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Mark Webber (l.) fährt seit 2007 für Red Bull in der Formel 1 © imago

Erst warf der Red-Bull-Motorsportchef dem Australier mangelnde Kooperation vor, nun attestiert er ihm ein schwaches Nervenkostüm.

Von Felix Götz

München - Red Bulls Motorsport-Chef Helmut Marko lässt nicht locker.

Nachdem der Österreicher erst vor wenigen Tagen seinem Fahrer Mark Webber mangelnde Kooperation vorgeworfen hatte, stichelt er weiter gegen den Australier.

Im "Red Bulletin" äußerte er die Vermutung, dass Webber "ein kleines Problem hat", mit Druck umzugehen, wenn er die Chance auf den Gewinn des Weltmeistertitel hat.

"Es scheint so, als ob Webber pro Jahr durchschnittlich zwei Rennen hat, in denen er unschlagbar ist, dieses Niveau aber nicht über ein ganzes Jahr halten kann", sagte der 69-Jährige.

"Sobald er in eine gute Position im Kampf um den WM-Titel kommt, bekommt er ein wenig Probleme mit dem Druck, der dadurch erzeugt wird."

Bitterer Ausfall in Korea

2010 führte der Australier die WM-Wertung an, als er in einem entscheidenden Rennen in Korea dann nach einem Unfall ausschied. Daraufhin konnte sich Teamkollege Sebastian Vettel den Titel sicher.

Auch in der vergangenen Saison hatte Webber nach der Hälfte der Saison noch gute Chancen auf den Gewinn des WM-Titels, verpasste dann allerdings sechs Mal in Folge das Podium und verlor dadurch den Anschluss.

In der "Sport Bild" hatte Marko Webber erst jüngst mangelnde Teamfähigkeit vorgeworfen.

"Mark war in Brasilien nicht optimal kooperativ", sagte er und spielte damit auf das vergangenene WM-Finale in Sao Paulo an. Dort hatte Webber seinen Teamkollegen Sebastian Vettel gegen eine Mauer gedrängt. Bereits 2011 beim Großen Preis von Großbritannien hatt er eine Stallorder ignoriert.

"Statistik spricht deutliche Sprache"

Marko ist zudem genervt, weil Webber immer wieder Vettels Erfolge schmälert, in dem er Design-Guru Adrian Newey als Hauptverantwortlichen für die Dominanz der "Bullen" darstellt. (BERICHT: Webber schwärmt von Newey)

Doch obwohl laut Marko beide Fahrer das "absolut identische Material" erhalten, ist Vettel deutlich erfolgreicher.

"Vier Jahre fuhren Vettel und Webber zusammen in unserem Team. Sebastian wurde dabei einmal Vizeweltmeister und gewann drei Mal den Titel. Diese Statistik spricht eine deutliche Sprache", erklärte der Grazer, der 1971 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewann. (DATENCENTER: WM-Fahrerwertung 2012)

Deshalb unterstrich er Webbers Status als Nummer zwei: "Es gibt keinen Grund für mich anzunehmen, dass die Kräfteverhältnisse sich ändern sollten."

Mateschitz und Horner pro Webber

Bei Marko scheint Webber allmählich unten durch zu sein.

Immerhin soll der 36-jährige Australier die Rückendeckung von Firmen-Boss Dietrich Mateschitz und Teamchef Christian Horner genießen.

Dennoch fährt Webber in der kommenden Saison offenbar auf Bewährung.

"Mark weiß, was wir von ihm erwarten", meinte Marko. Klingt fast wie eine Drohung.

Hülkenberg zu Red Bull?

Sollte sich Webber in Zukunft nicht mannschaftsdienlicher Verhalten, wird der Ende 2013 auslaufende Vertrag womöglich nicht verlängert.

Als mögliche Nachfolger werden bereits die beiden Toro-Rosso-Piloten Jean-Eric Vergne und Daniel Ricciardo gehandelt - und laut "Sport Bild" auch Nico Hülkenberg.

Der 25-Jährige, der von Force India zu Sauber gewechselt ist und beim Schweizer Rennstall einen Ein-Jahres-Vertrag besitzt, wäre schon einmal fast bei Red Bull gelandet - im Nachwuchsteam.

Auch Ferrari an Hülkenberg dran

"Vor ein paar Jahren stand er auf der Kandidatenliste für unser Juniorteam", bestätigte Marko:

"Aber Nico hatte damals schon einen anderen Hauptsponsor, von dem er sich nicht trennen wollte."

Einen Konkurrenten im Ringen um Hülkenberg hätten die "Bullen" allerdings wohl in Ferrari.

Die "Scuderia" hat den "Hülk" schon länger auf dem Zettel und würde ihn offenbar holen wollen, falls Felipe Massa keine gute Saison fährt.

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