mercedes © imago

Änderungen in der Aerodynamik-Abteilung und im Windkanal machen Mercedes das Leben schwer. Der Teamchef steht unter Druck.

Von Felix Götz

München - In der Fahrerwertung Platz neun für Nico Rosberg und Rang 13 für Michael Schumacher, in der Teamwertung knapp vor Sauber Fünfter:

Die vergangene Saison war nach einem ordentlichen Start mit Rosbergs Sieg beim Großen Preis von China für Mercedes ein einziges Desaster. (DATENCENTER: WM-Fahrerwertung)

Die Weiterentwicklung des Boliden gelang überhaupt nicht, was wohl auch letztlich zum Abschied von Motorsportchef Norbert Haug führte.

Teamchef Ross Brawn hat dafür in seiner Bilanz hauptsächlich zwei Gründe ausgemacht.

Eine komplizierte Situation

Die "Silberpfeile" mussten die Aerodynamik-Abteilung umstrukturieren und in diesem Zusammenhang eine Umstellung im Windkanal vornehmen.

"Wir mussten auf den neuen Aerodynamik-Chef Mike Elliot warten, weil er eine Kündigungsfrist bei Lotus hatte", erklärte Brawn.

Die Bekanntgabe des Abgangs von Chefdesigner Loic Bigois Ende Mai brachte Mercedes also in die Bredouille.

"Nachdem wir die Situation mit Loic beendet hatten, tat sich eine Lücke auf, die wir nicht so gut füllen konnten", räumte der 58-Jährige ein.

Neues im Windkanal

Im Windkanal schwenkte der schwäbische Rennstall während der Saison und als eines der letzten Teams von kleineren auf größere Boliden-Modelle um.

"Wir haben den Windkanal von 50-Prozent-Modellen auf 60-Prozent-Modelle umgestellt. Das hatte einen Einfluss", meinte Brawn.

Ein Problem mit den kleineren Modellen: Obwohl Pirelli entsprechende Reifen liefert, sind die bei den Tests erhaltenen Werte nicht genau genug.

[kaltura id="0_f3oh8qwc" class="full_size" title="Mister Mercedes sagt ade"]

Besseres Feedback

"Selbst mit der größten Anstrengung von Pirelli erhält man von den 60-Prozent-Modellen besseres Feedback als von den 50-Prozent-Modellen", so Brawn.

Der frühere Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug erklärte die Misere bereits Anfang November genauso.

"Das soll keine Entschuldigung sein, aber wir haben bis vor zwei Monaten den Windkanal umgestellt, um auf die Zukunft vorbereitet zu sein", hatte der 60-Jährige gesagt. ("Manche haben gesagt: Endlich ist er weg")

Zu wenig Platz für Messtechnik

Testet man mit den kleineren Modellen im Windkanal, dann ergibt sich ein weiterer Nachteil.

Für die sich rasant entwickelnde Messtechnik fehlt es an Raum.

"Über die Jahre haben wir immer mehr Equipment für Messungen, Überwachung und Checks in den Windkanal gesteckt. Wir hatten im 50-Prozent-Modell einfach keinen Platz mehr", bestätigte Brawn.

So gab es laut Brawn Entwicklungsideen, die Mercedes gerne vorangetrieben hätte, wofür aber die nötige Ausstattung fehlte.

Keine Ausreden mehr

Diese Probleme sind oder werden derzeit gelöst. Für die am 17. März in Australien beginnende Saison gibt es also keine Ausreden mehr.

Mercedes muss mit seinen Fahrern Rosberg und Lewis Hamilton erfolgreich sein, andernfalls dürfte vor allem für Brawn die Luft eng werden.

Nach Haugs Abschied steht der Engländer gehörig unter Druck.

"Die Misserfolge in der Formel 1 sind einzig Brawn anzulasten", hatte Rennfahrer-Legende Hans-Joachim "Strietzel" Stuck im Dezember im "Focus" kritisiert: "Das Auto war einfach nicht schnell genug." (BERICHT: Stuck kritisiert Brawn)

Fortschritte bei Mercedes

Der neue AMGW04 muss deutlich mehr Speed als sein Vorgänger haben, Mercedes ist dabei auf einem guten Weg, wie "auto motor und sport" berichtet.

Ein neues ultrakleines Getriebe ist bereits fertig und getestet. Beim neuen Fahrwerk kann die Geometrie schnell geändert werden, um bei Problemen mit den Reifen reagieren zu können.

Der Coanda-Auspuff ist angeblich dem von Red Bull recht ähnlich.

Schumacher zuversichtlich

Mercedes rackert also an mehreren Baustellen.

Und ausgerechnet Rekord-Weltmeister Schumacher, der sich in den Formel-1-Ruhestand verabschiedet hat, macht seinem Ex-Team Hoffnung:

"Das Auto, das wir im abgelaufenen Jahr hatten, wurde ja noch unter den alten Verhältnissen gebaut. 2013 wird diese Infrastruktur richtig greifen."

x
Bitte bewerten Sie diesen Artikel