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Ex-Weltmeister Jenson Button geht in seine vierte Saison als McLaren-Pilot © getty

Die Briten bauen die Chrompfeile radikal um und wollen sie langfristig entwickeln. Eine Personalie sorgt für Zündstoff.

Von Tobias Wiltschek

München - Von ungetrübter Vorfreude kann bei McLaren keine Rede sein.

Wenige Tage vor dem Saisonstart beim Großen Preis von Australien (Freies Training, Fr., ab 6 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) kämpfen die Chrompfeile immer noch mit den Problemen ihres MP4-28.

Beim radikal umgebauten Gefährt von Jenson Button und Neuzugang Sergio Perez mangelt es vor allem an der Zuverlässigkeit. "Bei einem neuen Rennwagen kann man sich nie so sicher sein, wie man das gerne hätte", gab Teamchef Martin Whitmarsh zu.

Keine Euphorie bei Button

Auch Button brach bei der letzten Testphase bei der Beschreibung seines Dienstwages nicht in Euphorie aus: "Ich glaube, dass wir aus dem Auto viel mehr rausholen können, als wir es im Moment tun."

Whitmarsh betonte aber, dass der britische Rennstall bewusst mehr Risiko eingegangen sei, um im Laufe der Saison Entwicklungsmöglichkeiten zu haben (NEWS: Alles zur Formel 1).

"Wir haben viele Änderungen am Paket vorgenommen, um in allen 19 Rennen wettbewerbsfähig zu sein und um das Auto weiter entwickeln zu können."

Stark zu Beginn und am Schluss

Dabei nimmt er wohlwissend in Kauf, dass seine Piloten zu Beginn der Saison noch nicht um die absoluten Spitzenzeiten kämpfen können. Ganz im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als Button noch im Albert Park triumphierte.

Auch zum Abschluss der Saison in Brasilien war der Weltmeister von 2009 nicht zu schlagen (DATENCENTER: Der Rennkalender).

Von daher wäre es einfacher gewesen, das alte Auto weiterzuentwickeln.

Aber der MP4-27 hatte auch seine großen Schwächen, die den Chrompfeilen nach der Sommerpause den WM-Titel kostete. Perez' Vorgänger Lewis Hamilton schied in Singapur und in Abu Dhabi wegen technischer Defekte in Führung liegend aus.

Austausch mit Mercedes

Deswegen habe man sich auch im Winter intensiv mit dem Motoren-Lieferanten ausgetauscht. "Wir haben sehr hart mit Mercedes-Benz daran gearbeitet, die Probleme der vergangenen Saison zu beheben", erklärte Whitmarsh.

Spekulationen, Honda könnte Mercedes als Motoren-Lieferant der Chrompfeile zur kommenden Saison ablösen, dementierte der 54-Jährige bei "Sky Sports F1" scharf:

"Wir haben einen Vertrag, der die nächsten drei Jahre gültig ist und werden definitiv auch die kommende Saison mit Mercedes-Motoren bestreiten. Es ist eine lange und erfolgreiche Partnerschaft."

Pikante Personalie

Viel mehr beschäftigt ihn die Personalie Paddy Lowe um. Der wurde als Technik-Chef abgesetzt, nachdem bekannt wurde, dass er vor einem Wechsel zu Mercedes steht.

Allerdings besitzt der Vertraute des neuen Silberpfeil-Piloten Hamilton noch einen Vertrag bis zum Jahresende.

Eine knifflige Situation:

Einerseits soll er aus den Entwicklungen für das Auto der Saison 2014 herausgehalten werden, um keine Informationen an den Konkurrenten zu liefern. Andererseits war er maßgeblich am radikalen Umbau des aktuellen Renners beteiligt und könnte im Laufe der Saison noch wertvolle Hinweise geben.

Lowe nicht in Australien

Dass er beim Auftakt in Melbourne nicht vor Ort sein wird, unterstreicht das Dilemma von McLaren und lässt Fragen nach seiner eigentlichen Aufgabe offen.

"Wir haben seine Rolle überdacht, aber wir sind da ganz offen", lautet dazu die nichtssagende Antwort von Whitmarsh.

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